Schreibkick: Zwischen Tannenbäumen

Schreibkick: Zwischen Tannenbäumen

 

Die wunderbare Weihnachtszeit. Anfang Dezember beginnt der Advent. Der Adventkalender begleitet vom 1. bis zum 24. Dezember. Jeden Tag eine Kleinigkeit, ein schöner Spruch, etwas Süßes oder einige liebe Worte. Früher war es in der Früh ein Erlebnis, nachzuschauen, was heute drin ist.

In diesen Tagen war öfter ein goldener Faden oder etwas Engelshaar zu finden. Es sollte vom Christkind oder den helfenden Engeln stammen. Besonders brav sollte man in dieser Zeit sein, die Aufgaben machen, den Eltern helfen und folgen und vieles mehr.

Kleine Höhepunkte in dieser Zeit waren der 5. und der 6. Dezember. Krampus und Nikolaus.

 

Danach lief die Zeit relativ ereignislos dahin. Kleine Geschenke herstellen und Advent- und Weihnachtsschmuck basteln.

 

Kekse backen helfen. Das war meist für beide Seiten nicht so erfüllend.

Interessanterweise gab es an einigen Stellen abgeschnittene Bäume zu kaufen. Wozu? Den Christbaum brachte doch das Christkind! Diese Bäume standen und lagen herum, wir Kinder tollten zwischen Tannenbäumen herum und spielten Fangen.

 

Die Spannung stieg mit jedem Tag.

 

Schon in der Früh am 24. Dezember gab es ein winziges Geschenk, gerade so, daß es in den Adventkalender paßte.

Alle, die am 24. Dezember Namenstag hatten, in diesem Fall Eva und Hermine, wurden beglückwünscht und beschenkt.

Den ganzen Tag hielt und steigerste sich die Aufregung und Vorfreude auf die Bescherung.

Nachmittags der traditionelle Besuch der Kindermette in der Kirche. Dann war es schon fast nicht mehr auszuhalten. Die Unruhe wuchs. Spielen, lesen – keine Konzentration dafür. Immer wieder Geräusche aus dem abgesperrten Wohnzimmer, womöglich der Spruch: „Schau, grad flog das Christkind – alternativ, ein Englein – vorbei, hast du es nicht gesehen?“

Blöde Geschichte, grad da hatte man nicht zum Fenster geschaut …

Die Eltern waren da drin, sie mußten dem Christkind helfen. Das hätten doch auch die Englein machen können, warum grad die Eltern?

Endlich, endlich läutete dann das Glöckchen. Die Tür öffnete sich –

und WOW – der Christbaum erstrahlte im Lichterglanz von unzähligen Kerzen. Ja, von echten Kerzen, nicht von elektrischen, wie so oft heutzutage.

Gemeinsames Singen von Weihnachtsliedern, mit Seitenblicken auf die vielen bunten Packerl, dann durften wir sie endlich empfangen und öffnen.

Große Freude rundherum über die erhaltenen Gaben, manchmal ein wenig Enttäuschung über nicht erfüllte Wünsche. Das Christkind brachte es, ist halt so.

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Später besuchten wir noch die Großmutter, Tante und Onkel in der Friedenssiedlung. Der Weg war nicht weit, die Fenster hellerleuchtet mit Blick auf Christbäume, so waren wir schnell dort. Auch dort gab es Geschenke, Kekse und Freude und Wohlfühlen. Trotzdem wollten wir Kinder bald wieder heim, um noch ein bißchen mit den neuen Spielsachen zu spielen. Das Wichtigste für mich waren immer die Bücher, die ich verläßlich bekam. Die Weihnachtsferien waren mit Lesen ausgefüllt, so schön.

An den Feiertagen kamen die Verwandten auf Besuch.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2016

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.1.2017 lautet: Vorsatz

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Schreibkick: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

 

Als ich diese Wörter das 1. Mal las, also als ich „Lila Locken“ las, das war nämlich ganz am Anfang, da dachte ich mir „he, da kann ich viel draus machen“. Jetzt grad fällt mir ein, ich hatte als Kind eine Puppe mit lila Locken, die Lilly. Lila war nämlich meine Lieblingsfarbe. Die andere Puppe hatte ein lila Kleidchen an und schaute sehr interessiert in die Gegend.

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Damals waren die Puppen aus hartem, zerbrechlichem Material, man mußte immer sehr aufpassen. Ja, darum gibt es Lilly und die andere Puppe wahrscheinlich auch nicht mehr.

Dafür habe ich noch die Gehpuppe. Sie hatte nie einen Namen, da sie noch zerbrechlicher war. Daher saß sie immer brav auf einem Polster im Elternschlafzimmer. MEINE Puppe, wie gibt’s denn das! Ich hatte sie von einem Onkel bekommen, der hatte sie aus Italien. Er war bei der Bahnpost, fuhr immer nach Innsbruck. Gibt es das heute noch? Ich glaube, nicht mehr. Ah ja, die namenlose Gehpuppe. Jahrzehntelang saß sie auf ihrem Polster. Nun ist sie bei mir eingezogen. Sie erhielt keinen Ehrenplatz. Leider ist unser Verhältnis nicht sehr eng. Wir hatten nie die Chance, uns näherzukommen. Also habe ich sie aufgehoben. Ja, apropos, Gehpuppe. Kennst Du die noch?

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Sie hatte eine ganz eigene Mechanik, durch die das „Gehen“ möglich war. Wenn ich sie, ausnahmsweise mal, gehen lassen durfte, dann hielt ich sie unter den Armen und bewegte und drehte den Oberkörper auf gewisse Weise. Das ließ sie gehen, sie setzte dann – mit meiner Hilfe – ein Bein vor das andere.

 

Die nächsten Wörter, die bald dazukamen, sind „karierte Socken“. Na, damit kann ich ja gar nix anfangen. Socken sind so was Halbes, fast Unnötiges. Entweder barfuß oder Stutzen oder eine Strumpfhose. Aber so was Kurzes, nein. Und kariert noch dazu. Nein, geschmacklos direkt. Also ich würde die nicht tragen.

Ok, vielleicht wären sie ja eventuell als Deko-Element möglich. So als Advent-Dekoration. Als Hinweis auf den Brauch, die Socken an den Kamin zu hängen, damit Santa Claus sie nach seiner Reise mit dem Rentierschlitten und den Fall durch den Kamin befüllt. Auch hier schon wieder, Socken sind eine halbe Sache, da sind doch Stutzen viel besser, da geht ja viel mehr rein. Wenn er schon die lange Reise auf sich nimmt, der alte Mann mit den weißen Locken – oder sind es doch lila Locken? – dann doch nicht für eine Kleinigkeit.

Hier in Österreich ist es effektiver geregelt, da gibt es den Brauch, die Stiefel vor die Tür zu stellen, die der Nikolaus befüllt.

Wir bekamen ja immer ein Nikolo-Haus von ihm. Am 6. Dezember, als es endlich dunkel war, läutete es an der Tür. Entweder brachte der Nikolaus das Nikolo-Haus zu uns in die Küche, sprach einige Worte, wir sagten ein Gedicht auf und sangen ein Lied, dann ging er wieder. Oder das Nikolo-Haus war plötzlich auf dem Tischchen im Vorzimmer und wir durften es hineintragen. Ganz vorsichtig, denn es war voll beladen mit Äpfeln, Mandarinen, Feigen und Datteln, Nüssen und Süßigkeiten. Keinesfalls durften ein Schokoladen-Nikolaus und Krampus fehlen. Der „Dachstuhl“ war reich behängt mit Christbaumanhängern aus Lebkuchen und Schokolade.

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Ach ja, das Nikolo-Haus – einmal ging ich auf die Toilette und sah dann, wer das Nikolo-Haus auf das Vorzimmer-Tischchen stellte. Es war nicht der Nikolaus, auch nicht der Krampus …

So wußte ich jetzt, daß es – wie schon länger vermutet – die Eltern waren. Damit war auch die Geschichte mit dem Christkind Geschichte, ich konnte es einfach nicht mehr glauben.

Das Nikolo-Haus befindet sich jetzt bei mir, und ich schmücke es jedes Jahr für meine – erwachsenen – Kinder.

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Das ist bei uns so wie mit dem Adventkalender: „Egal wie alt ich bin, ich will einen Adventkalender!“

 

Einerseits waren es schöne Zeiten, die mystische Stimmung, Nikolaus, Krampus und Christkind.

Andererseits hatte zum Beispiel die kleine Nachbarstochter lange danach Angst, da der Krampus mit seiner Kette ans Fenster geschlagen hatte und sie damit sehr erschreckte.

Als wir älter waren, gingen wir extra in die Stadt, „Kramperl schauen“. Etliche Burschen hatten sich mit Fellen und Masken als Krampus verkleidet, klirrten und rasselten gar furchterregend mit Ketten und hauten mit ihren Ruten wild um sich. Aua, das schmerzte ganz schön, wenn sie die Waden erwischten.

Dann gab es noch den schönen Brauch, anonyme Krampuskarten mit lustigen Motiven bedruckt, zu verschicken und zu erhalten. Als Absender stand meist: „Wenn Du weißt, wer ich bin, ist ein Kuß Dein Gewinn“. Eigentlich sollte ja der oder die Liebste einen bedenken, oder bedacht werden. Manchmal bekam man sogar eine Karte von jemandem, der einem nicht so wohlgesonnen war.

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So, jetzt fehlen noch die „schneeweißen Flocken“.

Früher, also in meiner Kindheit, war das überhaupt kein Problem. Da fielen die schneeweißen Flocken überreichlich vom Himmel. Aber heutzutage?

Wir können sie uns ja aus Watte basteln, auf einen Faden aufgefädelt, und ins Fenster hängen. Oder auf den Adventkranz oder auf einen Türkranz als Zierde geben.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2016

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Conny

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.1.2017 lautet:  Vorsatz

Dazwischen gibts die Weihnachts-Überraschung, die möglicherweise etwas mit Bäumen zu tun hat 😉