Reizwort-Geschichte: Die Gewandung

Reizwörter: Feuerprobe – Neigung – zürnen – beschäftigen – kritisch

Die Gewandung

Die Gruppe plante einen Beitrag bei einem Umzug. Ihre Wahl fiel auf mittelalterliche Gewandungen. Da gab es Narren, Burgfräulein, Ritter und andere. Klar, daß sie sich ihre Gewandung selbst nähte. Dazu brauchte sie den richtigen Stoff. In einem riesigen Textil Geschäft, daß fast an der Donau lag, hoffte sie, fündig zu werden. Es war ihr eine Freude, sich eingehend mit dem Schnitt, der Stoffart, dem Faden und einigem mehr zu beschäftigen.
Ganz wichtig für sie war, daß der Stoff aus pflanzlichen Naturmaterialien war. Da war guter Rat teuer. Es gab zwar unbeschreiblich viele Stoffballen, die sie kritisch betrachtete und betastete. Doch das Material war oft nicht angeführt.
Also fragte sie bei den Mitarbeitern nach, die auch ratlos waren. Dann wurde „Herr Raphael“ ausgerufen. Und siehe da – der wußte Bescheid. Es hatte den Anschein, daß er alles wußte, was Stoffe betraf, er war sehr kompetent. In Windeseile brachte er ihr etliche Ballen der gewünschten Farbe.
Dann erfolgte die Feuerprobe, die lassen wir lieber im Mittelalter, richtig heißt es Brennprobe: Man verbrennt einen Faden des Stoffes und an der Flamme und am Geruch erkennt man die Bestandteile. Zum Beispiel brennt Baumwolle und Viscose mit heller Flamme und mildem Geruch nach verbranntem Papier. Kunststoff riecht eher süßlich bis stechend. Den stechenden Geruch kennen sicher alle.
Vom ausgewählten Stoff wurde die benötigte Menge abgeschnitten, und froh fuhr sie damit heim.
Das Schnittmuster hatte sie sich schon vorher besorgt, da sie wußte, daß es hier keine Schnitte gab.
Ihre Neigung zum genauen Überlegen der Verarbeitung kam hier wieder voll zum Tragen. Sie überlegte, wie sie es genau machen würde, natürlich nähte sie nicht genau nach der Vorlage, sie folgte eigenen Ideen und so kam noch einige Details hinzu.
Das fertige Kleid war bodenlang, türkis, aus Stoff mit leinenartiger Struktur. Vorne hatte es eine Kordel-Schnürung, auch auf den langen Ärmeln.
Als es endlich soweit war, trug sie ihr mittelalterlich angehauchtes Gewand, voll Freude. Sie gewahrte, daß einige aus der Gruppe sie kaum merkbar anschauten, und sie hatte das Gefühl, als ob sie ihr zürnen. Sie hatten eher Kleidung aus glänzenden Faschingsstoffen, die nicht ganz so authentisch wirkten. Dafür machten sie mehr Trara damit.
Es war schön, in der Gruppe dahinzuschreiten, und die Zuseher winken und jubeln zu sehen. Immer wieder trat sie aus der Reihe und wechselte einige Worte mit Bekannten.
Danach setzten sie sich noch auf eine Erfrischung zusammen und besprachen die Veranstaltung, daß sie nächstes Mal mehr ins Publikum gehen wollten, mehr tanzen wollten im Zug, und – planten gleich die Verkleidung für’s nächste Jahr.

Sie ruhte sich kurz daheim aus, dann zog sie ihr Elfenkostüm an – wie immer war sie sehr kreativ, und hatte die Flügel aus Draht-Kleiderbügeln und bunten Strumpfhosen gemacht – und ging in ihr Lieblingslokal zum Tanzen.

Zu guter Musik mit Freunden zu tanzen begeisterte sie immer wieder und als sie davon erschöpft war, ging sie froh nach Hause und verbrachte eine geruhsame Nacht.

© Eva Schnepf 2014
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Reizwort-Geschichte: Die Träume

Kapitän – Fenster – blind – hilfsbereit – sammeln

Die Träume

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In der Post befand sich wieder einmal einer jener Briefe, die hilfsbereite Menschen ansprachen. In den nächsten Tagen würde jemand sammeln kommen. Das reihte sich ein in die Sammlungen für die kommenden Bälle und Veranstaltungen. Auch ein Hilferuf für blind geborene und gewordene Menschen erreichte sie.

Abends saß sie auf dem Sofa, und zappte durch die Sender. Plötzlich kam ein fescher, weißhaariger, freundlicher Herr ins Bild. Sein verschmitztes Lächeln war sehr anziehend.

Sie blieb hängen, und sah den Herrn in einigen Szenen mit den verschiedensten Menschen. Dann beim Essen an einer großen, luxuriös gedeckten Tafel, mit einer festlich gekleideten Runde, die scheinbar sehr erfreut war, an seinem Tisch zu speisen.
Die Tischrunde verzehrte die einzelnen Gänge und unterhielt sich angeregt.
Plötzlich ging das Licht aus, und als Höhepunkt des Abends wurde eine riesige Torte hereingetragen, auf der viele brennende Kerzen leuchteten. Jubel und Gesang brach aus. Alle lachten und freuten sich. Es war eine grandiose Stimmung, die total ansteckend war.

Sie überlegte kurz, wie es wäre, dabei zu sein, die Kerzen auszublasen – weil es ihre Geburtstagstorte wäre. Das wäre sicher eine einmalige Sensation.

Müde, wie sie war, glitt sie sanft ins Traumland: Sie saß fertig angekleidet in ihrem Zimmer, trug ihre aufregende Ballrobe, und wartete schon gespannt darauf, dem Kapitän des Kreuzfahrtschiffes vorgestellt zu werden.

Der Blick aus dem Fenster, besser gesagt, aus dem Bullauge, zeigte Himmel und Meer bis zum Horizont, wo beide aufeinandertrafen.
Es war so weit und groß, kein Ende sah, und nicht wußte, ob es überhaupt endet.

Da klopfte es schon, und der smarte Steward holte sie ab, um sie an den Tisch des Kapitäns zu geleiten.
Dieser begrüßte sie herzlich und schob zuvorkommend ihren Sessel zurecht.

Das vielgängige Dinner war ausgezeichnet, und wie gebucht, vegan und bio. Sie ernährte sich schon lange rein pflanzlich. Trotzdem war sie überrascht vom Einfallsreichtum der Köche. Es war eine Wohltat, zu genießen und zu wissen, daß alle Speisen tierleidfrei waren.

Das Dessert bestand aus einigen Gängen, süßen und fruchtigen.
Besonders bezauberte sie die riesige Früchte-Pyramide.

Dann erlosch das Licht, und eine sensationelle Torte wurde hereingebracht. Die darauf brennenden Kerzen verbreiteten einen beeindruckenden Lichtschein.

Alle erhoben sich und klatschten. Sie sonnte sich in den Glückwünschen und fühlte sich sehr wohl.
Nach einem Abend voller anregender Gespräche und heiterem Austausch sah sie auf dem Weg zu ihrer Kabine einen wundervollen Sternenhimmel, der sie begeisterte.

Zufrieden und glücklich begab sie sich ins weiche Bett und schlief schnell ein.
Sie träumte vom nächsten Landgang, sie würde überwältigende Plätze und Landschaften kennenlernen und bestaunen dürfen.

Erfrischt erwachte sie am Morgen und freute sich auf die Abenteuer, die der Tag für sie bereithielt.

© Eva Schnepf 2014
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Die wundervolle Erde

Reizwörter: Tür – Ballon – reizend – servieren – erwarten

Die wundervolle Erde

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Im Ballon fährst Du hoch über die wundervolle Erde dahin.
Du schwebst über Orte, Felder, Seen, Flüsse und Wälder und genießt die Schönheit, die sich Dir darbietet.
Jetzt kommt eine Lichtung in Sicht, die Dich magisch anzieht. Du landest, steigst aus dem Korb und Deine Füße kommen auf weichem Gras auf.
Die Grashalme berühren und kitzeln Deine Fußsohlen. Genieße das angenehme Gefühl ausgiebig.
Wenn Du einige Schritte weitergehst, stehen Deine Füße nun auf Stein. Spüre intensiv die Struktur des Steines, der die gespeicherte Wärme der Sonne an Dich weitergibt. Deine Hüften bewegen sich hin und her, Du wippst, um zu spüren, ob der Stein sich bewegt. Der Stein ist hart und fest.
Einige Schritte weiter versinken Deine Füße in weichen, sanften Moospolstern. Du federst auf und ab auf dem zarten Moos.
Du hörst ein Glucksen. Neugierig gehst Du weiter. Ein Bächlein fließt durch die Wiese. Deine Füße spüren den Sand und die Steine. Der Sand quillt zwischen Deinen Zehen durch und streichelt sie. Ergreife mit Deinen Zehen Steinchen und lege sie wieder ab. Es ist ein schönes Spiel. Das Wasser umspült Deine Füße und erfrischt sie.
Deine Ohren vernehmen ein Rauschen und Tosen, Du schaust auf: ein Wasserfall! Du stellst Dich darunter, das Wasser ergießt sich über Dich.
Danach begebe Dich hinter den Wasserfall. Hier ist ein sandiger Platz voll Entspannung und Zurückgezogenheit. Genieße das Ungestörtsein.
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Dieser Text wurde mir kürzlich vor dem Einschlafen geschenkt.
Als reizendes Angebot serviere ich hiermit diesen Text, den Du als Meditation nutzen kannst, die Dich vor dem Einschlafen oder auch zwischendurch zur Ruhe bringt. Es ist wie eine Tür zu Deiner Phantasie. Ich kann es kaum erwarten, über Deine Erfahrungen darüber zu lesen.
Laß Dich auf einem ruhigen Plätzchen nieder, in einer Dir angenehmen Lage, sitzend oder liegend, schließe die Augen und laß Dich auf die Meditation ein.
Du kannst durch Deine Gedanken überall hin reisen.
Für mich ist sie immer wieder angenehme Zeit nur für mich.

„Meditation bedeutet, bei allem, was man tut, völlig aufmerksam zu sein – beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt.“
Jiddu Krishnamurti: * 1895 – † 1986
Das Licht in dir

© Eva Schnepf 2014
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Wegen eines Todesfalles heute keine Geschichte von Regina.

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Reizwort-Geschichte: Das FAIRPHONE

Reizwörter: Stimme – Treppe – verstehen – zerbrechen – verrückt

Das FAIRPHONE

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Ihre innere Stimme beglückwünschte sie ganz herzlich und freudig zu ihrer Entscheidung. Endlich hatte sie sich dazu entschlossen, ein FAIRPHONE zu kaufen. Das ist ein Smartphone, das so fair wie möglich produziert wird. Natürlich ist es derzeit nicht möglich, ein 100 % faires Telefon zu produzieren. Bei Bedarf konnte man eine zweite SIM Karte einsetzen, zum Beispiel für privat und dienstlich, und sparte somit ein komplettes Telefon. Kleine Schritte, immer ein Schritt nach dem anderen, dann bewahren wir unsere schöne Welt ein wenig mehr.
Große Vorfreude erfüllte sie, und viel schneller als erwartet hielt sie ihr FAIRPHONE in ihren Händen. 3 glückliche und faire Wochen vergingen wie im Nu. Es war ein wundervolles und befriedigendes Gefühl, auf diese Weise der Erde und Umwelt ein wenig zu helfen, sie ein wenig zu schützen.
An diesem Tag lief sie viele Male die Treppen, in Österreich Stiegen genannt, auf und ab, es war viel Wäsche zu waschen.
Vielleicht ein bißchen verrückt, aber sie verglich es immer mit Gymnastik oder Fitneßstudio, dann machte es direkt Spaß.
Sie hätte es ja noch verstehen können, wenn das Handy bei den vielen Treppen-Läufen hinunter gefallen wäre.
Da konzentrierte sie sich auf die Stufen, darauf, sie nicht zu verfehlen, und sich womöglich etwas zu brechen.
Dieser Tag war mit viel Arbeit, viel Autofahren angefüllt, abends noch Besuch, na ja, besser nachts, oder bis in die Nacht, es war eine fröhliche Runde junger Leute, ein lustiger Abend.
Als die Besucher gegangen waren, war es schon sehr spät. Sie räumte noch ein wenig auf, die Gläser in den Geschirrspüler und so einiges.
Dann packte sie ihre Tasche, wollte ihr Handy in die Seitentasche geben, damit ihm nichts passierte, damit es gut aufgehoben war und nicht zerbrechen konnte.
Sie war so müde, daß ihr das Telefon aus der Hand rutschte und ganz langsam zu Boden fiel und den Holzboden küßte. Dieser Kuß tat wohl dem Holzboden gut, jedoch nicht dem Handy. Das Display hatte einen feinen Riß und es ging nicht mehr. Das tat sehr weh. Traurig ging sie zu Bett.
Am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder anders aus. Sie wußte, daß sie Ersatzteile bestellen konnte und das FAIRPHONE selbst reparieren konnte.
Zuerst wurde es geöffnet, und einiges versucht, ob es doch ohne Ersatzteile ginge, das funktionierte nicht. Also bestellte sie einen neuen Bildschirm und dieser wurde dann eingebaut.
Somit war wieder faires Telefonieren möglich.
Sie freute sich sehr und auch darüber, daß sie immer mehr Menschen traf, die auch ein FAIRPHONE verwendeten.

© Eva Schnepf 2014

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