Schreibkick: Herbstfarben

Herbstfarben

 

Die ersten Herbstfarben sah sie schon im August, genau am 31.8. Beim letzten Bad dieses Sommers, im schönen Seerosenteich. Rund um sie im Wasser wunderbare Seerosen, am Ufer gelb verfärbte Blätter an den Bäumen.

 

Manchmal sind die beeindruckenden Herbstfarben versteckt, verborgen unter Nebelschichten. Sie sind nur ahnbar. Dann wieder leuchtet das volle Spektrum, das Auge ist förmlich geblendet von der Farbpracht der herbstlichen Natur.

Sie genoß diesen Farbenrausch, dahingehend auf dem weichen Waldboden, das Moos, die Wurzeln unter ihren Fußsohlen spürend. Jeder Schritt war Fühlen, war Spüren, war Berührtsein. Ihre Seele tanzte weit ober ihr und sah sie inmitten dieser wunderbaren Landschaft, und war gleichzeitig in ihr. Alles war eins.

Sie spürte einen Blick, als sie aufsah, schaute sie direkt in die Augen eines Rehes. Eines Rehes, das ganz nahe ganz ruhig stand, und sie unverwandt anblickte. Lange standen sie so, Blick in Blick. Eine Verbindung zwischen ihnen, unsagbar, unbeschreiblich schön.

Sie wußte, dieses Gefühl würde sie immer spüren, immer, wenn sie an diesen Augenblick dachte. Noch Jahre, ja Jahrzehnte danach war es sofort da.

So viel Schönes entdeckte sie bei diesem Spaziergang. Jeder Grashalm, jedes Moosteilchen, jeder Stein, jeder Baum und Strauch sprach zu ihr.

Sprach zu ihr von seinem Sein.

Von seinem Sein und von ihrem Sein.

Alles war eins.

Es war so wohltuend.

Sie war daheim.

Geborgen in diesem Wald, in diesem uralten Wald, immer wieder neu.

Wachsen und Vergehen. Der Lauf des Lebens.

Es war so spürbar.

Die kurze Zeit dieses Erdenlebens.

Ein Baum wurde viel älter.

Er konnte so viel erzählen.

Sanft rauschte es in seinen Blättern.

Ein Wispern und Raunen.

Geschichten über die Zeit.

Bald würden rauhe Winde wehen, kalt würde es werden, der Schnee würde vom Himmel fallen und eine weiße Decke würde alles einhüllen. Zeit zum Eislaufen, zum Schneestapfen, dick eingepackt in warme Kleidung, und daheim dann aufwärmen mit heißem Tee und Zimtgebäck dazu genießen.

 

Langsam kündigte sich der Frühling an, alles erwachte zu neuem Leben, laue Luft erfüllte ihre Lungen. Zarte Farben erfüllten ihre Augen und schmeichelten ihren Sinnen.

 

Und schon kam die Hitze des Sommers mit all seinen Freuden. Die kühle Frische der Naturgewässer, in denen sie sich so wohl fühlte. Das Wasser umschmiegte ihre Glieder, ihren Körper, umfloß sie, nahm sie mit. Ihre Gedanken vereinten sich mit dem Fluß und zogen in weite Ferne, immer weiter, bis ins Meer.

 

Die bunte Blütenpracht des Sommers erfreute sie sehr. Sie konnte sich kaum sattsehen daran.

 

Und dann der Herbst mit seinem Farbenrausch.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Corly

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.11.2017 lautet: Nebelschwaden

 

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13 Gedanken zu “Schreibkick: Herbstfarben

  1. Pingback: Geschichtszauberei

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