Reizwort-Geschichte: Die Ohrenfreuden

Die Ohrenfreuden

Zuerst arbeitete sie im Garten, wurde immer wieder abgelenkt, von den vielen Blüten und dem frischen Grün. Sie erfreute sich daran, betrachtete die vielfältigen Formen und fotografierte. Die schwarze Katze lief ihr dabei immer wieder über den Weg, mal von rechts, mal von links. Sie wußte, es gab da einen Aberglauben, davon hielt sie nichts. Danach fiel ihr ein, daß sie ja für die nächste Zeit noch einige Kleidungsstücke brauchte, nicht brauchte, sondern wollte. Sie trug immer die gleichen Stücke, jetzt sollte endlich ein wenig Neues dazukommen, bevor die alten sich auflösten. In ihrem Ort fand sie leider nichts – es gab nur ein Geschäft, in dem faire Kleidungsstücke erhältlich waren. Glücklicherweise bekam sie eine Empfehlung. Da sie abends sowieso ein Konzert besuchen wollte, machte sie sich schon früher auf den Weg. Wie erfreut war sie, als sie alles, was sie brauchte, in diesem Geschäft fand. In Gedanken sah sie schon die Muster, mit denen sie die neuen Kleidungsstücke verzieren würde. Die Glasperlen warteten schon, mit feinen Nadeln und Fäden aufgestickt zu werden. Auf dem Weg traf sie noch eine Bekannte, die sie schon länger nicht gesehen hatte, das war eine große Freude. Dann machte sie sich auf den Weg zum Konzert. Sie glaubte, den Weg genau zu wissen, jedoch kam sie wieder in die Verlegenheit, in die falsche Richtung gegangen zu sein. Bevor sie noch mehr Zeit verlor, entschloß sie sich, nach dem Weg zu fragen. Das war immer die schnellste Lösung, naja, nicht immer, es war schon vorgekommen, in die Irre geschickt worden zu sein. Sollte man dies tadeln? Nein, vielleicht wußte es der Auskunftgebende einfach nicht besser. Und – Umwege lassen viel Schönes erfahren, das man sonst nie zu Gesicht bekommen hätte. Aber diesmal klappte es, sie kam rechtzeitig an den Ort des Geschehens. Ein inspirierendes Kellerlokal erwartete sie. Die Musikinstrumente waren schon vorbereitet, die Zuhörer warteten gespannt.

Sie freute sich sehr, als sie las, daß es hier vegane Speisen gab. Das bestellte Gericht schmeckte vorzüglich.

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Das Konzert begann. Es war „ein unterhaltsamer Streifzug durch die die Aspekte menschlichen Luststrebens und Scheiterns in Liedern des 15.-18. Jahrhunderts“, begleitet von alten Instrumenten: Laute, Gitarre, Zister, allerley Instrument Unmöglich war es , alles zu verstehen, aber das machte nichts, da der vortragende Künstler über jedes Lied einiges erzählte. Nach den viel zu kurzen Ohrenfreuden unterhielt sie sich noch angeregt. Bei einem der Lieder sang die neben ihr sitzende Frau mit und spielte auf ihrer Geige dazu. Im Laufe des Gesprächs erfuhr sie, daß diese Künstlerin am nächsteen Tag ein Konzert gab, es war sehr verlockend, es zu besuchen.   Kommt Zeit, kommt Rat. Sie hatte noch einiges zu erledigen, aber abends ging es sich hoffentlich aus.

In der Vorfreude auf den Hörgenuß gingen die Arbeiten leicht von der Hand.  

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015  

Reizwörter:   Aberglaube – Verlegenheit – tadeln – fragen – unmöglich 

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Viel Freude beim Lesen!   28.4.2015  

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Reizwort-Geschichte: Die anstrengende Woche

Die anstrengende Woche

Diese Woche hatte es echt in sich! Zuerst die Erkältung oder Verkühlung, die mit ihren Symptomen ans Bett fesselte. So niederschmetternd, daß an nichts anderes als an die horizontale Lage im verdunkelten Zimmer zu denken war. Nach den ersten schlimmen Tagen war es immerhin möglich, ins Wohnzimmer zu wechseln. Hier war eine völlig andere Atmosphäre, es war offener und weitläufiger, auch für die Gedanken. Das Sofa hier war etwas unbequemer als das Bett, aber das war für die Vorteile gern in Kauf zu nehmen.

Jetzt wr es schon möglich, einige Stunden zu sitzen, woran in den letzten Tagen nicht zu denken war. Langsam ging auch das Lesen wieder und sogar kurze Zeit am PC zu verbringen, war drin.

Ah das tat gut, wieder zu Kräften zu kommen.

Von der Freundin gehegt und gepflegt war die Gesundung bald erfolgt.

Frische Energie und Ideen durchströmten den Körper. Pläne begannen sich zu formen und ausgeführt werden zu wollen.

Die ersten Schritte in die Natur, ins nahe Wäldchen erfolgten – und erfreuten ungemein. Diese frische, angenehme Waldluft! So wohltuend erfüllte sie die Lungen.

Der durchdringende Bärlauch-Geruch bestätigte, daß der Frühling endlich da war. Sein oft gerühmtes „blaues Band“ schien förmlich durch die linde Luft zu flattern.

Die Vorfreude auf die erfrischenden und stärkenden Bärlauch-Speisen war groß. Sie würden sehr munden. Fragen zur Zubereitung wurden diskutiert.

Wohlgemut wurde der Heimweg angetreten. Ein bißchen Ruhe würde nach dem Spaziergang gut tun und notwendig sein, da es doch ein wenig viel war.

Ein angenehmer Duft weckte, und dann wurde getafelt, das frische Grün genossen.

 

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015

 

Reizwörter:   Woche –  Sofa – formen – wollen – wohlgemut    

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Viel Freude beim Lesen!  

Reizwort-Geschichte: Die alte Frau Altmann

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Die alte Frau Altmann  

Den ganzen Tag war er mit dem Fahrrad unterwegs, um die Post zu den Menschen zu bringen. Viele waren nicht zu Hause. Bei den Briefen, Prospekten und kleineren Sendungen machte es nichts aus, die konnte er einfach in den Briefkasten werfen.  Bei den größeren, oder bei Einschreiben mußte er läuten, und sich den Empfang bestätigen lassen. Wenn beim Klingeln nicht geöffnet wurde, dann läutete er beim Nachbarn. Meist wurde die Sendung übernommen und es paßte so. Manchmal war es jedoch der Fall, daß  jemand sagte: „Nein, für den übernehm ich nix“! Und die Tür war schon wieder zu. Verdutzt stand er da. Daß es so was gab! Sie waren schon ewig Nachbarn, und dann so was. Wie mußte das Zusammenleben auf so engem Raum sein?  Angenehm sicher nicht. Er hatte auch schon beobachtet, wie sich manche aus dem Weg gingen, die Straßenseite wechselten, oder einfach so taten, als sähen sie sich nicht. Traurig war das. Er würde das nicht wollen.

Jetzt kam die Post von Frau Altmann dran, der Name paßte gut. Sie war alt, weit über 80, schon näher bei 90. Und sie hatte unverkennbar männliche Züge. Viel Post war es nicht. Außer den paar Rechnungen waren kaum Briefe dabei, höchstens der eine oder andere Bettelbrief. Ab und zu bekam sie einen handschriftlichen Brief. Meist mit schönen Zeichnungen oder Verzierungen drauf.  Da sie nicht mehr so gut zu Fuß war, hatten sie ein Übereinkommen. Er meldete sich telefonisch, sie gab ihm den Schlüssel beim Fenster hinaus, und er kam in die Wohnung. Da erhielt er eine flüssige Stärkung, die er sehr schätzte und manchmal etwas Süßes. Falls sie Hilfe brauchte, war er auch zur Stelle. Sie war ihm ans Herz gewachsen und er plauderte gern mit ihr. Doro, wie er sie nennen durfte, war  allein, aber nicht einsam. Sie hatte noch immer viele Interessen. Mit dem Computer und dem Internet war sie mit der ganzen Welt verbunden. Das schätzte sie sehr. Manche dieser virtuellen Freunde hatten sie schon besucht. Sie wünschte sich immer einen Apfel aus Holz. Doro hatte schon eine schöne Sammlung unterschiedlichster Holzapfel. Immer wieder gab es „wohlmeinende“ Zeitgenossen, die meinten, ihr prophezeien zu müssen, daß diese Besuche nicht gut wären. Was sollte schon passieren?  Der Briefträger – eigentlich ja Brieffahrer hatte auch schon manche der Besucher kennengelernt, und freute sich immer wieder für Doro, welch schöne Kontakte sie geknüpft hatte. Ihm selbst wurde mitunter vorgeworfen eigennützig zu sein. Darüber konnte er nur lachen. Da fiel ihm gleich das Sprichwort „Wie der Schelm denkt, so ist er“ ein. Ja, der Volksmund, der hat es in sich. Auf den Punkt bringen es Paul Watzlawick; “Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter, als über Paul.” und Marie von Ebner-Eschenbach: “Was andere uns zutrauen, ist meist bezeichnender für sie als für uns.” Dem ist auch von Briefbringer-Seite nichts hinzuzufügen. Ja, mitunter verraten sich die Menschen mit ihren Äußerungen – und merken es nicht einmal. Die Anderen merken es schon. Es wird immer besser auf der Welt, jetzt trauen sich die Menschen schon oft Gutes zu, das ist schön!  

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015  

Reizwörter:   Apfel – Hilfe – einsam – eigennützig – prophezeien   

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Reizwort-Geschichte: Die Sonnengelben Wände

Die Sonnengelben Wände  

Download Gelb

Heute kehrte wieder der Alltag ein.

Nach der Karwoche, in der es viel zu tun gab, unter anderem am Ende noch das Ausmalen des Zimmers der Tochter. Zu dritt werkten sie, so ging es ruck zuck. Das warme Sonnengelb der Wände erfreute von nun an. Wenn die Tür geöffnet wurde, begann es zu leuchten. Dieses Gelb war die Sonne selbst. Es erwärmte die Seele und erfreute den Geist.

Die Osterfeiertage waren der Familie gewidmet. Treffen und Besuche, gemeinsames Essen und kleine Geschenke suchen. Viel reden und erzählen von Ereignissen, von Themen, die gerade bewegten. Zum Beispiel vom Konzert, das einige kürzlich besuchten, und das noch nachhallte. Ein Familienmitglied erzählte vom Segelfliegen und zeigte ein Video davon. Es war herrlich anzusehen. Heutzutage kann so vieles „miterlebt“ werden, fast zeitgleich.

Dann wurde noch ein aufgezeichnetes Video gezeigt, die Großmutter wurde über früher interviewt. Immer wieder bewegend, und unvorstellbar, darüber zu hören, wie es früher war.  

Im Garten blühten viele Blumen: Tulpen, Leberblümchen, Hänsel und Gretel – auch Lungenkraut genannt, Veilchen, Hyazinthen und noch so einige. Sträucher und Bäume begannen Blätter zu bilden oder zu blühen. Der Marillenbaum stand in voller Blüte, und war wunderschön. Die rosa Blüten ließen den süßen Geschmack der Marillen ahnen. Ah, es war ein Genuß, sie direkt vom Baum zu pflücken und zu verspeisen. Das Licht hier draußen war heute ganz besonders. Es vereinte Frühling und Sommer auf unbeschreibliche Weise. Richtig einladend zur Gartenarbeit. jetzt gab es immer etwas zu tun. Verblühtes zu entsorgen, Neues zu setzen und zu säen und vieles mehr.

Abends war der Besuch eines Vortrages geplant. Der war sicher sehr interessant und lehrreich. Lernen war so schön. Neues zu entdecken und zu erfahren so spannend.

Auf zu neuem Wissen.

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015  

Reizwörter:   Garten – Licht – ahnen – erzählen – leuchten  

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Viel Freude beim Lesen!