Schreibkick: Vorfreude auf Sommergenüsse

Vorfreude auf Sommergenüsse

Unerwarteterweise war es Ende April schon sehr warm. Sie war schon mehrmals baden, teilweise war das Wasser schon fast zu warm für diese Zeit. So warm wie im Hochsommer.

Froh ging sie barfuß durch die Wiese, spürte die einzelnen Grashalme, die ihre Fußsohlen kitzelten,  verband sich mit der Erdenergie und genoß es.

Am letzten April Tag feierte sie Beltane, die Walpurgisnacht.

Dabei erinnerte sie sich an eine Geschichte, die sie vor Jahren schrieb, genau zu diesem Thema.

 

 

Feehaube  Kogelsteine         5.5.2014

 

Ritual Tanz

 

Sie saß eng an die beeindruckende Steinformation geschmiegt, und hing ihren Gedanken nach.

Ihr nachdenklicher Blick schweifte über die augenfreundliche Landschaft ringsum.

Weinstöcke, grüne und braune Felder, und gelb leuchtende Rapsfelder wechselten sich ab.

Auf einem Feld zog ein Traktor seine Runden. Beschaulich verrichtete er seine Arbeit.

Eine Kirchenglocke drang an ihr Ohr, leise und ruhig, nicht so laut und aufwühlend, Macht hörbar gemacht, wie in ihrem Heimatort, die sie des öfteren weckte.

„Kuckuck, Kuckuck“ und anderes Vogelgezwitscher vereinte sich zu einer wohlklingenden Symphonie.

Loslassen und träumen.

Sie fühle, sie war nun in der Walpurgisnacht hier. Es war dunkel, vor ihrem inneren Auge erschien das Licht von vielen Kerzen und Fackeln, die sich rund um die Steinformation befanden und ihren Schein verbreiteten.

Meditative Trommelklänge waren zu hören, Menschen tanzten im Kreis, erst langsam, dann immer schneller.

Plötzlich war sie mitten drin, sie wiegte sich im Takt und ließ sich von den Klängen mitreißen.

Die Trommelklänge, die ihr Ohr erreichten, wurden immer schneller, und wie ihr schien, auch lauter und aufpeitschender.

Die tanzenden Menschen kamen einander immer näher und näher. Erst berührten sie sich nur sachte und wie zufällig, dann immer mehr und fester. Ganz eng spürte sie einen Körper an ihrem.

Einen harten, männlichen Körper.

Wunderbar schmiegte er sich an ihren weichen, weiblichen Körper.

Begehrlich rieb er sich an ihr, das war ihr sehr willkommen, sie wußte, er würde das Brennen in ihr stillen und löschen.

Einander aufreizend tanzten sie eng umschlungen weiter, einige Schritte zur Seite, aus den Augenwinkeln wahrnehmend, daß andere Paare es ihnen gleichtaten.

Ein Gebüsch nahm sie auf.

Sie sanken in die weiche Wiese, sie wollten sich spüren, sich nah sein, eins sein.

Die Lust und Leidenschaft umhüllten sie.

Voller Begierde nahm sie ihn in sich auf, er erfüllte sie ganz und gar.

Sie spielten das ewige Spiel, das Spiel der Liebe und Leidenschaft.

Mit diesem Fruchtbarkeitsritual übertrugen sie ihre Fruchtbarkeit auf die Erde, deren Früchte sie ernährte.

In ihrer Ekstase waren sie weit davon entfernt, daran zu denken.

Näher und näher trieben sie zu ihrem Ziel.

Die Schleier hoben sich, ihr Bewußtsein weitete sich, sie erfühlten bisher unbekannte Welten, wurden Teil davon.

Immer weiter wurden sie in die Spirale gezogen, bis sie im Zentrum ankamen und sich die aufgestaute Begierde explosiv  auflöste. Glückseligkeit erfüllte sie. Eng aneinandergeschmiegt lagen sie lange und genossen die Nachwehen der Sinnlichkeit.

Es war getan, die Ernte für dieses Jahr war gesichert.

© Eva Schnepf 2014

 

 

Erinnerung, Phantasie, Erlebtes, Erdachtes, Ersonnenes – wer weiß es schon genau?

 

Auf jeden Fall paßt es sehr gut zu Vorfreude auf Sommergenüsse 🙂

 

© Eva Maria Schnepf – Lebinger 2018

      

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Das Thema für den 1.6.2018 ist ~

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Schreibkick: Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

 

Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

 

Noch vor kurzem hatte sie voller Freude „Barfußgehen im Schnee“ genossen. Glücklicherweise kam der Schnee spät und mehrmals.

So ein wunderbares Gefühl, die nackten Fußsohlen in den kalten Schnee zu setzen und langsam Schritt für Schritt vorwärts zu gehen.

Nicht zu lange, vor allem anfangs nur kurz, zum Gewöhnen.

Danach schnell die kalten Füße abtrocknen, Socken anziehen und ins warme Bett schlüpfen.

Das tut gut. Die Füße erwärmen sich schnell und werden für einige Zeit ganz heiß.

Barfuß im Schnee – das letzte Mal vor kurzem.

Und dann, kaum 1 Monat später, fällt ihr ein, daß sie vor etlichen Jahren an einem 1. Mai das 1. Mal in diesem Jahr schwimmen war. Einige schauten zu, keiner machte mit. Ja, das Wasser war noch sehr kalt. Aber als geborene Waldviertlerin war sie den kalten Kamp gewöhnt. Der wurde auch im Sommer nicht richtig warm.

Ihr Vater hatte ihr immer erzählt, daß sie sich früher im Bach wuschen. Auch im Winter, da hackten sie das Eis auf und wuschen sich. Das wollte sie auch schon immer machen.

Dann schlich sich das Eisbaden in ihre Gedanken. Das interessierte sie schon lange. Schon fast wäre es so weit gewesen. Erste Kontakte geknüpft, innerliche Vorbereitungen. Eis gibt es keines mehr, aber das Wasser ist noch kalt …

Beste Bedingungen, zum Beginnen, zum Gewöhnen, und dann im Winter endlich im Eis.

Fast wäre es sich noch zu Ostern ausgegangen, aber eine Terminkollision verhinderte es.

Alles hat seinen Sinn, auch wenn er gerade nicht erkennbar ist.

Immerhin ist die Zeit zu nutzen, Atemübungen durchzuführen.

 

Während sie so an vieles denkend das sanfte Frühlingslüftchen genoß, verzog sich plötzlich der Himmel, dunkle Wolken kamen, und mit ihnen ein scharfer Wind. Ja, schon fast ein Sturm. Die Sträucher und Bäume erzitterten und ihre Zweige wurden in alle Richtungen gepeitscht. Es tat direkt weh, das – mittlerweile durch die Glasscheiben von innen – mitansehen zu müssen. Immer wieder sausten eisige Winde über das Land. Die letzten Grüße vom Winter, der sich nun nach wohlgetaner Arbeit zurückziehen konnte.

 

 

© Eva Maria Schnepf – Lebinger 2018

      

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Das Thema für den 1.5.2018 ist: Vorfreude auf Sommergenüsse

Schreibkick: Kommerzieller Valentinstag

Kommerzieller Valentinstag

 

Sie war knapp über 20, hatte ihren festen Freund seit einem knappen Jahr – und fieberte dem Valentinstag, ihrem 1. Valentinstag – entgegen.

Bestimmt hatte er sich etwas ganz, ganz Besonderes ausgedacht, für SIE, seinen Liebling.

Vieles malte sie sich aus, vieles, was sie sich heimlich wünschte. Angefangen von einer süßen Überraschung, natürlich einer, die auf sie zugeschnitten war, etwas Außergewöhnliches.

Eine Rose – die wünschte sie sich schon lange von ihm.

Oder eine Schifffahrt mit vielen Herzen. Auch ein Wellnesstag in einer Therme mit einer romantischen Übernachtung kam ihr in den Sinn.

Ein Valentins-Herz-Luftballon wäre auch so ganz nach ihrem Geschmack.

So vieles fiel ihr ein, wochenlang malte sie sich dies und das aus, und freute sich schon sehr auf den Tag.

Nur – wie sollte er das wissen?

Er hatte doch ganz andere Interessen und auch einen anderen Geschmack.

Über Geschmack läßt sich ja bekanntlich streiten. Oder auch nicht.

Natürlich  gab es in seinem Universum keinen Valentinstag, trotzdem kam er nicht umhin, an jeder Ecke und überall Werbung und Hinweise dafür zu hören, zu sehen und einfach damit überfallen zu werden.

So kaufte er halt im Supermarkt eine kleine Schachtel mit Schokolade mit Valentins-Aufdruck. Damit es halt einen Namen hat.

Er wußte, wenn er ihr nichts schenkte, dann wäre sie sehr enttäuscht und noch viel mehr. Wer weiß, was dann passieren würde.

Somit dachte er, der Sache Genüge getan zu haben und er wäre aus dem Schneider.

 

Am 14.2. dieses Jahres trafen sie sich abends in ihrem Lieblingslokal. Sie war voller Vorfreude. In ihrer Tasche hatte sie ihr Geschenk für ihn: Konzertkarten für ihre Lieblingsband und ein liebevoll gestaltetes Fotoalbum.

 

Erwartungsvoll schaute sie ihn an, sie bestellten Getränke und Speisen, aßen und tranken, und dann endlich war es so weit.

Er überreichte ihr sein Geschenk. Unverpackt. Sogar das Preispickerl war noch drauf.

Sie wußte nicht, was sie denken sollte. Sie wartete, was noch folgen würde. Aber es folgte nichts. Sie konnte es nicht glauben. Tränen schossen in ihre Augen. Mühsam konnte sie sie stoppen.

Mit einem traurigen Lächeln gab sie ihm ihre Geschenke.

 

Wie ist es beim Großteil der Menschen?

Liebevolle persönliche Geschenke oder etwas schnell Gekauftes?

 

Kommerz. Sozusagen ein kommerzieller Valentinstag.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2018

      

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Das Thema für den 1.4.2018 ist: Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

Schreibkick: Nächtlicher Wolkenzauber

 

Nächtlicher Wolkenzauber

Vor einigen Jahren ließ ich mich von alten Ansichtskarten inspirieren, Stockerauer Motive von circa 1900 waren die Vorlagen.

Eine beeindruckte mich sehr. Der nächtliche Wolkenhimmel sah bezaubernd aus. Bezaubernd schön und bezaubernd unheimlich.

Das aquarellierte Bild gelang mir sehr gut, es gefiel mir sehr. Später fand es auch Käufer, es hängt nun in einem Lokal in Wien.

Irgendwann beim Blick nach oben fiel mir die frappante Ähnlichkeit mit „meinem“ gemalten Himmel auf. Bisher hatte ich so einen Himmel noch nie gesehen, besser gesagt nicht wahrgenommen.

Interessant, mit dem Wahrnehmen und Sehen und mit der Aufmerksamkeit. Der Himmel schaute genau so aus, es war direkt unheimlich. Beim Malen dachte ich, daß das reine Phantasie oder Nachbearbeitung war, was ich auf meiner Vorlage sah.

Schnell hatte ich den Gedanken, über den Nächtlichen Himmel reisen zu wollen. Am besten nachts starten, die vielen bunten Lichter sehen, und dann alles beim Tageslicht von hoch oben betrachten können.

Aber wie? Da fielen mir Märchen ein, in denen ich davon hörte, Bücher in denen ich davon las, und Filme.

Im Film „Der grüne Planet – Besuch aus dem All“ ist es wunderbar dargestellt.

In einer durchsichtigen Kugel zu reisen – garantiert ein grandioser Ausblick, Alles genau zu sehen.

Und plötzlich wie im Traum bewegte ich mich in meiner Kugel hoch oben, ich schwebte über den Himmel und genoß dieses einzigartige Gefühl.

Zwischen und durch die Wolken ging die Reise, weiße Wolken, graue und schwarze Gewitterwolken. Wunderschön – ein Wolkenzauber – Traum.

 

Traum

Oder doch real

Was ist Traum?

Was ist real?

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2018

      

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Das Thema für den 1.3.2018 ist: Kommerzieller Valentinstag

 

 

 

Schreibkick: Jahresuhr

 Schreibkick Jahresuhr

 

Ja, früher, in der Wiener Wohnung, da feierten sie in größerer Runde ins Neue Jahr hinein. In den ersten Jahren noch mit weniger Gästen.

Dann, als sie jahrelang beim Wohnprojekt waren – das für sie aus vielen Gründen nie Realität wurde – waren sie eine große Runde. Die meisten der 12 Familien samt Kindern waren dabei. Erwachsene und Kinder, schön war das.

Außer den Planungstreffen gab es verschiedenste private Treffen, mit Übernachten, das war entspannend.

Oh, so viele Erinnerungen, die da kommen.

Legendär waren auch die Sommertreffen im Waldviertel. Und eben Silvester bei ihnen. Legendär und schon traditionell. So viele Menschen, die hier Platz zum Feiern und Schlafen hatten, unglaublich.

Wahrhaft erstaunliche Geschichten gab es danach zu erzählen.

Einmal landete der große Gulasch Topf, den eine Familie mitbrachte, auf der Straße, der Inhalt ergoß sich auf den Boden.

Für die Gastgeberin war es nicht so schlimm, sie war schon länger Vegetarierin.

Jeder brachte etwas mit, das Buffet war sehr abwechslungsreich und schmackhaft.

Damals gehörten Kater und Erinnerungslücken dazu, mittlerweile trinkt sie schon lang keinen Alkohol mehr und genießt den freien Kopf nach Festen nach dem Aufwachen. Das tut so gut.

Bleigießen war einer der Höhepunkte, vor allem für die Kinder, auch für so manchen Erwachsenen.

Bald wurde es durch Wachsgießen ersetzt.

Dann wurde geraten, was das Gegossene darstellen könnte, und was es für das kommende Jahr bedeuten könnte.

So viel Sand ist seitdem durch die Jahresuhr, die Sanduhr, geflossen.

Manchmal rieselte er ganz langsam, die Zeit stand fast still, öfter rann er so schnell durch, als ob es kein Halten gäbe.

So viel erlebt und noch immer.

Ruhiger, aber nicht immer.

Feste in der Wohnung, dann im Haus,für größere Feste im Zelt, das im Sommer, aber auch schon im Winter, extra im Garten aufgestellt wurde, da gab es schon wunderbare Treffen.

Wer weiß, wie es 2018 sein wird?

Da fließt noch so einiger Sand durch die Sanduhr.

 Jahresuhr.

 

Ohne Anfang und Ende.

 

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2018

      

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 Das Thema für den 1.2.2018 ist: Nächtlicher Wolkenzauber

Schreibkick: Unter dem Weihnachtsbaum / Christbaum

Unter dem Weihnachtsbaum / Christbaum

Leonie liegt bäuchlings auf ihrem Spielteppich – der in ihrer Vorstellung meist ein fliegender Teppich ist, der sie überall hinbringt, wohin sie will.

Sie denkt an ein Reiseziel und flugs erhebt sich der Teppich mit ihr in die Lüfte, und sie reisen an den Ort ihrer Wünsche.

Jetzt denkt sie an oben, und schon fliegen sie schnell nach oben, bis sie an den Wolken anstoßen, diese sind weich und angenehm. Die Wolken beginnen, ihren Inhalt auf die Erde schneien zu lassen. Die Menschen betrachten und berühren freudig den Schnee. Insgeheim wünschen sich die meisten „Weiße Weihnachten“, es ist romantisch, sich Weihnachten im Schnee vorzustellen. Mit Schneemann bauen, Schneeballschlachten, Schnee-Engeln, Eis-Leuchten, Eislaufen und Schifahren.

Schon lange war es nicht mehr sicher, zu Weihnachten Schnee zu haben. Früher war es immer so, daß zu Weihnachten Schnee lag. Die Zeiten ändern sich und auch das Klima.

Leonie träumt weiter, stellt sich vor, Weihnachten so zu erleben, wie es ihre Eltern erlebten, als sie noch Kinder waren.

Weihnachten war der Höhepunkt des Jahres, in der Adventzeit bekamen die Kinder ab und zu einen Gruß vom Christkind, etwas Süßes, oder sie fanden einen Silberfaden, den ganz sicher das Christkind verloren hatte.

Auf die Geschenke freuten sie sich schon das ganze Jahr.

Bei den Vorbereitungen halfen sie fleißig mit. Besonders brav zu sein war wichtig, ansonsten konnte es sein, daß ihnen das Christkind nichts brachte.

Im Advent saß die Familie um den Adventkranz und sang gemeinsam Adventlieder. Anschließend gab es Tee und Kekse.

Das Mädchen wußte auch, wie Weihnachten bei den Großeltern verlief. Damals hatten die Menschen nur sehr wenig Materielles. Geschenke waren meist selbstgemacht. Spielzeug oder Kleidung. Oma schwärmte noch immer vom flauschigen Pullover, den sie einmal bekam, der im Rückblick dann doch etwas kratzig war.

Leonie’s Mama erzählte hin und wieder von einem Bilderbuch, das sie einmal geschenkt bekam, darin waren viele Blumen, wunderschön gezeichnet und gemalt, die menschliche Züge hatten. Oder waren es doch Feen und Elfen?

Wenn Leonie älter wäre, würde sie sich sofort auf die Suche machen, um dieses Buch für ihre Mama zu finden. Sie würde sich sicher in einigen Jahren auch noch darüber freuen.

Eine ältere Freundin schwärmt Leonie immer wieder von Bilderbuch vor. Sie meint aber kein Buch mit Bildern, sondern eine Band.

Die Geschenke, die Leonie heuer verschenkt, werden wieder selbstgemacht sein. Sie arbeitet sehr gerne mit Papier und zaubert daraus die schönsten Dinge. Schnell holt sie ihr Bastelpapier, Schere, Klebstoff und Pickerl. Heute macht sie für jeden zu Beschenkenden ein Billett. Sie legt ihre ganze Freude und Liebe hinein.

Und dann ist es endlich soweit. Die Kerzen leuchten am Christbaum, er ist wie immer mit Strohsternen, Holzschmuck, Bockerln und roten Kerzen aufgeputzt. Es ist eine Pracht. Die Geschenke liegen darunter und alle freuen sich.

Na ja, eigentlich sitzen sie nicht unter dem Christbaum, sondern neben dem Christbaum. Ein lustiger Gedanke, sich vorzustellen, wie sich alle unter dem Christbaum drängen und den Geschenken den Platz streitig machen.

Traditionell wird das Gedicht „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss vorgelesen. Wie immer zaubert es ein Lächeln und Schmunzeln in die Gesichter.

Davor hatte sich wieder einmal der Tisch unter den Köstlichkeiten gebogen, für alle war etwas dabei.

Endlich in Ruhe beisammen sitzen, lachen, sich austauschen, die neuen Spiele spielen, die Geschenke genießen und das Zusammensein.

Unter dem Christbaum bleiben die Verpackungen liegen, Papier und Bänder, wie jedes Jahr werden sie eingesammelt und immer wieder verwendet, so lange es geht.

Draußen fällt der Schnee in dicken Flocken auf die Erde, und deckt alles mit einer Schneedecke zu, wunderschön.

Rundherum erstrahlen die Weihnachtsbeleuchtungen. Glücklicherweise war es im Umfeld sehr dezent beleuchtet. Schön anzusehen.

An den nächsten Tagen geht es zu den Verwandten, auch dort warten Geschenke unter dem Christbaum.

© Eva Schnepf  Lebinger 2017

 

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 Das Thema für den 1.1.2018 ist: Jahresuhr



 

Schreibkick: Stille Straße

Stille Straße

 

Schon während des Yoga-Kurses sah sie, daß es schneite. Sie freute sich darüber, es schaute so heimelig aus, besonders aus dem warmen Raum aus gesehen.

 

Das Yoga war diesmal besonders entspannend, am liebsten wäre sie gleich in der Endentspannung liegen geblieben.

 

Trotzdem rollte sie ihre Korkmatte ein, verabschiedete sich und ging hinaus.

 

Freudig hielt sie ihr Gesicht nach oben, die Schneeflocken sprühten wie ein Feuerwerk, nur in die andre Richtung.

 

Es war so angenehm, durch diese weiße Pracht  zu spazieren. So weich und locker und wunderschön fielen die kleinen Gebilde auf die Erde und  bildeten eine Decke über alles.

 

Als sie bei einer Wiese vorbeikam, konnte – und wollte – sie der Versuchung nicht widerstehen, sie legte sich auf den Rücken, und bewegte die Arme auf und ab, und machte somit ein „Engelchen“.

 

Für sie war Schnee immer eine Erinnerung an die Kindertage. Sie liebte vor allem das Eislaufen. Meistens war sie auf dem kleinen Eislaufplatz. Wenn sie dann völlig ausgefroren war, ging sie in die kleine Hütte, hier brannte im Ofen ein behagliches Holzfeuer. Sie aß ihre Mandarinen und Kekse und trank Tee dazu. Paradiesisch.

 

Wenn es ganz kalt war, und der Fluß zugefroren war, dann fuhr sie dort, das war etwas ganz Besonderes.

 

Über das glatte Eis zu gleiten mag sie noch immer sehr. Jetzt bevorzugt sie Naturgewässer, das ist besonders schön.

 

 

 

Schifahren mochte sie nie so wirklich. Anfangs im Garten, dann auf der Schiwiese und manchmal auf dem Schibergerl.

Hier wurde auch gerodelt, das gefiel ihr besser.

Ihr Favorit war und blieb das Eislaufen.

 

 

 

Das Alles war in unmittelbarer Umgebung ihres Elternhauses möglich, Alles zu Fuß erreichbar.

 

Beschwingt setzte sie ihren Heimweg fort, ja, sie machte sogar einen kleinen Umweg, weil es so schön war, im Schnee zu gehen und vor allem, sich die Schneeflocken ins Gesicht schweben zu lassen.

 

Da war schon wieder eine Erinnerung, früher bei den winterlichen Autofahrten im Waldviertel, als der Schnee wie wild auf die Autoscheibe prallte und es wirkte, als ob die Scheibe dadurch eingeschlagen würde. Je schneller man fuhr, desto schlimmer.

Im Auto fühlte sie sich dabei so geborgen, daß sie am liebsten immer weitergefahren wäre.

 

Stille Straße – eine schöne Vorstellung, so dahingehen, Stille, Ruhe, keine Autos.

 

Plötzlich befand sie sich wirklich auf einer Stillen Straße, endlos lang, ins Unendliche führend. Sie schritt dahin, sie sah nicht, wohin sie führte, führte sie überhaupt irgendwo hin?

Je länger sie sich fortbewegte, desto leichter und freier fühlte sie sich.

 

Nach einiger Zeit wurde es heller und wärmer, der Himmel war blau, Blumen blühten, Bäume spendeten Schatten, Vögel zwitscherten und jubilierten, viele Tiere gingen friedlich ihrer Wege. Es war das reinste Paradies.

 

Sie war glücklich. Endlich daheim.

 

 

~~~

 

Am nächsten Tag fanden sie sie in der Wiese im Schnee liegend, die Yoga-Matte im Arm, mit einem friedlichen Lächeln.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

     

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 Das Thema für den 24.12.2017 ist: Unter dem Weihnachtsbaum 

Das Thema für den 1.1.2018 lautet:  Jahresuhr

 

 

Schreibkick: Nebelschwaden

Nebelschwaden

Nebelschwaden zogen über das Land, hüllten alles ein, in das milchige Nichts. In das undurchschaubare Nichts. So als ob nichts da wäre, und doch wie eine Wand. Eine undurchdringbare Wand. Weich wie Watte, hart wie Stahl. Unbeschreibbar. Unerklärlich. Hineinfahren in das Nichts, kaum sichtbare Fahrbahn, ganz langsam nur fahren.

 

Lieber wäre sie daheim geblieben, im wohligen Ambiente, aber die Fahrt war unaufschiebbar.

 

Also fuhr sie, die Sicht wurde immer schlechter, erst sah sie noch einige Meter weit, dann war eine undurchdringliche Nebelwand. Ganz, ganz langsam fuhr sie dahin, tastete sich förmlich vorwärts. Plötzlich – es war wie ein Erwachen – fühlte sie sich wie in einem Wagen, gezogen von Pferden, sie nahm das Geklapper der Hufe auf dem Boden und das Schnauben der Pferde wahr.

Sie wußte, daß sie den ganzen Sommer über unterwegs waren, genauer gesagt, vom Frühling bis in den Spätherbst. Alles, was sie brauchten, führten sie mit sich. Die Menschen in den Orten, in denen sie hielten, warteten schon auf sie. Ihre Dienste als Messer- und Scherenschleifer, Pfannen- und Kesselflicker, Korbflechter und noch so einigem mehr, waren hoch angesehen. Sie konnten so gut wie alles reparieren.

Weiters führten sie ein buntes Sortiment an Waren bei sich,  da war für jeden etwas dabei. Die Fahrenden arbeiteten den ganzen Winter an ihren Kunstwerken. Handarbeiten und Schmückendes und Haushaltswaren.

Die Kunden hatten viel Freude an den erstandenen Schätzen.

Nach einem vereinbarten Zeichen kamen alle gespannt zusammen. Neugierig darauf, was sie diesmal zu sehen bekämen. Und die Vorfreude zahlte sich wahrlich aus. Von Karten- und Zaubertricks, Messerwerfen, Feuerschlucken und Spucken, und der Aufführung von Theaterstücken war alles dabei, was das Herz begehrte. Das und noch vieles mehr.

Der tosende und immer wieder aufbrausende Applaus ist das Brot und der Lohn der Künstler. Sowie das, was die Zuseher in den Hut, der die Runde ging, gaben. Die bereitgestellten Körbe wurden mit Lebensmitteln gefüllt. Jeder gab, was er erübrigen konnte. Geld und Naturalien, beides war sehr wichtig.

Danach saßen sie noch lange am Lagerfeuer und erzählten, uralte Geschichten machten die Runde.

Je nach Wetter schliefen sie im Freien, oder in den Scheunen hilfsbereiter Menschen.

Es war ein freies Leben, mal hier, mal da. Überall wurden sie schon erwartet, jedes Jahr eilte ihnen der Ruf „Die Fahrenden kommen endlich!“ voraus.

Der Nebel lichtete sich, es war, als wäre nie eine Nebelwand da gewesen.

Erleichtert fuhr sie weiter ihres Weges, sinnend, ob es ein Traum war oder vielleicht doch eine Erinnerung …

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

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Das Thema für den 1.12.2017 lautet: Stille Straßen

Das Thema für die Weihnachts Geschichte am 24.12.2017 lautet: Unter dem Weihnachtsbaum

Schreibkick: Herbstfarben

Herbstfarben

 

Die ersten Herbstfarben sah sie schon im August, genau am 31.8. Beim letzten Bad dieses Sommers, im schönen Seerosenteich. Rund um sie im Wasser wunderbare Seerosen, am Ufer gelb verfärbte Blätter an den Bäumen.

 

Manchmal sind die beeindruckenden Herbstfarben versteckt, verborgen unter Nebelschichten. Sie sind nur ahnbar. Dann wieder leuchtet das volle Spektrum, das Auge ist förmlich geblendet von der Farbpracht der herbstlichen Natur.

Sie genoß diesen Farbenrausch, dahingehend auf dem weichen Waldboden, das Moos, die Wurzeln unter ihren Fußsohlen spürend. Jeder Schritt war Fühlen, war Spüren, war Berührtsein. Ihre Seele tanzte weit ober ihr und sah sie inmitten dieser wunderbaren Landschaft, und war gleichzeitig in ihr. Alles war eins.

Sie spürte einen Blick, als sie aufsah, schaute sie direkt in die Augen eines Rehes. Eines Rehes, das ganz nahe ganz ruhig stand, und sie unverwandt anblickte. Lange standen sie so, Blick in Blick. Eine Verbindung zwischen ihnen, unsagbar, unbeschreiblich schön.

Sie wußte, dieses Gefühl würde sie immer spüren, immer, wenn sie an diesen Augenblick dachte. Noch Jahre, ja Jahrzehnte danach war es sofort da.

So viel Schönes entdeckte sie bei diesem Spaziergang. Jeder Grashalm, jedes Moosteilchen, jeder Stein, jeder Baum und Strauch sprach zu ihr.

Sprach zu ihr von seinem Sein.

Von seinem Sein und von ihrem Sein.

Alles war eins.

Es war so wohltuend.

Sie war daheim.

Geborgen in diesem Wald, in diesem uralten Wald, immer wieder neu.

Wachsen und Vergehen. Der Lauf des Lebens.

Es war so spürbar.

Die kurze Zeit dieses Erdenlebens.

Ein Baum wurde viel älter.

Er konnte so viel erzählen.

Sanft rauschte es in seinen Blättern.

Ein Wispern und Raunen.

Geschichten über die Zeit.

Bald würden rauhe Winde wehen, kalt würde es werden, der Schnee würde vom Himmel fallen und eine weiße Decke würde alles einhüllen. Zeit zum Eislaufen, zum Schneestapfen, dick eingepackt in warme Kleidung, und daheim dann aufwärmen mit heißem Tee und Zimtgebäck dazu genießen.

 

Langsam kündigte sich der Frühling an, alles erwachte zu neuem Leben, laue Luft erfüllte ihre Lungen. Zarte Farben erfüllten ihre Augen und schmeichelten ihren Sinnen.

 

Und schon kam die Hitze des Sommers mit all seinen Freuden. Die kühle Frische der Naturgewässer, in denen sie sich so wohl fühlte. Das Wasser umschmiegte ihre Glieder, ihren Körper, umfloß sie, nahm sie mit. Ihre Gedanken vereinten sich mit dem Fluß und zogen in weite Ferne, immer weiter, bis ins Meer.

 

Die bunte Blütenpracht des Sommers erfreute sie sehr. Sie konnte sich kaum sattsehen daran.

 

Und dann der Herbst mit seinem Farbenrausch.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

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Das Thema für den 1.11.2017 lautet: Nebelschwaden

 

Schreibkick: Sommerausklang

Sommerausklang

 

Sommer

Der Sommer in dem sie ein (halbes) Haus besessen hatte.

Besessen und nicht genutzt, nur gearbeitet.

Gesichtet, geborgen, sortiert und Vieles schweren Herzens dort gelassen.

Alles konnte sie nicht mitnehmen.

Sie hatte schon so viel, zu viel, mit heim genommen.

Sie wußte nicht, was der Käufer behalten würde.

Dann war es einfach. Aber zu spät. Alles wurde entsorgt. Alles erneuert.

Jetzt muß alles aussortiert werden. Alles konnte  – und wollte – sie nicht behalten.

Sommerausklang.

Los lassen.

Befreiend.

Sommerausklang.

Bald Herbstbeginn.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

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Rina

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.10.2017 lautet: Herbstfarben