Schreibkick: Sommerflirren

Sommerflirren

 

Die heiße Luft flirrt über dem Asphalt, sichtbar, spürbar, direkt greifbar.

Das ist Sommer.

 

Am besten zu genießen im endlosen Stau Richtung Süden.

 

Es geht aber auch ganz gut in den heimatlichen Straßen und Gassen.

Man kann sich in dieser sichtbaren Luft verlieren, die Gedanken gehen auf eine weite Reise. In andere Zeiten und andere Regionen.

Heißer Sand, heiße Luft, fruchtbare, wasserreiche Oasen  – nur in der Luft.

Heiße, schwere, drückende, feuchte Luft, Vegetation in allen Farbtönen – im Urwald.

Rundherum  heiße Luft und Wolken – im endlosen Weltraum.

 

Die Hitze beraubt einen seiner Sinne.

Man liegt herum wie ein Wesen, das nur dazu fähig ist. Kaum eine Bewegung ist möglich. Der Gang zu wichtigen Vorrichtungen gleicht einer  anstrengenden Bergwanderung.

Man ist so froh, sich wieder hinlegen zu können und alle Viere von sich zu strecken. Und nichts zu tun.

 

Manche Menschen eilen trotz der Hitze durch die Straßen, um sicher sehr wichtige Besorgungen zu erledigen. Das hunderste Kleidungsstück zu erstehen, oder den nächsten Ziergegenstand, obwohl die Wohnung davon schon übergeht, und man gar nicht weiß, wohin man den Blick zuerst richten soll.

 

Wie immer: Jedem das Seine.

 

Sommerflirren

Es liegt etwas in der Luft. Nicht das Weiche, Sehnsüchtige des Frühlings.  Nicht das Pralle, Reife des Herbstes. Nicht das Beschauliche, Ruhende des Winters.

 

Sondern die Fülle des Sommers, die Hitze, die Zeitlosigkeit – das Sommerflirren.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2016

 

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

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Das Thema für den 1.9.2016 lautet: „Die Hummel“