Schreibkick: Kommerzieller Valentinstag

Kommerzieller Valentinstag

 

Sie war knapp über 20, hatte ihren festen Freund seit einem knappen Jahr – und fieberte dem Valentinstag, ihrem 1. Valentinstag – entgegen.

Bestimmt hatte er sich etwas ganz, ganz Besonderes ausgedacht, für SIE, seinen Liebling.

Vieles malte sie sich aus, vieles, was sie sich heimlich wünschte. Angefangen von einer süßen Überraschung, natürlich einer, die auf sie zugeschnitten war, etwas Außergewöhnliches.

Eine Rose – die wünschte sie sich schon lange von ihm.

Oder eine Schifffahrt mit vielen Herzen. Auch ein Wellnesstag in einer Therme mit einer romantischen Übernachtung kam ihr in den Sinn.

Ein Valentins-Herz-Luftballon wäre auch so ganz nach ihrem Geschmack.

So vieles fiel ihr ein, wochenlang malte sie sich dies und das aus, und freute sich schon sehr auf den Tag.

Nur – wie sollte er das wissen?

Er hatte doch ganz andere Interessen und auch einen anderen Geschmack.

Über Geschmack läßt sich ja bekanntlich streiten. Oder auch nicht.

Natürlich  gab es in seinem Universum keinen Valentinstag, trotzdem kam er nicht umhin, an jeder Ecke und überall Werbung und Hinweise dafür zu hören, zu sehen und einfach damit überfallen zu werden.

So kaufte er halt im Supermarkt eine kleine Schachtel mit Schokolade mit Valentins-Aufdruck. Damit es halt einen Namen hat.

Er wußte, wenn er ihr nichts schenkte, dann wäre sie sehr enttäuscht und noch viel mehr. Wer weiß, was dann passieren würde.

Somit dachte er, der Sache Genüge getan zu haben und er wäre aus dem Schneider.

 

Am 14.2. dieses Jahres trafen sie sich abends in ihrem Lieblingslokal. Sie war voller Vorfreude. In ihrer Tasche hatte sie ihr Geschenk für ihn: Konzertkarten für ihre Lieblingsband und ein liebevoll gestaltetes Fotoalbum.

 

Erwartungsvoll schaute sie ihn an, sie bestellten Getränke und Speisen, aßen und tranken, und dann endlich war es so weit.

Er überreichte ihr sein Geschenk. Unverpackt. Sogar das Preispickerl war noch drauf.

Sie wußte nicht, was sie denken sollte. Sie wartete, was noch folgen würde. Aber es folgte nichts. Sie konnte es nicht glauben. Tränen schossen in ihre Augen. Mühsam konnte sie sie stoppen.

Mit einem traurigen Lächeln gab sie ihm ihre Geschenke.

 

Wie ist es beim Großteil der Menschen?

Liebevolle persönliche Geschenke oder etwas schnell Gekauftes?

 

Kommerz. Sozusagen ein kommerzieller Valentinstag.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2018

      

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Monika

Rina

Veronika

 

Das Thema für den 1.4.2018 ist: Sanfte Frühlingslüftchen und Eisige Winde

4 Gedanken zu “Schreibkick: Kommerzieller Valentinstag

  1. Wenn da nicht immer diese unausgesprochenen Erwartungen wären? Dann hielte sich auch die Enttäuschung in Grenzen. *seufz*
    Ich bekomme einen großen Strauß Blumen (auch deshalb, weil wir ein paar Tage später unseren Jahrestag haben und somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden) und er von mir seine Lieblingsschokolade. Nicht viel Drama. 😄
    LG, Vroni

    • Genau, immer Erwartungen, ohne lebt sich’s viel leichter.

      Mein Papa schenkte Mama und mir immer je ein Blumenstöckerl, das war schön!

      In meiner Geschichte hab ich einiges geschrieben, was ich so im Umfeld mitbekam 😉

      Ich persönlich mag die Blumen lieber leben lassen, also mich an ihnen in der Erde erfreuen 🙂

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