Reizwort-Geschichte: Kapitel für Kapitel

Kapitel für Kapitel

Die Zeit ging ins Land. Ein neues Kapitel im Buch des Lebens wurde begonnen, eifrig wurde geschrieben. Es gab viel zu schreiben, es war viel los, im Inneren und im Äußeren. Viele Gedanken und neue Erkenntnisse kamen. Es war schön, so viel zu erfahren. Die Zeit war dicht und ermüdend, dennoch erlebnisreich und lebenswert. Immer schneller füllten sich die Seiten, eine Zeile reihte sich an die andere, Wort für Wort und Satz für Satz. Es war eine Freude, dem Wortgepurzel zuzusehen und sich daran zu erfreuen. Bald war das Kapitel fertig. Eher würde es wohl ein Kapitel pro Monat werden, als für ein ganzes neues Lebensjahr.

Das war gut so, Unterteilungen waren wichtig, um den Überblick zu behalten. Ein Monat war eine schöne Zeitspanne dafür.

Angedacht war auch schon eine Woche, das war noch in den Sternen. Eigentlich war eine Woche auch ganz schön lang, obwohl sie wie im Nu verflog. Es würde sich zeigen, welche Einteilung passend war.

Weiter und weiter ging die Reise durch die Zeiten, nachdenken war nicht notwendig, alles kam von selbst. Es hatte sich ein schöner Vorrat angesammelt, aus dem nun geschöpft werden konnte.

Andererseits kamen immer neue Ideen hinzu. Unerschöpflich war die Phantasie und Vorstellungskraft. Das verhinderte natürlich nicht, reale Vorkommnisse aufzunehmen. Deren gab es viele, die erwähnenswert waren.

Erfreuliche, wie zum Beispiel die Überraschung, beim nächtlichen Gartenspaziergang, Glühwürmchen vorzufinden. Diese verbreiten immer wieder eine mystische Atmosphäre, auch wenn man genau weiß, warum und wie das Leuchten zustande kommt.

Weniger angenehme Erfahrungen, wenn eine Entscheidung ansteht, und es schwierig ist, diese zu fällen – da drückt dann sozusagen der Schuh. Was hilft? Soll man das Material an dieser Stelle weicher machen oder weiten? Wenn alles nichts hilft, weitergeben, an jemanden, dem er paßt.

Redensarten zeigen viel Lebensweisheit:

Wenn der Schuh drückt, dann zieht man ihn nicht an.

Wem der Schuh paßt, der zieht ihn sich an.

Das bedeutet, wenn sich jemand angesprochen fühlt, dann fühlt er sich mitunter auch angegriffen, obwohl das nicht direkt ausgesprochen wurde.

Zurück zu den Kapiteln. Manche waren lang, manche kurz gehalten. Das kam ganz darauf an, welchen Inhalt sie hatten, und wieviel es dazu zu sagen oder besser zu schreiben gab.

Rückblicke gab es immer wieder. So vieles erklärte sich im Rückblick praktisch von selbst. Im Erleben war es undurchschaubar.

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft.

Wir leben in der Gegenwart. Es zählt der Augenblick. Das Sein im Moment.

Ein kleiner Rückblick auf ein Fest, das mit diesem Motiv geschmückt wurde:

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© Eva Schnepf – Lebinger 2015

Reizwörter: Schuh – Kapitel – kurz – verhindert – nachdenken

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Lore, Martina, Regina und Ulla

Viel Freude beim Lesen!

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Reizwort-Geschichte: Ohne Titel

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Eine neue Geschichte wollte entstehen. Das war immer ein Wagnis.
Würde Zeit und Raum passen? Würden sich die richtigen Worte aneinanderreihen? Würde die Geschichte flüssig gelesen werden können?
Konnte den üblichen 0815 Geschichten widerstanden werden, und nicht die x-te kitschige, sehr ähnliche Fantasie niedergeschrieben werden?
Natürlich war es verführerisch, die ersten Eingebungen ohne viel Nachdenken zu verarbeiten.
Ruck Zuck wäre eine nette, leicht lesbare und unterhaltsame, vielleicht sogar etwas romantische und melancholische Erzählung zu Papier gebracht. Dann noch schnell in den PC getippt und fertig. Eventuell ein passendes Foto dazu. So leicht und anspruchslos sollte es doch nicht sein.
Der Vollmond stand in seiner ganzen Pracht am Himmel. Er überzog das Land mit seinem sanften Schein.
Dieser Anfang wäre prädestiniert für eine zarte, oder sogar leidenschaftliche Liebesgeschichte. Oder vielleicht doch für eine Werwolfgeschichte?
Majestätisch thronte die Überschrift, der Titel über dem Ganzen.
Oje, es gab noch keinen Titel. Es ergab sich keiner.
Das war die nächste Frage.
Wann sollte der Titel festgelegt werden?
Ganz zu Beginn, praktisch als Leitfaden oder Thema für die Geschichte?
Oder wie eine Blitzidee mittendrin?
Wenn gar nichts half, dann ganz zuletzt.
So war es diesmal, kein Titel fand zur titellosen Geschichte, zur Geschichte ohne Titel.
Somit ergeht die Einladung an die werte Leserschaft, ihre Ideen für den Titel kundzugeben.
Die Geschichte freut sich schon sehr darauf, einen Titel zu erhalten, und dankt herzlich.

© Eva Schnepf – Lebinger 2015

Reizwörter: Vollmond – Wagnis – widerstehen – majestätisch – verführerisch

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Viel Freude beim Lesen!

Reizwort-Geschichte: Das Löwenzahn-Fest – Fortsetzung

 Das Löwenzahn-Fest – Fortsetzung  

„Welche Farbe ist es wohl geworden?“

Diese Frage zur Wahl der Servietten ließ die Köpfe fast zerbrechen, die Ideen überschlugen sich, die Vorschläge waren so vielfältig wie die Menschen, die sie machten.

Es ist schön, daß alle so verschieden sind  und doch so ähnlich.

Beim Einkaufen war binnen Sekunden die Lösung da. Gesehen, gefallen, gekauft. Die richtigen waren praktisch ins Auge gefallen, und riefen ganz laut, daß sie mitwollten. So ein Ruf konnte nicht überhört werden, schon waren sie im Einkaufswagerl.

Manchmal gibt es schlaflose Nächte, langes Nachdenken, Herumfragen, Gustieren, Abwägen von Vor- und Nachteilen und vieles mehr.

Mitunter ist die Lösung ganz schnell da – ein Blick, und es ist passiert.

Die meisten Sachen hatte sie schon zuhause.

Jetzt fuhr sie noch schnell zum Markt, um frische Erdbeeren zu kaufen. Sie selbst mochte sie nicht (mehr), aber die Gästen liebten sie. Wieder ein Punkt erledigt. Das war gut. Es gab noch einiges zu tun.

Bei diesem Fest gab es nur vegane – also tierleidfreie – Köstlichkeiten. Gefüllte  Champignons und Zwiebeln, die Zwiebeln süß/sauer gefüllt , mit Couscous, Kräutern, Marillen- ein Traum, gemischtes Ofengemüse, mit Amaranth gefüllte Kohlrabi, gebackene Süßkartoffeln, gefüllte Tomaten und Paprika, jedes Gericht eine andere  wohlschmeckende Fülle, einige Beilagen wie Reis und Erdäpfel, verschiedene Salate, und Kuchen und Desserts.

Das Wasser lief ihr schon im Mund zusammen. Sie wußte, den Gästen schmeckte es auch, auch wenn nicht alle Veganer waren.

Sie bereitete die Rezepte vor und kopierte sie, darum war immer ein großes G’riß (Andrang).

Während der ganzen Vorbereitungen saß die Katze in der Nähe, um zu wachen. Es wäre ja möglich, daß ab und zu ein Leckerli zu Boden fiel … und es gab keinen Grund zu klagen, Reis und ähnliches frißt sie gern.

Müde zur Ruhe begeben, erfrischt erwacht, und die letzten Vorbereitungen getätigt.

Unter anderem den Tisch gedeckt, ganz zuletzt die Servietten aufgelegt, die holte nämlich gerne der Wind. Ah ja, die Servietten, welche sind es wohl geworden? Farblich angepaßt, bunt und fröhlich, in gelb-orange-dunkelrot gehalten, bunte Blüten und grüne Ranken zierten sie. Serviette 10255515_832216016847328_5433545660466033892_n

Ob es wohl daran liegt, daß die Gastgeberin Zwilling ist, daß es noch weitere Servietten gab? Darauf war ein wunderschöner Flamingo und sie waren noch farbenfroher als die Blumigen.

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Es war ein wunderschönes, lustiges Fest.

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015  

Reizwörter:  Sekunden – Erdbeeren – wachen – klagen – schlaflos

Viel Freude beim Lesen der Geschichten – mit diesen Reizwörtern – bei meinen Mitschreiberinnen Christine, Eva V,  Lore, Martina, Regina und Ulla !  

Reizwort-Geschichte: Das Löwenzahn-Fest

Das Löwenzahn-Fest

Es war ein einziges Durcheinander. Alle rannten wild hin und her, rannten fast zusammen – und kamen doch nirgends an. Dauernd mußte sie jemandem ausweichen, sonst wäre sie unweigerlich über den Haufen gerannt worden. Es schien so, daß niemand wußte, wo er hinwollte. Wußte sie es? Nein, auch nicht wirklich. Aber sie wußte, daß sie mußte. Also lief sie weiter, drängte weiter – so wie die Anderen. Manche setzten sogar ihre Ellbogen ein, um durchzukommen. Es wurde immer roher und lauter. Es schien nur diesen Platz zu geben, auf dem alle immer im Kreis liefen. War das etwa die Hölle? Nein, sie wußte, es gab keine Hölle. Höchstens eine selbstgemachte.

Also begab sie sich bewußt an den Rand des Geschehens und atmete tief ein und aus. Ja, jetzt war es besser. Gleich nochmal. Langsam kehrte ihr Ich zurück. Nun konnte sie auch wieder denken.

In den nächsten Wochen wollte sie ein Fest veranstalten. Für die Vorbereitungen und die Organisation brauchte sie ihre ganze Kraft. Der Garten war perfekt dafür geeignet. Es sollte ganz altmodisch werden. Schöne Tafeln mit weißen Tischdecken, die sie glücklicherweise ausborgen konnte, denn sie besaß so etwas nicht. Zumindest benutzte sie dergleichen nicht.

Sie liebte schöne Dinge. So sah sie die gedeckte Tafel schon vor sich. Es würde bunt und heiter werden. Genau so, wie sie war.

Die Tischdekoration würde aus Steinen bestehen, sie hatte im Laufe der Zeit so viele schöne Steine gesammelt, sie sollten einen würdigen Platz erhalten – bevor sie wieder der Natur zurückgegeben wurden. Als florale Dekoration hatte sie Löwenzahn gewählt. Sie liebte die kräftige Farbe und die schöne Blütenform. Und das Beste daran, man konnte ihn auch essen. Also würde er auch in der Garnitur auftauchen und im Salat und in anderen Gerichten.

Am liebsten hätte sie gleich ein Foto dieser schönen Tafel gemacht. Das hatte sie schon oft gedacht, daß sie eine Idee fotografisch – im Kopf – festhalten wollte. Das war, ihres Wissens, noch nicht möglich. Ob es wohl jemals möglich war?

Wahrscheinlich. Immerhin äußerte sie vor Jahrzehnten immer wieder ihren Wunsch, jetzt auf der Stelle, telefonieren zu wollen. Meist an ziemlich abgelegenen Stellen. wo es eben kein Telefon gab. Und jetzt – kann man so gut wie überall telefonieren – mit dem Handy.

Mit dem Fotografieren war es ebenso. Die lange Woche, die sie in ihrer Jugend warten mußte, bis die Fotos entwickelt waren, zog sich endlos.

Das war bei einigen Dingen so, sie war immer ihrer Zeit voraus.

Auch beim Essen. Lange Jahre war sie Vegetarierin. In den ersten Jahren wurden ihr meist nur Süßspeisen oder Salat angeboten. Als ob es nicht unendlich viele Möglichkeiten gäbe.

Nun gibt es überall viele vegetarische Speisen.

Jetzt  als Veganerin geht es ihr – und vielen anderen – ähnlich. Es ist für viele Menschen scheinbar schwer vorstellbar, ohne tierische Produkte zu leben. Dabei ist es ganz einfach. Man muß nichts weglassen, man braucht nur nichts dazuzugeben. Einfach die Gaben der Natur annehmen und genießen.

Wer oder was gibt uns das Recht, unsere Mitlebewesen zu quälen und zu töten? Sie sind ebenso wie wir fühlende und empfindende Wesen.

Wo ist der Unterschied zwischen Hund und Schwein. Bekanntermaßen ist das Schwein intelligenter als der Hund. Warum essen Menschen nicht Hunde und halten Schweine als Haustiere?

Oh, so viele Fragen.

Das führt wieder zurück zu den Fragen rund um die Gestaltung des Festes. Als bunte Tupfen auf dem Tisch sollen die Servietten dienen. Flugs holt sie ein weißes Tuch, einige Steine, stellt einen Strauß Löwenzahn dazu und gustiert mit einigen Farben.

Welche Farbe ist es wohl geworden?

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015

 

Reizwörter:  Durcheinander – Löwenzahn – essen – veranstalten – altmodisch

Viel Freude beim Lesen der Geschichten – mit diesen Reizwörtern – bei meinen Mitschreiberinnen  Christine,  Eva V,  Lore,  Martina,  Regina und  Sophie!  

Reizwort-Geschichte: Die Freude in der Natur

Die Freude in der Natur

Ein wunderschöner Tag, die Sonne schien vom Himmel, die Wolken zogen dahin, die Temperatur war angenehm und ein Lüftchen wehte.

Die Menschen gingen ihrer Wege, spazierenderweise hauptsächlich hier im Park. Die Hunde schnüffelten, es gab viel zu riechen für sie.

Abseits des vielbegangenen Weges war eine kleine Fläche. Hier war es ruhig und menschenleer.

Das junge Wesen saß in der Wiese und betrachtete hingebungsvoll das Werk, das hier entstand. An den Ästen eines Strauches lief das kleine Wesen auf und ab und spannte und zog Fäden. Hin und her. Eine Spirale von innen nach außen. Das 8-beinige Tier arbeitete unermüdlich, bis das Netz fertig war. Ein Wunder der Natur und wunderschön. 

Dann saß die Spinne wartend in der Mitte des Netzes oder später am Rand.

Ein Stück entfernt stand eine Holzbank, darauf saß eine junge Frau, die immer wieder Blicke zu dem Kind in der Wiese warf. Sie freute sich immer wieder über das Interesse und die Geduld ihres Kindes, die Wunder der Natur wahrzunehmen und zu studieren.

Für diesen Nachmittags-Ausflug hatte sie außer einer Jause, Getränken und Spielen auch ein Buch eingepackt, das sie zusammen ansehen wollten. Entweder wollten sie es hier oder zuhause vor dem Einschlafen lesen.

Momentan war das Kind so fasziniert, daß es wahrscheinlich noch eine Weile dauern würde, bis es angerannt kam. Es fand immer wieder neues Interessantes.

So kam die junge Frau dazu, einige Zeilen niederzuschreiben. Sie hielt gerne ihre Eindrücke fest. Entweder in einigen Worten, in Sätzen oder in kurzen Geschichten. Je nach Inspiration und Zeit und Ruhe.

Heute war eine kurze Geschichte entstanden.

Das Kind kam angelaufen und hatte eine gute Idee. Es wollte hinüber zum kleinen See gehen und sich dort auf eine Bank setzen, um die Jause zu essen und dabei den Enten beim Schwimmen zuzusehen.

Freudig stimmte die Mutter zu und sie machten sich auf den Weg. Ein Eichhörnchen kreuzte ihren Weg. Glücklicherweise hatten sie eine Nuß für das putzige Tier. Es war überhaupt nicht scheu und possierlich nahm es die Nuß zwischen seine Vorderpfoten.

So viel gab es zu sehen und zu erleben.

Auf der großen Spielwiese erkannten sie liebe Freunde, die sie gleich zum Mitspielen einluden.

Ball- und federballspielend vergnügten sie sich lachend und jauchzend.

Es wurde ein wenig kühler, und der Magen begann sich zu melden.

Gemeinsam pilgerten sie zum See, und stärkten sich mit den mitgebrachten Köstlichkeiten.

Nur die Nüsse waren weg, die hatten sich die Eichhörnchen schmecken lassen.

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015

 

Reizwörter:   Spinne – Buch – schreiben – setzen – hingebungsvoll 

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Viel Freude beim Lesen!