Schreibkick: Das Eis

Schreibkick  Das Eis

 

1

Sie genoß den Gedanken, sie kostete ihn aus, sie stellte sich genau vor, wie es sein würde, wenn es endlich soweit wäre, wenn die das heiß Ersehnte endlich sehen, berühren, mit der Zunge ertasten, in sich aufnehmen konnte. Es konnte nicht schnell genug gehen, bis sie endlich am Ziel war – öffnen, behutsam herausnehmen – ihr geliebtes, heiß ersehntes EIS.

 

2

Eiszeit

in der Seele

alles ein / fest / gefroren

Gedanken …

ein freundlicher Blick

Wärme u Gedanken ..

lassen Worte purzeln

 

3

 

Das Leben auf der Erde war an einem Punkt angelangt, an dem es so nicht weitergehen konnte. Im Prinzip wußten es alle. Viele ließen den Gedanken nicht zu, beziehungsweise versteckten sich hinter gedankenlosen Tätigkeiten.

So war ihr Dasein ausgefüllt mit Arbeiten, die sie beschäftigten, ihre Gedanken blockierten und sie müde machten.

Dann war wieder etwas getan, gekauft, verbraucht, das eigentlich nicht gebraucht wurde.

So waren die meisten Menschen.

Es gab auch Wesen, die sich der fortgeschrittenen Zerstörung ihrer Lebensbasis bewußt waren und alles dafür taten, daß es nicht schlimmer wurde. Rückgängig machen war nicht möglich, aber den Stand halten und nicht verschlimmern schon.

Diese Bemühungen waren hoch anzurechnen, jedoch im Vergleich zu dem, was im Großen geschah, zum Beispiel durch die Industrie, war es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Die Erde begann sich zu wehren. Auf Dauer ließ sie, das lebendige Wesen, sich diese Ausbeutung nicht mehr gefallen. Umweltkatastrophen geschahen.

Anstatt dadurch endlich aufgerüttelt zu sein, und dem Raubbau Einhalt zu gebieten, wurde munter weitergemacht.

Von den meisten.

 

Ganz langsam geschah die Veränderung., und doch ganz schnell. 

Erst war es kaum merkbar, es war nur ein bißchen kühler als sonst um diese Jahreszeit. Und es wurde immer kühler.

Die Bevölkerung trug so viele Schichten Kleidung am Leib wie möglich.

Die Heizungen liefen auf höchster Stufe, alles war aktiviert, was irgendwie Wärme abgeben konnte.

Jedoch, letztendlich half das alles nicht. Es wurde immer kälter. Irgendwann ging es schlagartig, die Erde überzog sich erst mit einer dünnen Eisschicht, diese wurde dicker und immer dicker. Darunter gab es so lange Leben, so lange der Sauerstoff reichte …

Von außen war es wunderschön anzusehen: das Eis strahlte in den schönsten Farben, es glitzerte und gleißte.

Wirklich schade, daß es niemand sehen konnte.

 

Die Menschen, die gespürt hatten, daß eine große Veränderung erfolgen würde, hatten vorgesorgt.

Tief im Erdinneren hatten sie eine Zone geschaffen, in der sie leben konnten. Hier gab es alles, was sie brauchten.

Das Wichtigste war Wasser, dieses gab es in Hülle und Fülle in bester Qualität.

Gemeinsam bewirtschafteten sie die rechtzeitig vorbereiteten Felder.

Das riesige Höhlensystem war einfach, aber bequem ausgestattet. Jeder hatte seinen Bereich, in den er sich zurückziehen konnte.

 

Natürlich gab es auch einen Friedhof, es war ja nicht abzusehen, wie lange sie hier bleiben würden.

Sie wußten ja nicht,, wie lange es diesmal dauern würde.

Oder blieben sie gleich für immer hier unten?

Wir werden es nie erfahren.

Außer …

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2016

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere SchreiberInnen:

Alice

Veronika

Sabrina

 

Das Thema für den 1.7.2016 lautet „Wasserfall“

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