Reizwort-Geschichte: Reizwortiges Gedankenspiel

Reizwortiges Gedankenspiel

 

Im Hollerstrauch ist ein Tschilpen und Zwitschern und Gefliege wie wild.

Niemals wäre zu glauben, daß diesen Lärm und dieses Getöse so kleine Vögelchen verursachen. Wenn sie sich mit den Beeren gestärkt haben, dabei natürlich auch etliche auf die darunterliegenden luftbadenden Menschen fallen ließen, fliegen sie im Schwarm weiter zum nahen Wasser. Hier trinken und baden sie – in derselben Lautstärke wie davor. So ein Spatzenbad ist eine richtige Sehenswürdigkeit. Es ist eine Freude, die Tierchen zu beobachten, wie sie wild um sich spritzen und das Bad genießen.

Der Pandabär genießt ganz andere Freuden. Er labt sich an seinem Liebling, dem Bambus. Da es hier im Garten keinen Bambus gibt, ist wohl auch kein Pandabär hier zu finden.

Im Garten gibt es so viel zu sehen, die vielen Blumen, jede blüht in einer anderen Farbe und in Form-Variationen. Aus dieser Fülle die eine schönste Blüte zu filtrieren, das ist unmöglich. Glücklicherweise muß es nicht sein. Es tauchte nur die Frage danach auf. Mit einer Lösung zu liebäugeln ist recht und billig. Hin und her wurde überlegt, welche Farbe die schönste wäre, welche Form der Blütenblätter, in welcher Zuordnung, welche Blätter sind am schönsten, feingezackt oder glatt, rund oder länglich?

Elefantöse Gedanken kommen heran, auf dicken Säulenbeinen, dennoch zart und sicher auftretend. Der Elefant im Porzellanladen – das ist nur eine Mär.

Elefanten sind sehr feinhäutig, haben ein sehr gutes Erinnerungsvermögen – und bringen Glück.  Zumindest wenn der Rüssel nach oben zeigt, so heißt es.

Auf jeden Fall ist es eine beeindruckende Erfahrung, einem Elefanten einen Leckerbissen auf der offenen Hand darzubieten, und dieser ihn dann feinschnaubend, nach geruchlicher Überprüfung, ganz zart zu sich nimmt. Dieses gewichtige Tier – und so fein und zart.

Ein eher kurzes Gedankenspiel mit den Sommer – Reizwörtern, viel Freude beim Lesen 🙂

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2015

 

Reizwörter:  Spatzenbad – Pandabär – filtrieren – liebäugeln – elefantös

 

Reizwort-Geschichte: Die Versammlung der Tiere

Die Versammlung der Tiere

In aller Morgenfrühe war ein winziges, rosa Näschen zu sehen. Es schnupperte nach rechts und nach links, nach oben und nach unten und rundherum. Es roch voll Behagen die Luft, die nach dem nächtlichen Gewitter frisch und rein war. Tief wurde die Luft in die Lungen gesogen. Alles glänzte und strahlte. Jedes Blatt, das Moos, die Pilze, die Steine – alles.

Nach ausgiebigem Genießen mit allen Sinnen hüpfte das Mäuslein heraus und lief freudig ringsherum.

Aus dem Mauseloch unter dem riesigen, alten Baum sprangen noch etliche kleine Mäuse hervor und liefen um die Bäume. Sie spielten Fangen und Nachlaufen.

Bald kamen ihre Freunde, die Tiere des Waldes. Alle liefen durcheinander, hin und her.

Dann setzten sie sich zusammen, und erzählten sich die neuesten Geschichten. Und ihre Träume.

Die Mäuse wollten so gern fliegen, die Welt einmal von oben sehen.

Turnen wollten die Hasen, statt immer nur Haken schlagen.

Wenn sie alle zusammenhalfen, dann konnte es sicher gelingen.

Sie liefen zu den Häusern der Menschen, schon von Ferne hörten sie die Hühner gackern. Scheinbar hatten sie ein Ei gelegt und taten dies lautstark kund.

Jetzt waren die Hühner am Hof und pickten Körner vom Boden.

Als sie die Tiere des Waldes erblickten, schlossen sie sich ihnen an, und alle verschwanden im Wald.

Es war die Versammlung der Tiere. Sie wollten voneinander lernen und sich gegenseitig helfen.

Die Freude war groß, alle friedlich nebeneinander zu sehen. Sie vertrugen sich alle. Niemand machte spöttische Bemerkungen oder sprach schlecht vom anderen. So sollte es sein.

Vielleicht können sich die Menschen etwas davon abschauen.

© Eva Schnepf – Lebinger 2015

 

Reizwörter: Morgenfrühe – Mauseloch – gackern – turnen – spöttisch

Reizwort-Geschichte: Die Ausflüge

 

Die Ausflüge

 

Beim Ansehen der alten Fotoalben begann eines der Kinder zu singen „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Meine Oma, meine Oma, ist modern!“ Ja, das war damals ein Klassiker. Sowohl in der Kinderrunde, als auch im Kindergarten sangen die Kinder dieses Lied begeistert. Auch beim Spazieren und Wandern im Sonnenschein erklang es immer wieder. Sie waren viel in der Natur. Sei es im nahen Park, im Schloßpark Schönbrunn oder in einem der anderen vielen wunderschönen und weitläufigen Parks.

Vor einem geplanten Ausflug wiesen sie sich schon gegenseitig auf die kommenden Freuden hin: das Zusammenpacken der guten Sachen, das Herumtollen in Wald und Wiese, das Schnitzen eines Pfeiferls, und das darauf folgende Pfeifen darauf – was manchmal ziemlich unsanft für die Gehörgänge der Erwachsenen war.

So flink standen sie selten auf. Fast alle waren Langschläfer, genossen das weiche, warme Bett, so lange es ging.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es los.

Je nach Ziel zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Das Auto hatte natürlich viel Stauraum, da war auch Platz für die kleinen Fahrzeuge und so weiter.

Sehr beliebt waren die Stadtwanderwege rund um Wien.

Noch in der Stadt, aber auch schon am Land. Hier gab es alles. Wiesen, Wald, Spielplätze, Bäume zum Raufkraxeln, Flüsse und Seen, und vieles mehr.

Einmal waren sie in einem Naturpark unterwegs. Plötzlich waren sie umringt von einer Herde Wildschweine. Die fast monströsen,  da ungewohnten Tiere jagten ihnen im ersten Moment einen gewaltigen Schrecken ein. Menschen und Tiere verhielten sich ruhig, beäugten sich und gingen dann wieder ihrer Wege.

Abends ging es nach vielen Erlebnissen wieder in die heimelige Geborgenheit der Wohnung. So klang der Tag ruhig und schön aus.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2015

 

Reizwörter: Hühnerstall – Sonnenschein – pfeifen – flink – monströs

 

Viel Freude beim Lesen!

 

 

Reizwort-Geschichte: Der Wolkenhimmel

Der Wolkenhimmel

Langsam zog die Wolke mit vielen anderen Wolken über den Himmel. Sie verdeckten die Sonne. So wurde es etwas kühler auf der Erde, das tat gut.

Silke sah den perfekten Zeitpunkt gekommen, um einen Ausritt zu genießen. Rasch fuhr sie mit ihrem Fahrrad zum nahen Stall. Nach einer überschwänglichen und zärtlichen Begrüßung führte sie ihre braune Stute Dolly auf den Vorplatz, und bereitete sie auf den Ausritt vor. Als alles fertig war, stieg sie auf und sie verließen im Trab den Pferdehof. Im freien Gelände gingen sie zum Galopp über. Silke jauchzte vor Freude und ihr Pferd flog förmlich dahin.

Nach einiger Zeit ritten sie etwas langsamer. Oh, sie hatten einen Hasen aufgestöbert. Erschreckt hüpfte Meister Lampe davon. Schon war er nicht mehr zu sehen.

Die Wolken am Himmel verdunkelten sich immer mehr. Es wurde immer kühler und das Pferd strebte dem sicheren Stall zu. Schon begann es zu donnern und zu blitzen. Gut, daß sie schon durchs Tor ritten und trocken im Stall ankamen, bevor sich die Wolken entluden und ihre Wassermassen auf die Erde regnen ließen.

Auf dem Gut lebten viele Tiere.

Plötzlich kam ein Pfau hereinspaziert. Seine Gangart konnte man nur als Schreiten bezeichnen. Majestätisch bewegte er sich vorbei.

In der Nebenbox scharrte der weißgraue Ali. Er war riesig groß und schon sehr alt. Nach langer Reitarbeit durfte er nun sein Gnadenbrot genießen. Silke erinnerte sich an ihre Anfangszeit.

Da ritt sie manchmal auf Ali. So groß er war, so ängstlich und schreckhaft war er immer. Beim leisesten Geräusch hüpfte er zur Seite oder galoppierte  davon. So mancher Reiter verließ dadurch schnell und ungewollt Ali’s Rücken.

Nachdem Dolly versorgt war, bekam auch Ali Äpfel und Karotten, die er mit Genuß verzehrte. Die Streicheleinheiten danach taten ihm scheinbar sehr gut. Er wieherte leise und stupste Silke immer wieder auffordernd mit seinem weichen Maul. Er wollte mehr. Also streichelte sie ihn noch weiter und freute sich, daß es ihm so gut ging.

© Eva Schnepf – Lebinger 2015 

Reizwörter: Wolke – Pferd – alt – schreiten – hüpfen