Reizwort-Geschichte: Das Paradies

Reizwörter: Paradies  –  Dualität  –  regnerisch  –  traurig  –  gehen

Das Paradies

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Rings um sie nur Natur, einfach herrlich. Sie fühlte sich wie im Paradies.

Vor sich die leidenschaftlichen Wellen des Flusses, davor das schützende Schilf, unter ihr die erdenden Steine, neben ihr die grüne, blühende Wiese, über ihr das bewahrende Blätterdach aus Weiden und anderen Bäumen.

Sie genoß ihr Sein hier. Die Wellen boten eine natürliche Geräuschkulisse. Das Blätterdach spendete wohltuenden Schatten. Das Ringsum war ein entspannender Augenschmaus.

Auf der Herfahrt sah sie auf der historischen Litfaßsäule ein Plakat, das ihr förmlich ins Auge sprang. Darauf wurde ein Vortrag über „Dualität“ angekündigt. Sie hatte Zeit und freute sich schon sehr darauf.

Dualität – da  nahm sie die Gegensätze wahr: Licht und Schatten, oben und unten, einfärbig und bunt, klein und groß, hell und dunkel, laut und leise, naß und trocken und viele mehr.

 

Rückblickend betrachtete sie ihren Weg, den Lebensweg, den sie gegangen war und noch ging und dachte:

 

„Es ist so schön, meinen Weg zu gehen. Den Weg, den ich nur selbst gehen kann. Mein Leben zu leben. Das ist das Paradies.“

 

Wenn es regnerisch ist, stört sie das nicht, sie weiß, bald kommt wieder die Sonne. Die Natur braucht den Regen. Sie ist nicht traurig oder gar deprimiert wegen dem jeweiligen Wetter wie viele. Sie ist glücklich, immer wieder anderes Wetter erleben zu dürfen, Abwechslung zu haben. Sie könnte sich nicht vorstellen, in einem Land ohne Jahreszeiten zu leben.

Zum Paradies gehören unbedingt Eva und Adam. Es gibt auch sehr viele Bilder von ihnen. Jedoch, wenn sie die ersten Menschen waren, warum haben sie auf den Gemälden einen Nabel?

 

Das Paradies ist für jeden etwas anderes. Für den einen Ruhe und Frieden, für den nächsten Party und laute Musik, Urlaub oder daheim oder …

Was ist für Dich paradiesisch?

 

© Eva Schnepf 2014

 

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Reizwort-Geschichte: Die Schotterinsel

Reizwörter: Baum – Sturm – knacken – ruhig – laufen

Die Schotterinsel

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Früher, als im Sommer noch durchgehend Sommer war, nur von Gewittern unterbrochen, ansonsten täglich heiß und somit Badewetter, hat sich diese Begebenheit zugetragen.

Immer wenn es irgendwie möglich war, fuhr sie zur Schotterinsel zum Sonnenbaden und Baden. Hier gab es einiges Besonderes: am wichtigsten für sie, es war FKK-Gebiet. Hüllenloses Sein in der Natur ist das Schönste und Angenehmste.

Das nächste war der Strudel, der sich vor der Insel gebildet hatte, wo das Wasser durch das Wehr schoß, war seitlich der Strudel. Sie schwamm in den Strudel hinein, ließ sich mitreißen / mitziehen und schoß dann förmlich mit dem Wasserschwall aus dem Wehr vorwärts. Hingabe und Vertrauen pur. Das war immer wieder ein besonderes Erlebnis. Aufregend, abenteuerlich, egal wie oft sie es genoß.

Die Schotterinsel selbst bestand aus Steinen, die das Wasser rund geschliffen hatte und sie lag mitten im Wasser. Es war schön, nach dem Bad  ruhig auf den heißen Steinen zu liegen und sich trocknen zu lassen.

Unter den Bäumen am Ufer stand eine kleine, aus Holzabfällen zusammengebaute Unterkunft, vorne offen, zum Schutz vor Sonne und Regen.

Ein alter Herr hatte sie aufgestellt, er verbrachte die Sommertage hier heraußen. Er war ein weiser Mann, durchschaute die Menschen, wußte sofort, wie jemand wirklich war. Seine sonnengegerbte Haut war braun gebrannt vom ständigen Aufenthalt im Freien.

Herr Huber fütterte auch die jährlich wiederkommende Entenfamilie und genoß die Natur, die er so liebte. Darum war ihm Umweltschutz sehr wichtig, er sammelte die zurückgebliebenen Abfälle der Badegäste und gab sie in den Müllbehälter. Wiederholt fragte er, was sich Menschen wohl denken, die ihren Mist einfach liegen lassen, obwohl es nur einige Schritte sind, um die Natur davon zu befreien.

An diesem Tag war es wieder herrlich, die Sonne lachte vom Himmel, daß es eine Freude war. Das Wasser war erfrischend kühl und natürlich duftend – im Gegensatz zum künstlich angelegten Freibad, in das sie keine 10 Pferde mehr brachten.

So mitten im Genießen verzog sich plötzlich der Himmel, dunkle Wolken zogen auf, in den Bäumen knackte es, der aus dem Nichts auftauchende Sturm wehte alles weg, was nicht niet- und nagelfest war.

Kurz dachte sie daran, zum Rad zu laufen – aber was dann?

Herr Huber lud sie in seinen Unterstand ein, sie lehnte dankend ab und kuschelte sich unter den mächtigen mehrstämmigen Baum, ihre wasserundurchlässige Decke schützte sie zusätzlich.

Ein gewaltiges Gewitter entlud sich, mit Donner, Blitzen und sintflutartigem Regen ließ es an den Weltuntergang denken.

So schnell es begonnen hatte, war das Natur-Schauspiel wieder vorbei.

Die Sonne lachte wieder vom blauen Himmel, die Vögel zwitscherten und die Luft war angenehm reingewaschen vom Regen.

Die anschließende Runde im Wasser war besonders schön.

© Eva Schnepf 2014

 

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Reizwort-Geschichte: Die Natur

Reizwörter: Schreibtisch – Rose – gelb – lieblich – tragen

Die Natur

Die Straßen waren voller Menschen, die genußvoll die Wege und Straßen entlangspazierten. Endlich war wieder schönes Wetter, nach vielen Tagen Regen, Sturm und Hagelschauern. Alle genossen es, im Trockenen im Freien unterwegs zu sein.

Besonders schön war es in den Donau-Auen. Hier sprießte und blühte es, daß es eine Freude war. Am Wasser waren Enten und Schwäne und andere Wasservögel unterwegs, und boten ein wunderbares Bild. Die beim Schwimmen hinter ihnen entstandenen Spuren zu beobachten, war sehr entspannend.

Hier war es viel angenehmer, als daheim am Schreibtisch. Die Aussicht, in den nächsten Tagen möglichst viel Zeit im Freien zu sein, war sehr verlockend. Spontan reifte der Entschluß, die Nacht draußen zu verbringen.

Nach einem ausgiebigen Abendessen wurden die Schlafsäcke und Sonstiges zusammengesucht. Besonders wichtig war der gelbe Polster, ohne den ging es nicht. Das Equipment wurde auf die Räder verladen, natürlich fanden auch einige Köstlichkeiten für das Frühstück ihren Platz.

Voller Vorfreude wurde in die Au geradelt. Ein wunderschönes Platzerl nahe beim Wasser war das Ziel. Wohlbehütet unter Bäumen und doch mit freiem Blick in den sternenübersäten Himmel lagen sie in ihren Schlafsäcken. Es war Freiheit pur. Die Nachtruhe war sehr erholsam. Das Aufwachen mit Blick auf das Wasser war unüberbietbar. So sollte es jeden Tag sein. Nein, nicht immer, dann wäre der Reiz schnell dahin. Ab und zu, dann war es etwas Besonderes. Das würden sie sich öfter gönnen. Nachdem sie das Frühstück genossen hatten, radelten sie noch tiefer in die Au, da gab es noch viel Schönes zu bestaunen, an dem sie sich erfreuten.

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Heimwärts fuhren sie einen anderen Weg, er führte sie durch wogende gelbgoldene Getreidefelder und Felder von strahlenden tiefgelben Sonnenblumen.

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Jede einzelne Blüte in dem riesigen Feld ist eine leuchtende wunderschöne Sonne, in deren Anblick man versinken kann. Am Wegrand blühen viele Blumen mit gelben sternförmigen Blüten.

Schwer zu entscheiden, welcher Anblick anmutiger ist: die großen Sonnen oder die kleinen, zarten, duftigen, lieblichen, filigranen Sternblüten.

Jede hat ihren besonderen Zauber.

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Ein Feldhase hoppelte durch die Wiese, pfeilschnell flitzte er dahin, bald verschwand er im hohen Grase.

Sie erfreuten sich an der sichtbaren Leichtigkeit und fuhren wieder nach Hause.

Beim ‚Wandeln durch den Garten sahen sie, daß die Lieblingsrose erblüht war, das war ein schönes Geschenk, wie ein Willkommensgruß.

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Viele andere Blüten erfreuten sie, deren lieblicher Duft ihre Nasen umschmeichelte. Nach den Tagen, an denen das Gießen entfiel, weil es von oben erledigt wurde, gossen sie heute ihre Pflanzen selbst.

Tragen wir das Tablett mit dem Abendessen heraus, und essen wir im Garten.“

Gesagt, getan.

In der heimeligen Laube ließen sie sich ihr Mahl schmecken, um dann die Stille im Dunklen zu genießen.

Leuchtende Punkte flogen durch die Nacht, wundervoll anzusehen. Es waren Glühwürmchen, die immer wieder verzaubern, so oft man sie auch sieht.

Ein schöner Abschluß einer Zeit außer der Zeit.

© Eva Schnepf 2014

 

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Reizwort-Geschichte: Die Welt

Reizwörter : Haare – Horizont – beeindruckt – traurig – liegen

 

Die Welt

 

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Meine frischgewaschenen Haare werden zärtlich vom leichten Windhauch liebkost. Das ist ein sehr angenehmes und sinnliches Gefühl. Die Haare so natürlich an der frischen Luft im Sonnenschein trocknen zu lassen, ist ein Traum. Ich gebe mich ganz dem wundervollen Empfinden hin und schließe die Augen. Gedanken kommen und gehen. Ich bin im Jetzt. Das ist das Einzige, was zählt. Vergangenes ist vorbei, Zukünftiges kommt. Der Moment, der Augenblick …

Plötzlich ein Geräusch, eine Art Schrei von oben. Ich öffne die Augen und  schaue hinauf zur Quelle des Geräusches. Ein Raubvogel fliegt mit etwas Kleinem zwischen den Krallen, dahinter ein kleinerer Vogel. Ich spüre förmlich die Panik des Vogels dahinter. Alles geht so schnell, ich komme nicht nach mit dem Schauen und Verstehen. Der Raubvogel mit seiner Beute entschwindet aus meinem Blick. Der Vogel, der nachflog, kehrt um, zurück in den Baum, resigniert …

Scheinbar hat der beeindruckende Raubvogel ein Vogeljunges aus dem Nest geholt, und die Vogelmutter flog nach, um es zu retten, schnell sah sie ein, daß sie nichts machen kann … Traurig denke ich daran, daß das die Natur ist. Der Kreislauf des Lebens.

Ich lasse alles stehen und liegen, und hole mein Tagebuch aus dem Haus.

Dieses Erlebnis schreibe ich sofort auf, ich habe so etwas noch nie gesehen, es bewegt mich sehr.

Mein Blick wendet sich dem Horizont zu. Es scheint, als träfen hier Himmel und Erde aufeinander. Früher dachten die Menschen, daß die Erde eine Scheibe sei, und daß man beim Horizont einfach hinunterfällt ins Bodenlose. Jetzt wissen wir, die Erde ist eine Kugel, es geht immer rundherum, wir können nicht hinunterfallen. Ein beruhigendes Gefühl. Aus dem Weltall können wir die Erde als blaue Kugel sehen. Wunderschön anzusehen. Unser Planet. Warum lebt der Großteil der Menschen so, als gäbe es einen zweiten Planeten in Reserve? Die Ressourcen werden verschwendet, als würden sie immer wieder aufgefüllt. Es ist 5 vor 12. Oder doch schon 5 nach 12?

Genießen wir die Zeit, die wir haben. Schonen wir unsere Mutter Erde, beuten wir sie nicht noch mehr aus. Es gibt so vieles, was wir gar nicht brauchen. Ich freue mich immer wieder, zu sehen, was ich alles nicht brauche. Es ist ein wunderbares Gefühl, einfach zu leben.

© Eva Schnepf 2014

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Reizwort-Geschichte: Das Städtchen

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Reizwörter: Stadt – Maske – beschwingt – friedlich – wandern

Das Städtchen

Sie blickte über die Dächer des mittelalterlichen Städtchens, bewunderte die filigrane und doch kraftvolle Silhouette, die grün belaubten Bäume dazwischen , die beeindruckende Stadtmauer und den mit Bäumen umrahmten Teich mit den vielen Enten und der einen Gans, die hier friedlich zusammen lebten.

Schon oft hatte sie schöne Stunden beim Mittelalterfest hier verbracht. Es war das schönste und authentischte in der ganzen Umgebung.

Die ersten Male nahm sie in Freizeitkleidung teil, dann als Hexe, Kräuterfrau und danach in mittelalterlicher selbstgenähter Gewandung.

Als Hexe wurde sie auch vom Fernsehen interviewt, die Ausstrahlung des Beitrages betrachtete sie immer wieder voll Wonne.

Es war immer wieder eine große Freude, durch die kleine Stadt zu streifen, die vielen Attraktionen zu bewundern, den mittelalterlichen Klängen der Musiker zu lauschen, und die kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen.

Vor einigen Jahren war sie mit einer Gruppe als Venezianerin mit selbstgefertigtem Kostüm hier. Ein schillerndes Kleid, eine pompöse Kopfbedeckung und eine wunderschöne venezianische Maske.

Beschwingt spazierten sie durch das wimmelnde Geschehen, immer wieder innehaltend und für ein Foto posierend. Einer der Fotografen bat um ihre Karte, um ihr die Fotos zusenden zu können. Daraus ergab sich eine innige einige Jahre währende Freundschaft.

Beim Wandern zu einem nahegelegenen Kraftplatz, der Feehaube und dem Wächter, das sind Kogelsteine mit weiblicher und männlicher Energie, schaute sie in den wundervollen blauen Himmel und erfreute sich an den faszinierenden Wolkengebilden.

Vor einiger Zeit wurde ihr hier schon eine mythische Geschichte geschenkt, die sie mit großer Freude niederschrieb und bei ihrer Lesung las. War es eine Geschichte oder eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten?

Nun betrachtete sie wieder die Silhouette, die Stadtmauer und den Teich.

Schon immer hatte sie diese Stadt magisch angezogen und nun war sie hier gelandet – im Seniorenheim.

Keine Sorge, sie war hier nicht als Bewohnerin, sondern als Betreuerin. Der Kontakt zu den alten Menschen, die teilweise dement waren, war sehr interessant und erfüllend, natürlich auch manchmal anstrengend.

Wer weiß, was sie in diesem Städtchen noch alles erleben würde …

 

© Eva Schnepf 2014

 

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