Schreibkick: Jahresuhr

 Schreibkick Jahresuhr

 

Ja, früher, in der Wiener Wohnung, da feierten sie in größerer Runde ins Neue Jahr hinein. In den ersten Jahren noch mit weniger Gästen.

Dann, als sie jahrelang beim Wohnprojekt waren – das für sie aus vielen Gründen nie Realität wurde – waren sie eine große Runde. Die meisten der 12 Familien samt Kindern waren dabei. Erwachsene und Kinder, schön war das.

Außer den Planungstreffen gab es verschiedenste private Treffen, mit Übernachten, das war entspannend.

Oh, so viele Erinnerungen, die da kommen.

Legendär waren auch die Sommertreffen im Waldviertel. Und eben Silvester bei ihnen. Legendär und schon traditionell. So viele Menschen, die hier Platz zum Feiern und Schlafen hatten, unglaublich.

Wahrhaft erstaunliche Geschichten gab es danach zu erzählen.

Einmal landete der große Gulasch Topf, den eine Familie mitbrachte, auf der Straße, der Inhalt ergoß sich auf den Boden.

Für die Gastgeberin war es nicht so schlimm, sie war schon länger Vegetarierin.

Jeder brachte etwas mit, das Buffet war sehr abwechslungsreich und schmackhaft.

Damals gehörten Kater und Erinnerungslücken dazu, mittlerweile trinkt sie schon lang keinen Alkohol mehr und genießt den freien Kopf nach Festen nach dem Aufwachen. Das tut so gut.

Bleigießen war einer der Höhepunkte, vor allem für die Kinder, auch für so manchen Erwachsenen.

Bald wurde es durch Wachsgießen ersetzt.

Dann wurde geraten, was das Gegossene darstellen könnte, und was es für das kommende Jahr bedeuten könnte.

So viel Sand ist seitdem durch die Jahresuhr, die Sanduhr, geflossen.

Manchmal rieselte er ganz langsam, die Zeit stand fast still, öfter rann er so schnell durch, als ob es kein Halten gäbe.

So viel erlebt und noch immer.

Ruhiger, aber nicht immer.

Feste in der Wohnung, dann im Haus,für größere Feste im Zelt, das im Sommer, aber auch schon im Winter, extra im Garten aufgestellt wurde, da gab es schon wunderbare Treffen.

Wer weiß, wie es 2018 sein wird?

Da fließt noch so einiger Sand durch die Sanduhr.

 Jahresuhr.

 

Ohne Anfang und Ende.

 

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2018

      

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 Das Thema für den 1.2.2018 ist: Nächtlicher Wolkenzauber

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Schreibkick: Unter dem Weihnachtsbaum / Christbaum

Unter dem Weihnachtsbaum / Christbaum

Leonie liegt bäuchlings auf ihrem Spielteppich – der in ihrer Vorstellung meist ein fliegender Teppich ist, der sie überall hinbringt, wohin sie will.

Sie denkt an ein Reiseziel und flugs erhebt sich der Teppich mit ihr in die Lüfte, und sie reisen an den Ort ihrer Wünsche.

Jetzt denkt sie an oben, und schon fliegen sie schnell nach oben, bis sie an den Wolken anstoßen, diese sind weich und angenehm. Die Wolken beginnen, ihren Inhalt auf die Erde schneien zu lassen. Die Menschen betrachten und berühren freudig den Schnee. Insgeheim wünschen sich die meisten „Weiße Weihnachten“, es ist romantisch, sich Weihnachten im Schnee vorzustellen. Mit Schneemann bauen, Schneeballschlachten, Schnee-Engeln, Eis-Leuchten, Eislaufen und Schifahren.

Schon lange war es nicht mehr sicher, zu Weihnachten Schnee zu haben. Früher war es immer so, daß zu Weihnachten Schnee lag. Die Zeiten ändern sich und auch das Klima.

Leonie träumt weiter, stellt sich vor, Weihnachten so zu erleben, wie es ihre Eltern erlebten, als sie noch Kinder waren.

Weihnachten war der Höhepunkt des Jahres, in der Adventzeit bekamen die Kinder ab und zu einen Gruß vom Christkind, etwas Süßes, oder sie fanden einen Silberfaden, den ganz sicher das Christkind verloren hatte.

Auf die Geschenke freuten sie sich schon das ganze Jahr.

Bei den Vorbereitungen halfen sie fleißig mit. Besonders brav zu sein war wichtig, ansonsten konnte es sein, daß ihnen das Christkind nichts brachte.

Im Advent saß die Familie um den Adventkranz und sang gemeinsam Adventlieder. Anschließend gab es Tee und Kekse.

Das Mädchen wußte auch, wie Weihnachten bei den Großeltern verlief. Damals hatten die Menschen nur sehr wenig Materielles. Geschenke waren meist selbstgemacht. Spielzeug oder Kleidung. Oma schwärmte noch immer vom flauschigen Pullover, den sie einmal bekam, der im Rückblick dann doch etwas kratzig war.

Leonie’s Mama erzählte hin und wieder von einem Bilderbuch, das sie einmal geschenkt bekam, darin waren viele Blumen, wunderschön gezeichnet und gemalt, die menschliche Züge hatten. Oder waren es doch Feen und Elfen?

Wenn Leonie älter wäre, würde sie sich sofort auf die Suche machen, um dieses Buch für ihre Mama zu finden. Sie würde sich sicher in einigen Jahren auch noch darüber freuen.

Eine ältere Freundin schwärmt Leonie immer wieder von Bilderbuch vor. Sie meint aber kein Buch mit Bildern, sondern eine Band.

Die Geschenke, die Leonie heuer verschenkt, werden wieder selbstgemacht sein. Sie arbeitet sehr gerne mit Papier und zaubert daraus die schönsten Dinge. Schnell holt sie ihr Bastelpapier, Schere, Klebstoff und Pickerl. Heute macht sie für jeden zu Beschenkenden ein Billett. Sie legt ihre ganze Freude und Liebe hinein.

Und dann ist es endlich soweit. Die Kerzen leuchten am Christbaum, er ist wie immer mit Strohsternen, Holzschmuck, Bockerln und roten Kerzen aufgeputzt. Es ist eine Pracht. Die Geschenke liegen darunter und alle freuen sich.

Na ja, eigentlich sitzen sie nicht unter dem Christbaum, sondern neben dem Christbaum. Ein lustiger Gedanke, sich vorzustellen, wie sich alle unter dem Christbaum drängen und den Geschenken den Platz streitig machen.

Traditionell wird das Gedicht „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss vorgelesen. Wie immer zaubert es ein Lächeln und Schmunzeln in die Gesichter.

Davor hatte sich wieder einmal der Tisch unter den Köstlichkeiten gebogen, für alle war etwas dabei.

Endlich in Ruhe beisammen sitzen, lachen, sich austauschen, die neuen Spiele spielen, die Geschenke genießen und das Zusammensein.

Unter dem Christbaum bleiben die Verpackungen liegen, Papier und Bänder, wie jedes Jahr werden sie eingesammelt und immer wieder verwendet, so lange es geht.

Draußen fällt der Schnee in dicken Flocken auf die Erde, und deckt alles mit einer Schneedecke zu, wunderschön.

Rundherum erstrahlen die Weihnachtsbeleuchtungen. Glücklicherweise war es im Umfeld sehr dezent beleuchtet. Schön anzusehen.

An den nächsten Tagen geht es zu den Verwandten, auch dort warten Geschenke unter dem Christbaum.

© Eva Schnepf  Lebinger 2017

 

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 Das Thema für den 1.1.2018 ist: Jahresuhr



 

Schreibkick: Stille Straße

Stille Straße

 

Schon während des Yoga-Kurses sah sie, daß es schneite. Sie freute sich darüber, es schaute so heimelig aus, besonders aus dem warmen Raum aus gesehen.

 

Das Yoga war diesmal besonders entspannend, am liebsten wäre sie gleich in der Endentspannung liegen geblieben.

 

Trotzdem rollte sie ihre Korkmatte ein, verabschiedete sich und ging hinaus.

 

Freudig hielt sie ihr Gesicht nach oben, die Schneeflocken sprühten wie ein Feuerwerk, nur in die andre Richtung.

 

Es war so angenehm, durch diese weiße Pracht  zu spazieren. So weich und locker und wunderschön fielen die kleinen Gebilde auf die Erde und  bildeten eine Decke über alles.

 

Als sie bei einer Wiese vorbeikam, konnte – und wollte – sie der Versuchung nicht widerstehen, sie legte sich auf den Rücken, und bewegte die Arme auf und ab, und machte somit ein „Engelchen“.

 

Für sie war Schnee immer eine Erinnerung an die Kindertage. Sie liebte vor allem das Eislaufen. Meistens war sie auf dem kleinen Eislaufplatz. Wenn sie dann völlig ausgefroren war, ging sie in die kleine Hütte, hier brannte im Ofen ein behagliches Holzfeuer. Sie aß ihre Mandarinen und Kekse und trank Tee dazu. Paradiesisch.

 

Wenn es ganz kalt war, und der Fluß zugefroren war, dann fuhr sie dort, das war etwas ganz Besonderes.

 

Über das glatte Eis zu gleiten mag sie noch immer sehr. Jetzt bevorzugt sie Naturgewässer, das ist besonders schön.

 

 

 

Schifahren mochte sie nie so wirklich. Anfangs im Garten, dann auf der Schiwiese und manchmal auf dem Schibergerl.

Hier wurde auch gerodelt, das gefiel ihr besser.

Ihr Favorit war und blieb das Eislaufen.

 

 

 

Das Alles war in unmittelbarer Umgebung ihres Elternhauses möglich, Alles zu Fuß erreichbar.

 

Beschwingt setzte sie ihren Heimweg fort, ja, sie machte sogar einen kleinen Umweg, weil es so schön war, im Schnee zu gehen und vor allem, sich die Schneeflocken ins Gesicht schweben zu lassen.

 

Da war schon wieder eine Erinnerung, früher bei den winterlichen Autofahrten im Waldviertel, als der Schnee wie wild auf die Autoscheibe prallte und es wirkte, als ob die Scheibe dadurch eingeschlagen würde. Je schneller man fuhr, desto schlimmer.

Im Auto fühlte sie sich dabei so geborgen, daß sie am liebsten immer weitergefahren wäre.

 

Stille Straße – eine schöne Vorstellung, so dahingehen, Stille, Ruhe, keine Autos.

 

Plötzlich befand sie sich wirklich auf einer Stillen Straße, endlos lang, ins Unendliche führend. Sie schritt dahin, sie sah nicht, wohin sie führte, führte sie überhaupt irgendwo hin?

Je länger sie sich fortbewegte, desto leichter und freier fühlte sie sich.

 

Nach einiger Zeit wurde es heller und wärmer, der Himmel war blau, Blumen blühten, Bäume spendeten Schatten, Vögel zwitscherten und jubilierten, viele Tiere gingen friedlich ihrer Wege. Es war das reinste Paradies.

 

Sie war glücklich. Endlich daheim.

 

 

~~~

 

Am nächsten Tag fanden sie sie in der Wiese im Schnee liegend, die Yoga-Matte im Arm, mit einem friedlichen Lächeln.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

     

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 Das Thema für den 24.12.2017 ist: Unter dem Weihnachtsbaum 

Das Thema für den 1.1.2018 lautet:  Jahresuhr

 

 

Schreibkick: Nebelschwaden

Nebelschwaden

Nebelschwaden zogen über das Land, hüllten alles ein, in das milchige Nichts. In das undurchschaubare Nichts. So als ob nichts da wäre, und doch wie eine Wand. Eine undurchdringbare Wand. Weich wie Watte, hart wie Stahl. Unbeschreibbar. Unerklärlich. Hineinfahren in das Nichts, kaum sichtbare Fahrbahn, ganz langsam nur fahren.

 

Lieber wäre sie daheim geblieben, im wohligen Ambiente, aber die Fahrt war unaufschiebbar.

 

Also fuhr sie, die Sicht wurde immer schlechter, erst sah sie noch einige Meter weit, dann war eine undurchdringliche Nebelwand. Ganz, ganz langsam fuhr sie dahin, tastete sich förmlich vorwärts. Plötzlich – es war wie ein Erwachen – fühlte sie sich wie in einem Wagen, gezogen von Pferden, sie nahm das Geklapper der Hufe auf dem Boden und das Schnauben der Pferde wahr.

Sie wußte, daß sie den ganzen Sommer über unterwegs waren, genauer gesagt, vom Frühling bis in den Spätherbst. Alles, was sie brauchten, führten sie mit sich. Die Menschen in den Orten, in denen sie hielten, warteten schon auf sie. Ihre Dienste als Messer- und Scherenschleifer, Pfannen- und Kesselflicker, Korbflechter und noch so einigem mehr, waren hoch angesehen. Sie konnten so gut wie alles reparieren.

Weiters führten sie ein buntes Sortiment an Waren bei sich,  da war für jeden etwas dabei. Die Fahrenden arbeiteten den ganzen Winter an ihren Kunstwerken. Handarbeiten und Schmückendes und Haushaltswaren.

Die Kunden hatten viel Freude an den erstandenen Schätzen.

Nach einem vereinbarten Zeichen kamen alle gespannt zusammen. Neugierig darauf, was sie diesmal zu sehen bekämen. Und die Vorfreude zahlte sich wahrlich aus. Von Karten- und Zaubertricks, Messerwerfen, Feuerschlucken und Spucken, und der Aufführung von Theaterstücken war alles dabei, was das Herz begehrte. Das und noch vieles mehr.

Der tosende und immer wieder aufbrausende Applaus ist das Brot und der Lohn der Künstler. Sowie das, was die Zuseher in den Hut, der die Runde ging, gaben. Die bereitgestellten Körbe wurden mit Lebensmitteln gefüllt. Jeder gab, was er erübrigen konnte. Geld und Naturalien, beides war sehr wichtig.

Danach saßen sie noch lange am Lagerfeuer und erzählten, uralte Geschichten machten die Runde.

Je nach Wetter schliefen sie im Freien, oder in den Scheunen hilfsbereiter Menschen.

Es war ein freies Leben, mal hier, mal da. Überall wurden sie schon erwartet, jedes Jahr eilte ihnen der Ruf „Die Fahrenden kommen endlich!“ voraus.

Der Nebel lichtete sich, es war, als wäre nie eine Nebelwand da gewesen.

Erleichtert fuhr sie weiter ihres Weges, sinnend, ob es ein Traum war oder vielleicht doch eine Erinnerung …

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

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Das Thema für den 1.12.2017 lautet: Stille Straßen

Das Thema für die Weihnachts Geschichte am 24.12.2017 lautet: Unter dem Weihnachtsbaum

Schreibkick: Herbstfarben

Herbstfarben

 

Die ersten Herbstfarben sah sie schon im August, genau am 31.8. Beim letzten Bad dieses Sommers, im schönen Seerosenteich. Rund um sie im Wasser wunderbare Seerosen, am Ufer gelb verfärbte Blätter an den Bäumen.

 

Manchmal sind die beeindruckenden Herbstfarben versteckt, verborgen unter Nebelschichten. Sie sind nur ahnbar. Dann wieder leuchtet das volle Spektrum, das Auge ist förmlich geblendet von der Farbpracht der herbstlichen Natur.

Sie genoß diesen Farbenrausch, dahingehend auf dem weichen Waldboden, das Moos, die Wurzeln unter ihren Fußsohlen spürend. Jeder Schritt war Fühlen, war Spüren, war Berührtsein. Ihre Seele tanzte weit ober ihr und sah sie inmitten dieser wunderbaren Landschaft, und war gleichzeitig in ihr. Alles war eins.

Sie spürte einen Blick, als sie aufsah, schaute sie direkt in die Augen eines Rehes. Eines Rehes, das ganz nahe ganz ruhig stand, und sie unverwandt anblickte. Lange standen sie so, Blick in Blick. Eine Verbindung zwischen ihnen, unsagbar, unbeschreiblich schön.

Sie wußte, dieses Gefühl würde sie immer spüren, immer, wenn sie an diesen Augenblick dachte. Noch Jahre, ja Jahrzehnte danach war es sofort da.

So viel Schönes entdeckte sie bei diesem Spaziergang. Jeder Grashalm, jedes Moosteilchen, jeder Stein, jeder Baum und Strauch sprach zu ihr.

Sprach zu ihr von seinem Sein.

Von seinem Sein und von ihrem Sein.

Alles war eins.

Es war so wohltuend.

Sie war daheim.

Geborgen in diesem Wald, in diesem uralten Wald, immer wieder neu.

Wachsen und Vergehen. Der Lauf des Lebens.

Es war so spürbar.

Die kurze Zeit dieses Erdenlebens.

Ein Baum wurde viel älter.

Er konnte so viel erzählen.

Sanft rauschte es in seinen Blättern.

Ein Wispern und Raunen.

Geschichten über die Zeit.

Bald würden rauhe Winde wehen, kalt würde es werden, der Schnee würde vom Himmel fallen und eine weiße Decke würde alles einhüllen. Zeit zum Eislaufen, zum Schneestapfen, dick eingepackt in warme Kleidung, und daheim dann aufwärmen mit heißem Tee und Zimtgebäck dazu genießen.

 

Langsam kündigte sich der Frühling an, alles erwachte zu neuem Leben, laue Luft erfüllte ihre Lungen. Zarte Farben erfüllten ihre Augen und schmeichelten ihren Sinnen.

 

Und schon kam die Hitze des Sommers mit all seinen Freuden. Die kühle Frische der Naturgewässer, in denen sie sich so wohl fühlte. Das Wasser umschmiegte ihre Glieder, ihren Körper, umfloß sie, nahm sie mit. Ihre Gedanken vereinten sich mit dem Fluß und zogen in weite Ferne, immer weiter, bis ins Meer.

 

Die bunte Blütenpracht des Sommers erfreute sie sehr. Sie konnte sich kaum sattsehen daran.

 

Und dann der Herbst mit seinem Farbenrausch.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

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Corly

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.11.2017 lautet: Nebelschwaden

 

Schreibkick: Sommerausklang

Sommerausklang

 

Sommer

Der Sommer in dem sie ein (halbes) Haus besessen hatte.

Besessen und nicht genutzt, nur gearbeitet.

Gesichtet, geborgen, sortiert und Vieles schweren Herzens dort gelassen.

Alles konnte sie nicht mitnehmen.

Sie hatte schon so viel, zu viel, mit heim genommen.

Sie wußte nicht, was der Käufer behalten würde.

Dann war es einfach. Aber zu spät. Alles wurde entsorgt. Alles erneuert.

Jetzt muß alles aussortiert werden. Alles konnte  – und wollte – sie nicht behalten.

Sommerausklang.

Los lassen.

Befreiend.

Sommerausklang.

Bald Herbstbeginn.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

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Sabrina

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Das Thema für den 1.10.2017 lautet: Herbstfarben

 

Schreibkick: Strandparty unter dem Vollmond

Strandparty unter dem Vollmond

Vollmond war keiner, dafür eine Party am Strand. Am Strand des Neusiedler Sees fand die Veganmania @ Beach statt. Hier gab es Veganes in Hülle und Fülle. Ein wahres Vegan Paradies. Tierleidfreies für Körper, Geist und Seele. Vorzügliche Speisen und Getränke, Kleidung, Schuhe, Kosmetik. Nachhaltige, wiederverwendbare Behälter und Aufbewahrungsboxen und vieles mehr.

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Yoga, Sport, Baden und Schwimmen, Menschen kennenlernen und wiedersehen, Gespräche führen, einfach auf den See schauen, genießen. Eine Wohltat.

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Der Höhepunkt war das Konzert, wundervolle Musik für Herz und Seele – ein Genuß.

Wild – Ehrlich – Organisch – Sinnlich – Frei. Tiefgründige spirituelle Texte schwangen in wunderbarer Atmosphäre.

Im Mondenschein am Ufer des Sees entlang durch die Wiese heimschlendern.

 

Vom Zimmer aus den Blick auf den Leuchtturm und auf den See genießen.

 

Nach einer erholsamen Nacht noch eine Runde am Gelände spaziert und noch einiges entdeckt. Ein erfrischendes Bad genommen und dann die Heimfahrt angetreten.

 

Denn abends wartete märchenhafter Genuß.

Die Vorfreude war groß.

Eine Schreibfreundin bot meisterlich Sagen und Märchen dar.

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Foto by Uschy Pip

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Foto by Uschy Pip

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Foto by Uschy Pip

Die Zuhörer unter dem Nußbaum hingen an ihren Lippen, waren begeistert, berührt, ergriffen und erfreut. Aufmerksam und konzentriert genossen sie das frei Erzählte.

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Foto by Uschy Pip

Es ist kaum möglich, dieses Erlebnis in Worte zu fassen.

Die Erzählerin vermittelte – und konnte es sicher in den Gesichtern der Zuhörer lesen – daß sie aus dem was sie erlebt kommt und daß sie genau dorthin gehört. Ins Hier und Jetzt, ins Es -könnte-sein. Das lebendige Erzählen wirkte wie das Tanzen eines Walzers.

Nach erfolgter Darbietung noch langer Austausch, vertraut und liebevoll.

Unter dem Sternenzelt im Garten.

Danke für diese wundervolle Erfahrung.

    

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Rina

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.9.2017 lautet: Sommerausklang

Schreibkick: Abkühlung

Abkühlung

Und so wurde es trotz der steigenden Kälte immer heißer. Und es blieb für lange Zeit so.

Einerseits hatten sie die Treffen mit den Kindern, Stunden, die gefüllt waren mit Spielen, auf Spielplätzen und am Küchentisch, Freude an Karten- und Brettspielen, Ausflügen, Radfahren, Federballspielen und vielem mehr. Sie lachten viel gemeinsam, erzählten sich Witze und kleine Geschichten.

Andererseits gab es die Stunden, die nur ihnen beiden gehörten. So langsam sie sich angenähert hatten, so schnell kamen sie sich nun nahe. Das Gefühl, sich schon ewig zu kennen, hatten sie schon lange. Doch die Verbundenheit und Nähe, die sie nun umhüllte, war neu – und erregend. Diese wunderbaren, feurigen Stunden zwischen der Zeit, jede wie ein Fest. Unglaubliche Leidenschaft, Wolllust, aber auch Zärtlichkeit und Zartheit, Zuhausesein. Diese Stunden waren dünn gesät, und daher sehr intensiv. In der Kürze liegt die Würze. Der Volksmund hat für alles die passende, punktgenaue Redensart.

 

Die Jahre vergingen wie im Flug. Viele schöne Stunden verbrachten sie gemeinsam. Höhenflüge genossen sie. Jedoch die Talfahrt kam immer näher, unmerklich. Im nachhinein gesehen war es doch nicht so unmerklich. Aber danach ist man immer klüger.

Lange hatte das Schöne und Angenehme überwogen, langsam schlichen sich manchmal unangenehme Augenblicke ein.

Und irgendwann mußten sie sich eingestehen, daß es vorbei war. So schön es gewesen war, nun überwog das Unschöne.

Hitze – Abkühlung. So ist es im Leben.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Corly

Mein Name sei Mama

Rina

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.8.2017 lautet: Strandparty unter Vollmond

 

Schreibkick: Hitze

Hitze

Viel Zeit war vergangen, gefüllt mit Gesprächen, gemeinsam gespielten Spielen, Spaziergängen, Radausflügen und gemeinsam genossenen Kakaos.

Noch immer waren sie nur gute Freunde, sehr gute Freunde, platonische Freunde.

Als dann die Schule wieder begann, sahen sie sich jeden Tag zwangsläufig beim Bringen und Holen der Kinder. Im Herbst, die Blätter fielen von den Bäumen, es wurde kälter, merkte sie nach einiger Zeit, daß sie sich unverhältnismäßig freute, wenn sie ihn sah. Ein Ahnen stieg in ihr auf, das konnte doch nicht sein. Man verliebt sich doch nicht in seinen besten Freund. Und doch war es so. Sie wollte es gar nicht zulassen, es war doch gut so, wie es war.

 

Wenn sie nur an ihn dachte, stieg die Hitze in ihr hoch.

Die Hitze stieg in ihr auf – doch wie sollte sie diese abkühlen?

Und da fiel ihr plötzlich ein, daß er sie ja schon im vorigen Jahr oben ohne im Bad gesehen hatte.  Und sie ihn in seiner uralten roten Badehose.

Sie begannen, darüber Späße zu machen, trotzdem war ständig ein gewisser Ernst dabei.

 

 

Andrerseits, als er ihr in den Mantel half, legte er ganz kurz seine Hände auf ihre Schultern, dieses Wohlgefühl spürt sie heute noch.

Diese kurze Geste war ein Versprechen, ein unausgesprochenes Versprechen.

 

So erzählten sie sich Geschichten aus früheren Zeiten.

Sie berichtete zum Beispiel aus ihrer Jugendzeit.

Im Freibad war es den Buben eine Freude und eine Mutprobe, die Bikini-Oberteile der Mädchen zu öffnen und sie damit in Verlegenheit zu bringen. Sie ließ sich das nicht gefallen, als es ihr zu bunt wurde, riß sie ihr Oberteil herunter, präsentierte die freien Brüste und rief: „So jetzt könnt ihr sie sehen! Ist euch jetzt leichter?“ Die Verlegenheit bei den Buben war sehr groß.

Schon immer wollte sie möglichst viel Luft an ihre Haut lassen. Daher war Oben ohne ein wichtiges Thema für sie.

Auch Rainhard Fendrich thematisierte es in seinem Lied „Oben ohne“.

 

Mit den Kindern war es auch ideal: Oben ohne, das Kind bequem im Tragetuch, Durst und Hunger sehr praktisch zu stillen, griffbereit, wohltemperiert, genau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt, immer genug da, wohlgeformte und angenehme Verpackung.

 

Zurück zur Hitze. Im Sommer hatten sie die Hitze und die Freuden der heißen Jahreszeit genossen.

Nun im Herbst und Winter warteten andere heiße Freuden auf sie.

Langsam, sehr langsam näherten sie sich an. Beim Eislaufen schmolz fast das Eis durch ihre Blicke.

Und so wurde es trotz der steigenden Kälte immer heißer. Und es blieb für lange Zeit so.

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Corly

Rina

Veronika

 

Das Thema für den 1.7.2017 lautet: Abkühlung

Das Haus

Das Haus

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Das Haus steht in einer kleinen Siedlung in einer Kleinstadt. Ehemals war es wie alle Häuser hier gelb, schönbrunnergelb. Mittlerweile ist es grün. Überhaupt haben etliche Häuser ihre Farbe gewechselt,  die Siedlung ist bunt geworden. Durch die Gartentür, ein paar Schritte, ein paar Stufen, und schon öffnet sich die Haustür.

Im kalten Vorraum gedeihen die Blumenstöcke wunderbar. Besonders die jahrzehntealten Kakteen erstrahlen in dichter Blütenpracht. Als Wandschmuck hängen viele bemalte, beschriftete Holzscheiben an den Wänden, die als Souvenir mitgebracht wurden. Man fühlt sich Jahrzehnte zurückversetzt.

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Durch die nächste Tür kommt man in ein Vorzimmer, das auch Gang ist. Rechts führt eine Tür in den Keller. Hier gibt es einen Kühlschrank, die Waschküche, ein Holzlager, einen Vorratsraum, die Heizung und die Garage, in der sich die alte Küchenkommode befindet. Ein bißchen ausbessern, und sie ist wie neu.

Wieder oben, geht es links ins Wohnzimmer, viele Stunden hier verbracht.

Geradeaus ist die Küche, rechts davon ein kleines Bad, das ist schon zuviel gesagt, für eine Katzenwäsche reicht es. Dahinter ist die  Speisekammer.

Die Tür links in der Küche führt ins Schlafzimmer.

Draußen befindet sich noch das WC.

Dann geht es schon die Stiege hinauf in den oberen Stock.

Hier war das Refugium der Großmutter. Vorraum, WohnKüche und Schlafzimmer. Davor das Badezimmer.

In der Wohnküche gibt es etwas ganz Besonderes. Da durften wir einen Blick hineinwerfen, das war es schon. Es war immer geheimnisumwoben. Ein kleiner schmaler Dachraum, nur durch eine niedrige Tür erreichbar.

Ein vorheriger Text „Ein Haus“  dazu ist hier zu finden:

https://evasgeschichten.wordpress.com/2017/02/04/ein-haus/

Einige Monate sind vergangen. Viel ist geschehen. Viel wurde gesichtet und sortiert, Fotos und Schriftliches aufbewahrt, Schönes aus Glas und Keramik und Porzellan und Anderes in Sicherheit gebracht.

Vieles wurde in gute Hände weitergegeben, an Menschen, die es zu schätzen wissen.

Hierzu entstand eine wundervolle, berührende Geschichte, nachzulesen auf dem Blog von Frau Vro. https://vrojongliert.wordpress.com/2017/04/29/die-welt-ist-ein-dorf-und-voller-wurzeln/ Wie es dazu kam, erzählt sie ganz genau.

Auch das Museum wurde bedacht, wobei noch so einiges dort hinwandern wird.

Das Grab ist fertig, erstrahlt in neuem Glanz, geziert von Blumen, die ein wenig an den blumenreichen Garten erinnern.

Nun ist es so weit, das Haus wird von den Erben verkauft.

Möge es in gute Hände kommen, die richtigen Besitzer finden und möge es mit Lebenslust, Freude und manchmal Traurigkeit – denn so ist das Leben – erfüllt sein.

© Eva Schnepf – Lebinger 2017