Ein Haus

Ein Haus

Schon immer da

Oft auf Besuch dort

Wenn die Eltern nicht da waren, immer willkommen, wohlversorgt mit Liebe und auch Essen und Trinken

Ostern, Weihnachten und sonstige Anlässe wurde es immer besucht

Ostereiersuchen mit Pudel Assi aus Wien bleibt in Erinnerung, auch der aufgescheuchte Igel

Immer, immer wieder auf Besuch dort

Zuletzt auch ein bißchen zur Betreuung und Begleitung

Und nun ist es leer

Und alt

Abgewohnt

Immer war es ein wohliges Zuhause

Und nun ungewohnt leer und ohne Leben

Eine leere Hülle

Wie der tote Körper

Im Gegensatz zum Körper wird es wieder mit Leben gefüllt werden

Wer wird dort wieder glücklich und traurig sein?

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

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Schreibkick: Inspiration

Inspiration

Als sie die alten Fotos durchschaute, hatte sie einige Aha-Erlebnisse. Endlich sah sie  Personen, die sie nur vom Namen auf Urkunden kannte, als Bild. Hochzeitsfotos, Familienfotos, Fotos von Aufbahrungen und Begräbnissen und noch vieles mehr.

Während sie sich dabei ihren Gedanken hingab, war sie plötzlich da, die Inspiration.

Sie wollte eine Zusammenstellung schaffen, ein Album erstellen, einen Stammbaum, eine Ahnenreihe. Mit Fotos. Bisher hatte  sie ja nur die Namen und Daten gehabt, je nachdem, mal mehr, mal weniger.

Schon lange hatte sie ein Programm für Ahnenforschung griffbereit liegen. Jedoch verwendet hatte sie es nie. Wohl wissend, daß sie dann darin eintauchen würde, und vielleicht nie wieder auftauchen würde.

Sie hatte schon von anderen viel gehört, wie sehr sie darin aufgingen und völlig davon vereinnahmt wurden.

Das Ganze war emotional sehr fordernd.

Begonnen, wenn man so sagen kann, hatte es damit, daß sie sich schon immer für die „alten“ Sachen interessierte. Besonders Fotos und Geschichten. Ihr Vater hatte auch schon einiges gesammelt und auch einen Stammbaum angelegt.

Viele Fotos und Dokumente hatte sie von ihm bekommen.

Und jetzt, nach dem Tod seiner Schwester, ihrer Tante, hatte sie Fotos erhalten, die sie noch nie gesehen hatte. Eine Offenbarung. Beglückt und überrascht, von Gefühlen überwältigt.

Ihr Vater hatte viel fotografiert und die Originale vervielfältigt. Jetzt war wieder alles bei ihr zusammengekommen. Da gab es viel zu ordnen. Wie sollte sie das am besten angehen, am effizientesten. Immer wieder tauchten in einer Lade, irgendwo dazwischengesteckt, an den unmöglichsten Orten Fotos auf. Na ja, einfach beginnen und schauen, wie es am besten geht.

Im Haus der Tante hatte auch deren Mutter, geboren 1902, gelebt. Nach deren Tod hatte sie einige Ausweise und Fotos erhalten, über die sich sehr freute.

Und jetzt diese Fülle! An Fotos, an Informationen, an Dokumenten, an Briefen.

Also noch eine Generation zurück. So schön.

­­­___

Hier war sie erschöpft von den letzten Wochen eingeschlafen.

Ja, die letzten beiden Monate hatten es in sich. Immer wieder vom Weinviertel ins Waldviertel. Die Tante im Krankenhaus, dann für die letzte Zeit Nach Hause, noch einmal ins Krankenhaus, immer schwächer, dann auf ihren Wunsch die Übersiedlung ins Pflegeheim – alles hinter sich gelassen, bis auf ein wenig Gepäck – für einen Tag und eine Nacht – aus der sie nicht mehr erwachte. Genauso, wie sie es sich gewünscht hatte.

 

Der Kuß des Todes

Im Kuß

Löst sich die Seele

Geht ein ins Alles

Ist endlich wieder Daheim

 

 

Wir sind Gast auf Erden

Gastsein ist nicht Daheimsein

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Nicole

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.3.2017 lautet: „Frühlingsblüten“