Im Gedenken an meine Tante

Es war im Krieg. Sie wohnte am Rande eines kleinen Städtchens ganz idyllisch im Grünen. Gleich neben der Wiese vor dem Haus begann der Wald, der der beste Abenteuerspielplatz für die Kinder war.

Es gab nicht nur Spiel, erst waren die Schuljahre, dann 1 Pflichtjahr, das sie in Rudmanns leistete.  (Jahr für die Allgemeinheit / gemeinnützig.)

Dann mußte sie mit anderen Mädchen die Räume der russischen Kommandatur reinigen. Es mußte schnell gehen und sauber sein. Das war nicht einfach, denn die Besatzer feierten allabendlich, der Alkohol floß in Strömen, nicht nur in ihre Kehlen, auch auf den Boden und das Mobiliar. Die Räume waren dadurch unvorstellbar verschmutzt. Die Mädchen mußten sich tummeln (beeilen), denn die Herren wollten es zwar sauber haben, aber die Reinigenden nicht zu Gesicht bekommen. Das war den Mädchen nicht unrecht, sie wollten sie auch nicht sehen.

So vergingen die Jahre ihrer Jugend, sie erschien allen zufrieden mit ihrem Leben, alle waren in ähnlicher Lage.

Insgeheim hatte sie große Träume,  ja sogar schon Pläne. Sobald es irgendwie möglich war, sprich, sobald der Krieg zu Ende wäre, würde sie ihrer Heimatstadt den Rücken kehren und auswandern. Im fremden Land wollte sie ihr Glück finden. Einige Länder waren in ihrer Wahl, am liebsten wollte sie in die Schweiz. Sie hatte über dieses herrliche Land gelesen und es zog sie sehr an. Oft stellte sie sich ihr zukünftiges Leben in den schönsten Farben und Bildern vor.

Hart arbeiten würde sie müssen, das konnte sie und war es auch gewöhnt, sie war stark und hatte großes Durchhaltevermögen.

Sie befand sich sozusagen schon in den Startlöchern, und wartete nur auf den Startschuß. Wie makaber ist das Leben eigentlich?

Der Schuß fiel zwar, es war aber ganz anders als erwartet. Es war kein Startschuß, sondern das Gegenteil.

Durch diesen Schuß, fast schon zu Kriegsende, fiel ihr Vater.

Ihr Vater, den sie alle so vermißten und sehnlichst zurückerwarteten. Noch ein sinnloser Tod mehr.

Als der Brief kam, der sie davon informierte, fiel ihr ein anderer Brief ein. Diesen Brief hatte der Vater ihr und den Brüdern geschrieben, bevor er einrücken mußte. Darin bat er seine Kinder, auf ihre Mutter zu schauen, falls ihm etwas passierte, und sie nicht allein und im Stich zu lassen.

Mit einem Schlag waren ihre Träume und Pläne wie Seifenblasen zerplatzt und hatten sich aufgelöst.

Ihr Durchhaltevermögen konnte sie nun besonders gut brauchen. In diesem so nicht geplanten Leben weiterhin in ihrer Heimatstadt.

Sie arbeitete Jahrzehnte in einer Bäckerei als Kindermädchen und Verkäuferin. Sie heiratete, baute mit ihrem Mann ein Haus, in das sie ihre Mutter aufnahmen, die den oberen Stock bewohnte.

Für ihren Mann war die Schwiegermutter die zweite Mutter, seine leibliche Mutter war früh in Wien bei einem Bombenangriff gestorben.

Als die Mutter, immer schwächer und müder werdend, im hohen Alter erkrankte und bettlägrig wurde, pflegte sie diese bis zum Tode, der sie nach Jahren erlöste.

Bald darauf erkrankte ihr Mann, den sie auch jahrelang pflegte.

Nach seinem Tod war sie allein im Haus.

Und sie sagte damals selbst: „Ich bin immer noch hier“

Jetzt ging sie auch ins Licht zu ihren Lieben.

Schon einige Tage davor träumte sie von ihrer Mutter, es war ein großes Fest, und sie sagte zu den Festgästen: „Da ist meine Mutter, sie kommt, um mich zu holen!“

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Schreibkick: Vorsatz

Vorsatz

An den letzten Tagen des Jahres ist die Zeit der Rückschau auf das vergangene Jahr. Auf die letzten Monate. Berührendes, Bewegendes, Erfüllendes, Schönes, Zartes wurde erlebt und genossen.

Immer wieder ist die Frage nach Vorsätzen zu hören und zu lesen. „Unser Vorsatzgenerator hilft Dir dabei die wirklich RICHTIGEN Vorsätze für das neue Jahr zu finden!“

Na danke, sicher nicht!

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Es ist ein wunderschöner, sonniger, eiskalter Silvestertag.

Traditionellerweise finden Silvesterläufe in Stadt und Land statt. Von São Paulo bis Zürich.

Niedergeschrieben ist, daß ein Silvesterlauf einen freudvollen Abschied vom Alten Jahr und einen positiven Ausblick ins Neue Jahr ermöglicht.

Silvesterläufe sind eine sportliche Variante, sich aus dem alten Jahr zu verabschieden, die sich wie ein breites Band um den ganzen Globus spannt.

Der Silvesterlauf der Rauchfangkehrer findet jedes Jahr in Wien und in anderen Orten statt.

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Viele Menschen nutzen den Altjahrestag, um noch einmal in diesem Jahr die Natur zu genießen und sich zu bewegen. Walken, Laufen, Spazieren gehen, Rad fahren und vieles mehr. Jeder auf seine Art.

Natürlich kommen sie immer wieder auf die guten Vorsätze für das nächste, das Neue Jahr zu sprechen.

Da gibt es sehr viele Vorsätze, hauptsächlich klassische. Mit dem Rauchen aufhören, mehr Bewegung und Sport, abnehmen, gesünder essen, weniger Geld für Unnötiges ausgeben, sich mehr Ruhe gönnen, aus dem Hamsterrad aussteigen – und was es noch so alles gibt.

Sie erinnern sich auch an die Vorsätze der letzten Jahre. Hatten sie welche ausgeführt oder waren sie am Morgen des 1. Jänner schon vergessen gewesen?

Da gibt es viel zu lachen, weil die meisten Vorsätze noch in der Silvesternacht mit dem Feuerwerk verpuffen.

So manchem gelingt es, unfreiwillig den Vorsatz einzuhalten, zum Beispiel das sehr beliebte Abnehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören.  Durch Erkrankung ist beides im Nu eingehalten.

Mehr Bewegung und Sport ist schon schwieriger durchzusetzen.

 

Sollten sie sich vornehmen, keine Vorsätze zu fassen? Ist das nicht auch ein Vorsatz?

Gar nicht so einfach, die Sache mit den Vorsätzen.

Na ja, am besten ist vielleicht, das ganze Jahr über ein guter Mensch zu sein, auf sich und seine Mitmenschen zu achten.

Die Silvesternacht zählt zu den Rauhnächten.  Themen der Rauhnächte sind unter anderem: Altes loslassen, Neues willkommen heißen, Innere Einkehr und Gedenken, Visionen und Orakel, Schutz und Segen, Glück aussenden und empfangen, Feiern und Genießen, Wünschen.

 

Wenn man um Mitternacht zur Geisterstunde auf den Dachboden geht, soll einem  der zuletzt im Haus Verstorbene erscheinen.

Das Wilde Heer oder die Wilde Jagd fährt auch an diesem Tag durch die Lüfte. Versunkene Glocken sollen läuten, Unterirdische hört man arbeiten, Hexen sitzen an Kreuzwegen, Verwünschte kommen hervor.

Sei es, wie es sei .

Nun ist Silvester vorbei, das Neue Jahr ist da.

Möge es alle Wünsche – die gut für uns sind – erfüllen.

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Veronika

Nicole

Sabrina

 

Das Thema für den 1.2.2017 lautet:  Inspiration