Reizwort-Geschichte: Das Gipsbein

Reizwörter: Zufall – Beinbruch – tanzen – elegant – sympathisch

Das Gipsbein

Stiege 456

Es war kein Beinbruch, es war ein Einriß eines Bandes beim Knöchel, sehr schmerzhaft. Sie war über 3 niedrige Stufen gestolpert und hingefallen.
Die Nacht über versuchte sie einige Hausmittel, wie kühlen, Schwedentropfen, hochlagern etc.
Morgens war der 1. Weg ins Krankenhaus, es ging nicht anders.
Mit einem wunderschönen Gipsbein humpelte sie sehr elegant heim, glücklicherweise war der Gips nicht allzu schwer, weil der sogenannte „Sportgips“ leichter als der normale war.
Trotzdem war sie natürlich ziemlich eingeschränkt. Ihre teure Sportversicherung sicherte ihr, wie im Vertrag vereinbart, ein hohes Taggeld zu. Ein kleines Zuckerl für die unangenehmen Umstände.
Als sie ihren Arbeitgeber anrief, um sich krankzumelden, erlebte sie eine gehörige Überraschung. Falls sie nicht am nächsten Morgen pünktlich zur Arbeit erschien, dann wäre sie ihre Stelle so schnell los, wie sie gar nicht schauen kann.
Der Einwand, daß sie ja nicht fahren kann, war sofort entkräftet, sie würde immer chauffiert werden. Und tatsächlich, 4x täglich brauchte sie nur einsteigen, und wurde in die Arbeit oder nach Hause gefahren. Sogar zu den Untersuchungen im Krankenhaus wurde sie höchstpersönlich von der Cheftochter gebracht.
Das Taggeld konnte sie sich, wie man so schön sagt, in die Haare schmieren.
In der Zeit, als sie den Gips hatte, nahm sie an einem Vorbereitungstreffen für ein großes Jugendtreffen teil. Sie war als Gruppenleiterin dabei. Im Zuge dessen lernte sie einen sympathischen jungen Mann kennen.
Der Knöchel war nach den 6 Wochen Gips wieder in Ordnung, und sie konnte wieder tanzen, springen und laufen.
Ihr fragt euch sicher, was aus dem jungen Mann geworden ist. Er wurde ihr Ehemann und Vater ihrer 3 Kinder.
Ob das alles Zufall war?
(Wofür so ein Gipsbein alles gut ist.)

© Eva Schnepf 2014

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Zur Reizwort-Geschichte Die Vergangenheit 2

Zur gestrigen Reizwort-Geschichte, Inspiriert vom belgischen Kinofilm “ Vertraute Fremde“ (Originaltitel: Quartier lointain) des Regisseurs Sam Garbarski aus dem Jahr 2010.

Die Vergangenheit 2

Sie saß im Cafè um in Ruhe eine Erfrischung zu sich zu nehmen. Die Frauenrunde am Nebentisch unterhielt sich sehr laut, jedes Wort konnte sie deutlich hören, obwohl sie das gar nicht wollte.
Plötzlich hörte sie eine der Frauen sagen: „Es würde mich sehr reizen, die Vergangenheit noch mal lebendig zu machen. Da gibt es so einiges, was ich noch mal erleben möchte.“
Sie hörte diese Worte, ihr wurde schwarz vor Augen und als sie wieder sehen konnte, sah sie, daß ihre Hände viel kleiner waren. Was war nur geschehen? Das konnte doch nicht sein! Sie war doch erwachsen und dem Alter nach konnte sie schon lang Großmutter sein – und sie sah kleine, zarte, faltenlose Hände. Und sie trug ihr rotes Lieblingskleid, daß ihre Mutter genäht hatte und jahrelang immer wieder umnähte, weil sie es noch tragen wollte. Sie saß nicht mehr auf der weich gepolsterten, bequemen Cafèhaus-Bank, sondern auf einer harten Holzbank ohne Lehne. Sie wußte genau, was die Kellnerin gleich für sie bringen würde. Ein knallrotes Himbeer-Kracherl mit Strohhalm, wie sie es sehr liebte. Und zwar mit einem Strohhalm aus echtem Stroh, nicht aus Plastik. Ah, das schmeckte! Das Prickeln der Sodaperlen im Mund, und zugleich der picksüße Beerengeschmack. Bei jedem Ausflug war der Höhepunkt das „Einkehren“, das Aufsuchen eines Gasthauses, zum Stärken und Ausruhen. Gleich danach kam das bestellte Aufstrichbrot. Herzhaft biß sie hinein und verspeiste es. Sie liebte es, immer die gleichen Genüsse zu sich zu nehmen. Der nahegelegene Spielplatz rief. Das Schaukeln war herrlich, sie flog bis in den Himmel hinauf. Dann erfreute sie sich an der Rutsche, jauchzend rutschte sie immer wieder hinunter. Das Beste war das Karussell. Die Kinder wechselten sich ab, eines lief mit und drehte es, die andren saßen drauf und ließen sich drehen. Das machte Spaß!
Viel zu bald ging es heimwärts, und bald ins Bett. Es war diese Zeit in ihrem noch jungen Leben, in der sie beim Einschlafen immer Angst hatte, nicht mehr aufzuwachen. Trotzdem schlief sie bald ein, da sie sehr müde war.
Am nächsten Morgen erwachte sie durch das Klingeln ihres Weckers. Komisch, normalerweise wurde sie von der Mutter zärtlich wachgeküßt.
Als sie sich umsah, sah sie die türkisen Wände ihres Zimmers. Sie war wieder erwachsen.
Wie konnte es das geben?
Voll Elan ging sie ihren täglichen Verrichtungen nach und dachte immer wieder an gestern.
War der Zeitsprung wirklich geschehen oder war es ein sehr reeller Traum?
© Eva Schnepf 2014

Reizwort-Geschichte: Die Vergangenheit

Reizwörter: Vergangenheit – Erlebnis – reizen – vergolden –  verschweigen

Die Vergangenheit

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Die Frauenrunde im Cafè unterhielt sich sehr laut, jedes Wort konnte sie deutlich hören, obwohl sie das gar nicht wollte.

Am liebsten war sie allein, manchmal war sie jedoch gern unter Menschen. Jetzt wollte  sie in Ruhe eine Erfrischung zu sich nehmen, ein wenig sitzen und die Menschen beobachten. Es war interessant, wie sie hereinhasteten, schnell etwas zu sich nahmen und dann schon wieder weiter mußten. Mußten? oder wollten? Sie hatte den Eindruck, daß manche es gar nicht aushielten, ein wenig zu verweilen, im Gegenteil, daß sie sich selbst Druck machten und immer noch etwas auf sich nahmen. Andere betraten ruhigen Schrittes das Lokal, schauten sich um, nahmen Platz und genossen die bestellten Köstlichkeiten. Diese Menschen strahlten Ruhe aus, das tat gut.

Plötzlich hörte sie eine der Frauen sagen: „Es würde mich sehr reizen, die Vergangenheit noch mal lebendig zu machen. Da gibt es so einiges, was ich noch mal erleben möchte.“

 

Sofort wußte sie, daß sie das überhaupt nicht interessieren würde. Vergangenheit ist vergangen, wie der Name schon sagt. Vergangen und vorbei.

Natürlich dachte auch sie manchmal an Vergangenes.

Die Erinnerung vergoldet so manches.

Wenn sie dann genauer darüber nachdachte, merkte sie, daß nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch das nicht, das im Rückblick so sehr glänzt und wo sie meint, das war wirklich schön und sie war damals sehr glücklich. Bald fallen ihr Begebenheiten  und Umstände ein, die nicht so schön waren. Glücklicherweise merkt man sich vor allem das Schöne, das ist gut so.

„Die  Erinnerung ist wie ein Kind am Strand. Man weiß nie, welchen Stein oder welche Muschel es auswählt und behält.“

Zum Beispiel sagte ihre Mutter immer, die Kindheit und vor allem die Jugend wäre die schönste Zeit des Lebens.

Sie konnte das überhaupt nicht verstehen, da sie als Jugendliche nicht sehr glücklich war. Und das sollte die schönste Zeit ihres Lebens sein? Nein, das war nicht möglich.

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – das beschreibt ihre Jugendzeit sehr gut.

Das größte Erlebnis ist das Leben selbst. Es ist so abwechslungsreich, wie eine Berg- und Tal-Bahn, wie eine Achter-Bahn. Kaum oben angelangt, geht es schon wieder im Schwung hinab. Unten angekommen, geht es schon wieder nach oben.

Voll Freude dachte sie an ihre Zeit als junge Ehefrau und Mutter zurück. Im Rückblick war alles golden, es war wunderschön, einen Partner an ihrer Seite zu haben, mit ihm Kinder in die Welt zu setzen, diese heranwachsen zu sehen,  sie begleiten zu dürfen auf ihrem Weg.

Dabei durfte sie nicht verschweigen, daß es auch einiges gab, das nicht so angenehm war. Die Müdigkeit, der Zeitdruck, kleine Schwierigkeiten hier und da – um nur einige zu nennen.

Im Großen und Ganzen lagen wundervolle Jahre hinter ihr, eigentlich Jahrzehnte, die Zeit verflog nur so.

Sie freute sich, daß ihr Leben nach der nicht so glücklichen Jugend wunderbar war.

Das Jetzt ist das Wichtigste, die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft kommt erst. Das Jetzt, jeden Moment, jeden Augenblick aus vollem Herzen genießen, das ist ihre Devise.

 

© Eva Schnepf 2014

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Reizwort-Geschichte: Der Attersee-Urlaub

 

Reizwörter:  Fisch – Fahrrad – singen – frech – beleibt

 

Der Attersee-Urlaub

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Foto mit freundlicher Genehmigung von Gertraud Speckner, entstanden am Abend des 9.8.2014

 

Die Autofahrt zu fünft  war etwas langwierig, zur Abwechslung wurde gespielt: Wortspiele, Rätselraten und einiges mehr. Das Singen beliebter Lieder ließ die Zeit schneller vergehen. Das  genußvolle Mittagessen wurde im kombinierten Inder / Pizzeria – Lokal in Wels eingenommen. So wurden glücklich und satt die letzten Kilometer zurückgelegt. Da es im Urlaubsort nur kleine Geschäfte gab, wurde der Wocheneinkauf in einem größeren Ort davor getätigt.

Nach der Ankunft war der 1. Weg sofort zum türkisfarbenen See, hineinspringen und eine Runde im herrlich erfrischenden Wasser schwimmen: einfach herrlich!

Der Urlaub wurde wie immer in einem gemieteten einräumigen Selbstversorger Häuschen direkt am See verbracht. Ein ansteigender Garten umrundete das Holzhäuschen. Hier gab es viel Platz zum Spielen, sehr beliebt waren Federball, Fußball, Boccia und einige weitere Spiele.

Die einzigen Nachbarn waren Kühe. Das war sehr angenehm, so konnten sich die 3 Kinder austoben, und mußten nicht wie in der Stadt immer Rücksicht nehmen.

Es wurde selbst gekocht und die Tage wurden am hauseigenen Badeplatz verbracht.

Im seichten Wasser in Ufernähe sitzend, schwammen die kleinen Fische zwischen den Füßen und kitzelten die Haut, sehr angenehm.

Eine freche kleine Eidechse war öfter auf Besuch.  Es war schön, sie zu beobachten, flink war sie wieder zwischen den Steinen verschwunden.

Einige Ausflüge wurden unternommen, um das umliegende Salzkammergut zu besichtigen.

Der hier berüchtigte „Schnürlregen“ konnte Tage dauern, da war dann ein wunderschöner Regenbogen zu sehen.

Viele Touristen fuhren die Uferstraße mit dem Fahrrad entlang. Es schaute einerseits sehr einladend aus, die schöne Gegend auf dem Rad zu erfahren, aber die vorbeibrausenden Autos auf der schmalen Straße ließen den Gedanken daran schnell vergehen.

Abends saß die Familie oben auf der Terrasse vor dem Haus und genoß den Sonnenuntergang in den Bergen.

Das war die Zeit, als ein reges Treiben auf dem Gehsteig unten herrschte, die Urlauber aus dem einen Ort gingen in den anderen essen und umgekehrt. Jaja, die Kirschen in Nachbars Garten …

Einer der Urlauber war so beleibt, daß man sein Schnaufen bis hinauf hörte. Er kam nur sehr langsam vorwärts, und seine Begleiter mußten immer wieder auf ihn warten.

In den Abendstunden vor dem Haus wurde auch der Höhepunkt des Urlaubs genau geplant: das Lagerfeuer zum Abschluß.

Schon Tage vorher wurde Holz gesammelt und in der mit Steinen umrahmten Feuerstelle unten neben der Straße  aufgeschichtet.

Am letzten Abend wurden dann alle Zutaten hinuntergetragen, die Speisen am Feuer geröstet und genossen. Lange wurde erzählt und gesungen. Müde und erfüllt ging es dann ins Bett zur letzten Urlaubsnacht.

Wieder war ein wunderschöner Urlaub fast zu Ende, im Hüttenbuch wurde noch alles festgehalten – die Erinnerung bleibt.

© Eva Schnepf 2014

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Reizwort-Geschichte: Der fröhliche Abend

Reizwörter: Hände – Weg – fasziniert – ahnen – lustig

Der fröhliche Abend

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Heute fuhr sie zu einem fröhlichen Treffen mit Freunden in die Au, der Weg war weit, die Hände am Lenker waren schon sehr beansprucht von dem holprigen Waldweg.
Sie schaute genau auf den Weg, wußte sie doch, daß er mitunter sehr unwegsam war, viele Wurzeln, Fahrrinnen, Steinchen und kleine Äste waren immer wieder „im Weg“, sodaß sie daran vorbeilenken mußte.

Plötzlich sah sie einen wunderschönen großen Hirschkäfer auf dem Weg. Sofort bremste sie und stieg vom Fahrrad ab. Fasziniert betrachtete sie das beeindruckende Tier. Hirschkäfer sind sehr selten geworden, umso größer war die Freude, einen zu sehen.

Nachdem sie ihn ausgiebig beobachtet, sich an ihm erfreut und ihn von verschiedenen Seiten fotografiert hatte, fuhr sie weiter.

Am Wegrand im Wald sah sie wunderschöne alte Baumstümpfe, hier wohnten viele Tiere drin.

Einige Zeit später kam sie zum Treffpunkt, einige waren schon da, andre sollten noch kommen.

Sie tanzten lustig auf der Wiese, voll Lebensfreude, glücklich und froh.

Als alle da waren, konnten sie das vorbereitete Programm starten. Tänze, Spiele und später baden im Mondlicht. Das Schwimmen, Plantschen und Pritscheln machte riesigen Spaß. Danach einfach ruhig im Wasser liegen und etwas ausruhen vom wilden Spielen tat sehr gut.

Danach lagen sie warm eingehüllt auf ihren Decken, betrachteten den Sternenhimmel und erzählten sich Geschichten.

Sie ahnte, daß das noch nicht alles gewesen sein konnte. Genau, jetzt gab es noch eine wohlschmeckende kleine Mitternachtsmahlzeit.

Und dann, sie glaubte es kaum, hörte sie von weitem eine leise Stimme ihr Lieblingslied summend. Sofort sprang sie auf, und lief den Tönen entgegen. ER war es wirklich, seine Besprechung war kürzer als angenommen, und er konnte doch noch herkommen.

Jetzt war es perfekt. Geborgen und wohlig ruhte sie in seinen Armen, gut gewärmt an seinen Körper geschmiegt.

© Eva Schnepf 2014

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