Reizwort-Geschichte: Der Steinbruch

Reizwörter: Brillianz – Geschenk – freudig – melancholisch – schreiben
Der Steinbruch
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Sie saß in einem alten Steinbruch und ließ die Natur auf sich wirken. Die Natur, die langsam, aber sicher, alles überwucherte. Das Gras, die Sträucher und Büsche überwuchsen alles und machten es sich wieder zu eigen. Eingesäumt von Bäumen ließ es die nahe Straße vergessen.
Sie war eins mit der Natur, sie fühlte sich so wohl.
Es war einer ihrer Lieblingsorte. Dieser Ort war ein wahres Geschenk. Hierher kam sie immer wieder. Früher war es zum Malen, nun zum Schreiben.
Fast etwas melancholisch dachte sie an vergangene Zeiten, als das Malen sie so verzückte, wie es nun das Schreiben tat.
Die Brillianz der Herbstfarben und die Sonne erwärmten ihr Gemüt, erstrahlten sie von außen nach innen. Freudig nahm sie diese Gaben in sich auf und genoß.
Sie nahm ihren Block und ihren Lieblingsstift zur Hand, und begann die Worte, die sie erfüllten, aufzuschreiben.
Eine Geschichte, die sie seit mehreren Tagen im Kopf hatte, wollte sie auch niederschreiben.
Vor ihr türmte sich die Steinwand meterhoch auf. Sie strahlte weiß und hellbraun im Sonnenschein. Ein schmaler Erdstreifen und oben grasbewachsen, wie eine grüne Frisur, darüber der leuchtendblaue Himmel. Es war wunderschön, kaum zum Sattsehen.
Plötzlich nahm sie eine Bewegung oben wahr. Ein fröhliches Gesicht tauchte auf, und lächelte ihr keck zu. Beschwingt lächelte sie zurück. Sie winkten sich zu, und im Nu war er zu ihr heruntergerutscht.
Sie kamen ins Gespräch, erzählten sich von ihrer Liebe zur Natur, zum Leben und zur Liebe.
Am Glitzern in seinen Augen – und an anderer Stelle – konnte sie genau erkennen, daß er an dasselbe wie sie dachte.
Ob sie ihre Geschichte noch niederschrieb, das werden wir nie erfahren …

© Eva Schnepf 2014

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Reizwort-Geschichte: Der „Hans-Guck-In-Die-Luft“

Reizwörter: Leben – Muster – gefangen – perfekt – strukturieren

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Der „Hans-Guck-In-Die-Luft“

Beschwingt und ein frohes Lied auf den Lippen, fuhr sie schwungvoll zu den Fahrradständern vor dem Geschäft. Ein älterer, weißhaariger, bebrillter Herr ging schnellen Schrittes zur Tür und lief ihr fast ins Rad. Sie erschrak sehr und konne nicht klingeln, nur ein lautes „Hoppala“ verließ ihre Lippen. Der Mann war sehr entrüstet und aufgebracht. Er schrie sie fast an, daß es so nicht geht. „Klingeln, Gnädigste!“ usw. Sie erwiderte: „Ein wenig Schauen wäre auch gut!“ Daß er wie ein „Hans-Guck-In-Die-Luft“ sagte sie lieber nicht.
Sie nahm sich ein Einkaufswagerl und machte in Ruhe ihre Einkäufe. Kurz vor der Kassa stellte sie erfreut fest, daß es einen ganzen Ständer mit vielen veganen Büchern gab. Es war wundervoll zu sehen, wie viel in der letzten Zeit für eine tierleidfreie Ernährung und Lebensweise geboten wurde.
Ihre Lieblingskassierin war an der Kassa, eine schöne Unterhaltung entstand. Natürlich berichtete sie von ihrer Freude über die veganen Bücher. Ja, sagte die Kassierin, wir bekommen immer mehr zu diesem Thema.
Früher mußte in die Großstadt gefahren werden um vegane Produkte, nun gibt es eine schöne Auswahl auch hier im Städtchen.
Als sie ihre Einkäufe in die mitgebrachten Stofftaschen räumte, sprach sie ein gar nicht mehr so mißmutiger Herr an.
Zuerst dachte sie, daß es ein völlig anderer Mensch als vorhin wäre.
Es täte ihm leid, daß er vorhin so unwirsch reagierte, und ob er das irgendwie gutmachen könne.
Da es so ein wunderschöner sonniger Herbsttag war, beschlossen sie, im Cafè-Garten eine Erfrischung zu sich zu nehmen und ein wenig zu reden.
Er hatte ihr Gespräch mit der Kassierin mitgehört und sagte, er möchte auch gern tierleidfrei leben.
Jedoch seine kürzlich verstorbene Frau hätte das nie verstanden. Sie war in einem perfekt strukturierten Leben gefangen. Alles hatte nach ihrem Muster zu funktionieren und Veränderung war unmöglich.
Für ihn war es sehr schwierig, so zu leben, aber, wie man so schön sagt „mitgefangen – mitgehangen“
Sie dachte während seiner Erzählung daran, daß er sicher viel daraus gelernt hatte.
Da sagte er schon, daß er eine Rückführung zu diesem Thema gemacht hatte und sehr viel darüber nachdenkt, was er dabei erlebt hatte.
Darum war er auch so in Gedanken, und wäre ihr fast ins Rad gelaufen. Seine Frau und er waren schon in einigen früheren Leben zusammen und in diesem letzten hatten sie noch einiges zu „durchleben“.
Sie war überrascht über seine Offenheit, gerade Rückführungen sind nicht so bekannt und viele kennen zwar das Wort, wissen aber nicht, was dabei geschieht, und wagen auch nicht zu fragen.
Da sie schon viel Erfahrung damit hatte, war ein reges Gespräch im Gange, und es begann bald kühl zu werden.
Sie verabredeten sich für den nächsten Tag zu einem veganen Essen im Veggie Lokal, in dem es wundervolle vegane und vegetarische Speisen gibt.
Daß das nicht ihr letztes Treffen war, daß er bald mit großer Freude vegan lebte und sie sich näher kamen, soviel darf ich noch verraten.

© Eva Schnepf 2014

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Reizwort-Geschichte: Das Abenteuer

Reizwörter: Sturm – Tunnel – verirren – klettern – erleichtert

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Das Abenteuer

Mein Vater erzählte öfter, daß er und seine Freunde als Buben viele Abenteuer erlebten. Sehr gern hörten wir seinen Erzählungen zu, es war sehr berührend, sozusagen dabeizusein bei seinem Erlebten.
Sie wohnten etwas außerhalb des Städtchens, der Wald und die Wiesen waren ihr Paradies.
Dadurch hatten sie einen langen Schulweg, der natürlich zu Fuß zurückgelegt wurde. Schuhe gab es nur im Winter. Für uns unvorstellbar, doch damals gang und gäbe.
Die Mutter bereitete daheim den Brotteig zu, den sie dann mit der Schubkarre aus Holz zum Bäcker fuhren.
Manchmal kollerte ein Brotlaib hinunter, den sie schnell wieder aufhoben. Durch die Hitze beim Backen wurde alles abgetötet, was vom Boden drauf gelandet war. Einmal rollte ein Brotlaib sogar ins Flüßchen, schnell holten sie ihn heraus, sie hatten Glück, er war noch ganz und konnte gebacken werden.

Im Wald hatten sie eine Höhle entdeckt, in der sie Vorräte horteten und die nur ihnen gehörte. Hier verbrachten sie viel Zeit, eng nebeneinander hockend, denn es war sehr wenig Platz.
Eine gern gehörte Geschichte will ich heute niederschreiben:
Auf dem Schulweg, der parallel zur Eisenbahnstrecke verlief, gab es einige Tunnels unter der Bahn durch. Hier fanden auch Mutproben statt. Es war sehr finster drin. Wer traute sich die ganze Länge im Dunklen zu durchlaufen?
Bald kamen sie auf die glorreiche Idee, einen Ast oder ähnliches anzuzünden und damit durch den Tunnel zu rennen. Anfangs ging es ja noch, aber bald war so viel Rauch im engen Schlauch, daß sie so schnell wie möglich flitzten, um wieder an die frische Luft zu kommen.
Sie hatten es total unterschätzt und lagen danach stark hustend im Gras. Die Buben hatten Glück, keine bleibenden Schäden und eine wichtige Erfahrung gemacht.
Eines Tages forschten sie wieder im Wald, es gab so viel zu entdecken. Sie vergaßen die Zeit, es wurde schon dunkel, es wurde sehr windig und plötzlich kam Sturm auf. Er war so stark, daß sie kaum weitergehen konnten. Also drehten sie sich um und bewegten sich rückwärts weiter. Sie kamen nur sehr langsam voran, es wurde immer dunkler, und auf einmal wußten sie nicht mehr, wo sie waren. Sie hatten sich verirrt. Es war sicher schon sehr spät, es war kalt und sie waren hungrig und durstig. Müde schauten sie herum, sie kannten sich hier nicht mehr aus. Guter Rat war teuer.
Irgendwann nahmen sie sehr erleichtert in der Ferne Lichtschein wahr, und Stimmen, die ihre Namen riefen. Beglückt schrien sie zurück. Viele Steine fielen ihnen vom Herzen.
Väter und Nachbarn waren mit Fackeln aufgebrochen, um sie zu suchen. Welche Freude, als sie sie fanden! Sogleich nahmen sie ihnen das Versprechen ab, das nächste Mal umsichtiger zu handeln.
Auf dem Heimweg mußten sie klettern, sie benutzten einen Abschneider, um schneller daheim zu sein.
Müde fielen sie in ihre Betten und schliefen schnell ein. Ob sie dieses Abenteuer im Traum noch mal erlebten?

© Eva Schnepf 2014

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Reizwort-Geschichte: Die Katzen und das Mittelalter

Reizwörter: Katze – Apfel – sauer – reich – lügen

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Die Katzen und das Mittelalter

Die Lesung aus dem historischen Kriminalroman, der im Spätmittelalter spielt, war wunderbar. Gerade weil sie das Buch schon gelesen hatte, oder trotzdem, hing sie an den Lippen der Autorin. Sie war sehr gespannt, welche Stellen ausgewählt und gelesen wurden. Unter anderem geht es um die erste Bibel in deutscher Sprache, der Wenzels-Bibel. Diese kann in der Nationalbibliothek besichtigt werden. Damals glaubte niemand, daß eine solche Bibel existieren kann. Die Personen, die dies behaupteten, konnten nicht die Wahrheit sagen, sie mußten lügen.

In der Pause saß man bei frischgebrühtem Tee zusammen. Ein großer, schlanker Mann mit langen, grauen Haaren erzählte über sein Vorhaben, mit dem Fahrrad noch in einen anderen Bezirk einkaufen zu fahren, daher war er in Sportkleidung erschienen. Er fragte: „Ab wann ist man wirklich reich?“

Bevor jemand antworten konnte, beantwortete er seine Frage schon selbst sehr ausgiebig.

Ihr war sofort eingefallen, daß sie sich reich fühlte. Materielles war ihr nicht wichtig. Sie hatte alles, was sie brauchte, ja, sogar viel mehr.

Für sie war wahrer Reichtum, zu sehen, was sie alles nicht brauchte. Das tat so gut. Zufrieden zu sein.

Ringsherum sah sie, wie Menschen Besitz anhäuften. Doch glücklich schienen sie nicht zu sein. Sie wollten immer mehr.

Arme Menschen, arme reiche Menschen?

Die anschließende Führung an die Originalschauplätze des Buches war hochinteressant.

Es gibt nur noch ganz wenige Hinweise auf so manche Plätze. Sie sind gut versteckt, doch wer sie zu finden weiß, kann sie zeigen.

Früher hatte sie manchmal gesagt, sie hätte gern im Mittelalter gelebt. Na ja, jetzt wußte sie, das das nicht mehr ihr Wunsch war. Und – wer weiß, vielleicht lebte sie ja damals im Mittelalter ….

Zwischendurch regnete es ganz leicht, hoffentlich war der Regen nicht sauer.

Danach stand ein Besuch im Katzen-Café am Plan. Schon lange wollte sie es besuchen, jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen. Hier lebten 5 Katzen, die aus dem Tierschutzhaus hierherkamen. Drei von ihnen zeigten sich, zwei hatten sich zurückgezogen und waren nicht zu sehen. Eine Katze kam bald an den Tisch und ließ sich auf einem Sessel nieder.

Es herrschte eine ruhige und enspannte Atmosphäre, sehr wohltuend.

Kurz wurde die angenehme Stimmung unterbrochen, als draußen ein Hund vorbeispazierte und vor den bis zum Boden reichenden, offenen, mit Katzengitter geschützten Fenstern zu bellen begann.

Da erwachte sogar die kleine schwarze Katze mit den grünen Augen, die davor vor sich dahin döste.

Beobachten wir die Katzen oder beobachten sie uns? Manchmal hat sie den Eindruck, daß eher zweiteres der Fall ist. Katzen sehen schlafend aus, dennoch merken sie alles, was sie halt interessiert.

 

Wie ging es den Katzen wohl im Mittelalter? So gut wie heute wahrscheinlich nicht. Tatsächlich waren sie einerseits gern gesehen, als Mäusejäger, zum Schutz der Lebensmittel.

Andererseits wurden sie verfolgt, dämonisiert und grausam behandelt und getötet.

In der damaligen Zeit herrschten sehr rauhe Sitten.

Der Hundeschläger kam im Buch vor. Sie mochte sich nicht vorstellen, wie das war.

Ein wenig genoß sie noch die Ruhe, dann brach sie wieder auf.

Am naheliegenden Markt kaufte sie einen Apfel, in den sie gleich hineinbiß und den sie sich schmecken ließ. Er war fruchtig säuerlich, wie sie es mochte, aber nicht sauer.

„Beiß nicht gleich in jeden Apfel, denn er könnte sauer sein“ fiel ihr ein, und sie begann das Lied zu summen.

Dabei fielen ihr 2 Sprichwörter ein „In den sauren Apfel beißen“ und „Die Trauben, die zu hoch hängen, sind sauer„.

© Eva Schnepf 2014

 

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Reizwort-Geschichte: Der Spielplatz

Reizwörter: Geduld – Übermut – anmutig – lieben – verstehen
Der Spielplatz
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Sehr oft hörte sie „Du hast so viel Geduld mit den Kindern!“
Glücklicherweise war sie mit Geduld gesegnet. Das war sehr wichtig bei 3 lebhaften Kindern. Davor war sie mitunter nicht sehr geduldig.
Zum Beispiel die Situation beim Einkaufen. Jetzt soll es sogar schon Supermärkte geben, in denen es diese kinder- und elternfeindlichen Aufsteller mit Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten bei den Kassen nicht mehr gibt.
Früher war das immer dasselbe Spiel: Die Kinder wollten beim Warten an der Kasse natürlich etwas haben, die Mutter sagte wie immer „Nein“, die Kinder fragten immer wieder, die Menschen schauten böse oder hatten sogar Kommentare dazu parat.
Daß sie wirklich konsequent damit war, merkte sie, als eines ihrer Kinder „snsweise“ sagte, und auf Süßigkeiten deutete. Sie verstand es nicht, und fragte nach, „snsweise“ kam wieder mit einem sehr anmutigen Blick aus lieben Kinderaugen. Irgendwann kam sie darauf, es hieß „ausnahmsweise“! Klar weil sie immer „Nein“ sagte, so bat das Kind darum „ausnahmsweise“ etwas zu bekommen.
Natürlich bekamen die Kinder Süßes, es gab auch eine Süßigkeitenlade, das wurde besprochen und das Ausgesuchte wurde eingekauft.
Danach ging es auf den Spielplatz.
Voll Freude und Übermut liefen die Kinder in den Park hinein, in dem sich der Spielplatz befand. Es war ein Paradies. Ringsherum Alleen aus alten, wunderschönen Bäumen, breite, kiesbestreute Wege, die in einen großen, oft bewunderten Springbrunnen mündeten.
Das Herzstück war der beliebte Spielplatz mit großer Sandkiste, Rutsche und Turn- und Klettergeräten.
In der Sandkiste wurden tolle Bauwerke geschaffen, tief hineingegraben und hoch aufgebaut.
Wundervoll, mit Kindern zu leben, sie zu lieben und zu verstehen.
Das Verstehen dürfte für viele nicht so leicht sein, öfter hatte sie den Eindruck, daß viele Menschen vergessen hatten, daß sie einmal selbst Kinder waren.
© Eva Schnepf 2014

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