Reizwort-Geschichte: Das kreative Chaos

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Reizwörter:  Chaos  –  Papierkram  – entsetzt – verzweifelt – froh

Das kreative Chaos

 

Die Sonne lacht beim Fenster herein, ich erwache und freue mich auf den neuen Tag. Nach einem genußvollen Frühstück mache ich eine Runde im Garten, erfreue mich am frischen Grün, an der frischen Luft und an den schönen bunten Blüten. Dabei überlege ich, was ich heute Schönes sticken könnte. Ich habe schon einige Ideen – da fällt mir ein: meine 1. Lesung ist in wenigen Tagen, ich habe noch viel vorzubereiten. Eine bestimmte Geschichte suche ich, die Zahnarzt-Geschichte. Ich saß im Wartezimmer, und hatte plötzlich eine Inspiration, schrieb sie nieder, und eine wunderbare Geschichte entstand daraus. Diese Geschichte will ich unbedingt bei der Lesung vortragen. Doch wo ist sie? Ich suche an verschiedenen Orten, in meinem kreativen Chaos ist zwar alles geordnet, für Außenstehende wirkt es anders, aber ich finde meist alles schnell, was ich suche.

Die Zettelwirtschaft, auch Papierkram genannt, ist manchmal ziemlich lästig, alles im PC aufzubewahren ist auch eine Möglichkeit. Aber es geht nichts über das Gefühl, eine Inspiration sofort handschriftlich auf richtigem Papier festzuhalten. Papier fühlt sich viel besser an, als die Tasten des Computers.

 

Ich suche und suche, finde dabei andere interessante Dinge, auch eine Geschichte, die ich fast vergessen hatte, ja, die wird auch dabei sein.

Entsetzt fällt mir ein, daß die Zahnarzt-Geschichte womöglich irrtümlich im Altpapier gelandet sein könnte – ich bin verzweifelt.

Nach einigem Suchen finde ich sie, sie ist sogar im Block eingeschrieben. Ich bin sehr erleichtert, lese sie durch und merke, sie ist noch besser, als ich sie in Erinnerung hatte. Sie paßt sehr gut in meine Lesung.

Froh stelle ich das Programm zusammen, natürlich einige Geschichten mehr als ich lesen werde, damit ich mich spontan umentscheiden kann, wenn ich das möchte.

Ich bereite auch vorsichtshalber eine gute Geschichte für die Zugabe vor.

Nun wende ich mich den Kleidungsstücken zu, die ich mit Glasperlen liebevoll handbestickt habe. Sie werden bei der Lesung präsentiert und ich freue mich darauf.

Gerne berichte ich nach der Lesung darüber.

© Eva Schnepf 2014

 

Weitere Geschichten mit diesen Reizwörtern findet ihr bei LORE, MARTINA und REGINA. Viel Freude beim Lesen!

 

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Reizwort-Geschichte: Sticken im Sonnenschein

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Reizwörter:  Hummel – Kleid – singen – lösen – lila

Sticken im Sonnenschein

Bei wunderschönem Sonnenschein und angenehmer Temperatur sitze ich am Holztisch im Garten. Darauf ist das gesamte Sortiment meiner glitzernden und strahlenden Glasperlen und Glasstifte aufgebaut. Ich bin dabei, ein Kleid mit diesen Perlen zu besticken und dadurch zu verschönern. Das macht mir große Freude und immer wieder genieße ich das Schimmern und die Reflexe, durch das Sonnenlicht beginnen die bunten Perlen und Stifte fast zu leben. Inspiriert beginne ich zu singen „here comes the sun“.

Plötzlich höre ich ein Brummen, ich schaue auf, und sehe eine große, dicke Hummel, die mich umschwirrt.

Scheinbar gefällt ihr mein Arbeitsplatz, denn sie setzt sich mitten in die Perlen und genießt scheinbar ihren Glanz.

Das ist ein angenehmer Besuch.

So sitzen wir eine Weile zusammen, ich betrachte fasziniert die Schönheit der Hummel, und nehme ihre Farben gleich in meine Stickerei auf. Der fein behaarte kräftige Körper, die elfengleichen, wunderschönen Flügel, von denen man kaum glaubt, daß sie das Gewicht tragen können.

Nach einiger Zeit erhebt sie sich wieder in die Lüfte, schwirrt noch eine Runde und entschwindet aus meinem Gesichtsfeld.

 

Sehr motiviert sticke ich weiter, ein Muster nach dem andren ergibt sich, ich erfreue mich am kreativen Schaffen, plötzlich ein Ruck, es geht nicht weiter. Ah, da ist ein Knoten im Faden. Behutsam löse ich den Knoten auf und sticke weiter.

Es ist eine wunderbare Arbeit, aus den vielen bunten Perlen die passenden auszuwählen und aufzusticken.

Während einer Pause gehe ich durch den Garten und betrachte freudig die vielen bunten Blumen, jede Blüte ein Kunstwerk für sich.

Besonders stechen mir heute strahlende lila Blüten in die Augen – sofort beginne ich ein florales Muster in verschiedenen Lila-Tönen zu sticken, das mein Werk sehr bereichert.

Schön langsam beginnt es kühl zu werden und ich verlagere meinen Arbeitsplatz nach drinnen.

Dort sticke ich munter weiter, bis mein Werk vollendet ist.

 

© Eva Schnepf 2014

 

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Reizwort-Geschichte: Das (Glas)Perlenspiel

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Reizwörter: Perlen, Zeit, träumen, glücklich, schweigen

 

Reizwort-Geschichte: Das (Glas)Perlenspiel

 

Der Regen fällt vom Himmel, wie schimmernde Perlen liegen die Regentropfen auf der Erde, um dann ins Erdreich zu sickern und aufgenommen zu werden. Der ewige Wasser-Kreislauf.

Am frühen Morgen bedecken die schillernden Tauperlen die Gräser, wunderschön anzusehen. Die Tiere laben sich daran, ein Morgentrank für sie.

Süßwasserperlen und Perlen aus dem Meer, im Dunklen geformt und wunderbar schimmernd.

Die Perlen der Weintrauben erwecken im Mund ein Perlengefühl, jede einzelne küßt die Geschmacksnerven.

Tränen perlen aus den Augen, aus Glück oder aus Traurigkeit, beide sind wichtig.

Alle diese Perlen sind wundervoll, die wundervollsten für sie sind Rocailles, kleine Glasperlen, in vielen Farben, matt und glänzend, einfärbig und changierend, strahlend und bunt wie der Regenbogen.

Es ist eine große Freude, sie zu betrachten, besonders wenn eine Lichtquelle sie scheinbar zum Leben erweckt.

Im Sonnenschein glitzern sie besonders schön und herzerwärmend.

Sie träumt von einem wunderschönen Muster aus Glasperlen,floral, spiralig und grafisch, und verliert sich in einem Meer aus Farben, Glanz und Strahlen.

Wenn die Zeit paßt, beginnt sie die Glasperlen auf die Kleidung aufzusticken.

Dies bereitet ihr große Freude, ein Schweigen ist um sie, darin liegt Kraft und Kreativität, sie geht darin auf und versinkt im Tun.

Glücklich betrachtet sie die wachsenden Motive und erfreut sich sehr, wenn das Werk vollendet ist.

Mit großer Freude trägt sie das aufgewertete Kleidungsstück, erfreut sich an den wertschätzenden Kommentaren der Menschen, denen es gefällt und gibt es mit einem halb lachenden, halb weinenden Auge weiter, wenn es ein neues Zuhause findet.

 

© Eva Schnepf 2014

 

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Reizwort Geschichte: Der Freudentag

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Reizwörter: Schulhaus – Jahrmarkt – trösten – tanzen – verirren

 

Der Freudentag

 

Die Holzpforten des Schulhauses öffneten sich, sie flogen auf, und entließen einen Schwall Kinder, die sich förmlich auf die Straße ergossen.

Strahlender Sonnenschein begrüßte sie und ein warmes Lüftchen umkoste sie.

Alle Kinder rannten in eine Richtung. Zu der großen Wiese, am Rande des Dorfes. Dort war heute Jahrmarkt. Sie hatten lange darauf gewartet und sich darauf gefreut.

Als der Jahrmarkt endlich in Sichtweite war, jubelten sie auf.

Es war ein Traum. Das Ringelspiel, da würden sie fröhlich ihre Runden drehen. Die große Schaukel, auf der sie in den Himmel fliegen würden. Das große Kettenkarussell, das einerseits etwas Angst und Bauchgrummeln machte, andererseits ein einzigartiges Vergnügen bereitete.

Und die vielen Stände mit Essen und Trinken, das ja bekanntlich Leib und Seele zusammenhält.

Es war eine Pracht. Sie wußten nicht, wohin sie sich zuerst wenden sollten.

Jeder lief woanders hin, und betrachtete mit großen Augen und offenem Mund sehnsuchtsvoll die ausgesuchte Attraktion.

Sie hatten vereinbart, zusammenzubleiben. Nur so hatten sie die Erlaubnis bekommen, den Rummel allein, ohne Erwachsenen, zu besuchen.

Ein JA ist so schnell ausgesprochen, und dann ist es vergessen ob so vieler Reize.

Der kleine blondschöpfige Jakob in seiner halblangen, grauen Hose und seiner grünen Joppe, von seiner Mutter selbstgestrickt, mit den schönen roten Verzierungen, hatte es besonders eilig. Er wollte alles auf einmal sehen, in sich aufnehmen, um das ganze Jahr daran zu zehren.

Plötzlich sah er nur mehr fremde Menschen. Keiner seiner Schulfreunde war zu sehen. Scheinbar hatten sich die anderen verirrt, dachte Jakob.

Nein, er selbst hatte sich verirrt. Oje, da wurde ihm ganz anders. Ängstlich blickte er um sich, was sollte er nur tun? Eingestehen, daß die Freude und Begeisterung mit ihm durchgegangen war?

Das war hier nicht gern gesehen, Pflichterfüllung wurde groß geschrieben, Freude und Lachen waren nicht so wichtig.

Schon wollte er zu weinen beginnen, da erblickte er ein bekanntes Gesicht.

Die Nachbarin mit den langen grauen Haaren, die so freundlich war, und immer ein liebes Wort für die Kinder auf den Lippen hatte, stand vor ihm. Mit einem Blick erfasste sie die Situation, sah sein zum Weinen verzogenes Gesicht. Liebevoll tröstete sie Jakob. Der strahlte vor Freude und Geborgenheit und schmiegte sich leicht an sie. Sie hielt ihm ihre Hand hin und sagte: „Du bist ja weit gelaufen. Die anderen Kinder sah ich ein Stück weiter vorn, beim Kettenkarussell. Damit willst du sicher auch fahren, stimmts?“ Er nahm ihre Hand und eiligen Schrittes bewegten sie sich in die Richtung.

Auf einer in der Mitte aufgebauten Bühne standen einige Paare in Tracht, um zu tanzen. Kurz schauten die Beiden zu, wie sich die Paare drehten und den Tanz genossen.

Dann waren sie endlich wieder bei den anderen Kindern. Die hatten sich schon gewundert, wo Jakob geblieben war. Voller Freude kauften sie eine Karte, und stürmten auf das Karussell. Sie flogen durch die Luft und schrien vor Vergnügen.

Die Nachbarin erfreute sich an der Lebenslust der Kinder und Erinnerungen kamen, an die Zeit, als sie das hellblonde Mädchen war und Hand in Hand durch die Lüfte flog …

© Eva Schnepf 2014

 

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