Schreibkick: Asche

Asche

Die lange Fahrt auf der Autobahn war kurzweilig durch die Gespräche, die sie führten. Viele Themen interessierten sie beide und so ging der Gesprächsstoff nie aus.

So kamen sie bald zu der Autobahnabfahrt, die sie gewählt hatten.

Nach einiger Zeit erreichten sie die steilen Serpentinen, die hinaufzufahren die reine Lust war. Der Ausblick von oben öffnete ihre Herzen, so schön war das Land, das unter ihnen lag. Kaum konnten sie sich sattsehen an der Anmut und Schönheit.

Langsam setzte die Dämmerung ein und sie hatten noch einen mühsamen Weg vor sich. Oben angekommen wurden sie von reiner Luft und herrlicher Ruhe belohnt.

Ihre geliebte Hütte wartete auf sie und nahm sie auf, schenkte ihnen Geborgenheit und Heimat. Jeder Grashalm und jeder Stein rundherum war ihnen vertraut.

Sie verlebten einen wundervollen Urlaub, der ausgefüllt war vom Genuß der Gegenwart. Pläne für die Zukunft wurden geschmiedet. So wie die letzten Jahre wollten sie nicht weitermachen. Ihre Liebe in kurze Stunden – gestohlen vom jeweiligen Alltag – gezwängt, das war ihnen mittlerweile zu wenig. Wenn sie wieder daheim waren, wollten sie die geplante Änderung leben. Zwar räumlich getrennt – zusammen ziehen konnten sie ja immer noch, wenn ihnen danach war – aber frei.

So genossen sie die Bergluft, erstiegen einige der umliegenden Gipfel und blickten hinunter. Dann zogen sie sich wieder in die Intimität ihrer Hütte zurück.

Es schien, als wären sie die einzigen Menschen auf der Welt.

Tiere sahen sie einige. Wenn sie ganz ruhig waren, zeigten sich manchmal possierliche Murmeltiere.

Adler und andere Raubvögel zogen majestätisch ihre Runden hoch ober ihnen.

Viel zu schnell vergingen die Urlaubstage.

Sie packten ihre Habseligkeiten, und begaben sich zum Wagen, um die Rückfahrt anzutreten.

Als sie die Serpentinen hinunterfuhren, kam ein Motorradfahrer – der ihnen schon von oben ob seiner viel zu schnellen Fahrweise aufgefallen war – auf ihre Straßenseite und rammte sie frontal.

Ihrer beider Asche wurde, wie sie es verfügt hatten, vom Platz vor der Hütte aus in weitem Bogen verstreut. Es hatte den Anschein, als ob die beiden Aschewolken sich vermengten und spiralförmig über die Berge verteilten.

© Eva Schnepf – Lebinger 2016

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Sabrina Fessler 

Nicole Vergin 

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Veronika

Das Thema für den 01.04.16 lautet: Geborgenheit

 

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