Reizwort-Geschichte: Der Schlüssel zum Glück

Schlüssel – Kalender – schreiben – begeistert – erschöpft

Der Schlüssel zum Glück

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Sinnend sitzt sie am Fenster und bestaunt den abendlichen Himmel. Der Sonnenuntergang ist wunderschön farbprächtig. Sie nimmt ihren Kalender zur Hand und betrachtet die Termine der nächsten Zeit.

„Was ist der Schlüssel zum Glück?“ ist einer der Termine betitelt.

Ein Vortrag mit anschließendem Austausch ist angekündigt. Das interessiert sie sehr und sie hat sich sofort angemeldet. Eine ihrer Lieblings-Autorinnen ist die Referentin, sie freut sich schon sehr auf den Abend.

Ihre Gedanken beginnen zu wandern. Zurück in die Vergangenheit. Positiv war sie immer schon, sie glaubte an das Gute, und daran, daß alles gut ausgehen würde – ein gutes Ende nehmen würde.

Ihre optimistische Lebenseinstellung schenkte ihr viele sonnige Stunden. Sie konnte sich über Kleinigkeiten freuen: über die Blüte am Wegesrand, den Flug der Vögel,  die schönen Wolken und vieles mehr. Das waren intensive, kurzfristige Freuden.

Seit sie zu schreiben begonnen hatte – also schreiben konnte ja schon in der 1. Klasse, und sie schrieb auch immer, Tagebuch und sonstiges – war die Freude und das Glück ihr – fast – ständiger Begleiter.

Die Fülle an Ideen und Gedanken, die sie dann niederschrieb, begeisterten sie.

Oft war es ein Schwall an Worten, der aus ihr herausbrach und festgehalten werden wollte. Sofort.

Einer Kaskade gleich flossen die Worte, sprudelten die Sätze, sie schrieb und schrieb, bis sie erschöpft den Stift aus der Hand legte.

Erschöpft – und glücklich.

Folgende Gedanken schreibt sie noch nieder:

„Es ist pure Leidenschaft, das Papier zu befühlen, die Farben zu erblicken, mit den Augen zu liebkosen, die Pinsel zu befeuchten, sich an ihrer Form zu erfreuen, das Wasser bereitzustellen, ein Motiv vor sich zu sehen, ein Bild tage- wochen-lang in sich zu sehen, es dann endlich zu malen.

Gedanken auf’s Papier gebracht.

Malerisch, dichterisch, auf welche Art auch immer.

Worte zu Papier bringen, die sich schon seit einiger Zeit im Kopf aneinanderfügten, immer neue Einfälle und Ideen, und dann ist es so weit. Es wird niedergeschrieben.

Es ist ein Teil von einem Selbst. Ähnlich wie ein eigenes Kind.

Es ist pure Leidenschaft!“

 

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015

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Reizwort-Geschichte: Die weiße Welt

Schneemann, Traum, rasen, kichern, weinen

Die weiße Welt

Alles war weiß. Der Weg, über den sie spazierten, die Wiese, durch die sie stapften, der Hang, den sie hinaufkeuchten. Die Bäume hier oben waren weiß umhüllt, und alles Sichtbare weit und breit. Weit weg die Häuser des Städtchens, die sonst in allen Farben leuchteten, besonders mit ihren roten Dächern – alles weiß.

Selbst der Himmel war nicht blau, sondern erstreckte sich in einem Naturweiß über ihnen.

Plötzlich packte sie die Lust. Sie ließen sich in den Schnee fallen, bewegten Arme und Beine auf und ab, und hin und her – und „Schnee-Engel“ entstanden.

Ein Stück weiter begannen sie, kleine Schneebälle zu formen. Diese ließen sie dann den Hang hinunterkollern und rollen, bis sie ganz groß waren. Besser gesagt: groß genug. Allzu groß brauchten sie nicht zu sein, sie mußten ja zu heben sein. Flugs einige dieser Schneekugeln aufeinander gesetzt – idealerweise in der Größe verlaufend – und fertig waren die Schneemenschen. Schneefrauen,

Schneekinder und Schneemänner gab es. Eine von ihnen hatte vorgesorgt: Karotten für die Nasen, Äste für die Arme, Hüte und andere Accessoires zauberte sie aus ihrer großen Umhängetasche.  Ein Schneemann schaute besonders beeindruckend, ja direkt vornehm aus: ein Zylinder schmückte sein Haupt, und ein feiner Schal war um seinen Hals drapiert.

Es war ein Traum, so schön waren sie anzusehen!

Die Erbauer dieser Schneemenschen-Menge hatten große Freude: sie begannen beim Anblick dieser weißen Pracht zu kichern und zu lachen.

Sie tanzten rund um ihre Schöpfung, die sogar Namensschilder erhalten hatten. Nur die kleine Leonie begann zu weinen. Sie wollte sich nicht von dem von ihr geschaffenen Schneehasi trennen. Mitnehmen konnte sie es auch nicht. Guter Rat war teuer. Erst als die Eltern ihr versprachen, daß sie zuhause im Garten noch eines bauen würden, trockneten die Tränen. Der heiße Tee war getrunken, und die Kekse waren genossen.

Zuletzt noch ein Gruppenbild mit Allen, zur Erinnerung.

In den nächsten Tagen wollten sie noch einmal zu Besuch kommen, es sollte kalt bleiben.

Es begann zu dämmern, sie mußten sich beeilen, noch vor der Dunkelheit an den Stadtrand mit seinen Lampen zu kommen. Das hieß laufen, ja rasen, ungestüm dahin.

Sie wollten den Tag noch mit einem Spieleabend ausklingen lassen. Gemütlich im warmen Haus. Darauf freuten sich Alle. Das war immer sehr spannend und lustig.

Frohgemut erreichten sie die ersten Häuser, und bald betraten sie das Haus, in  dem sie den Abend verbringen wollten.

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015

 

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Reizwort-Geschichte: Das Konzert

Konzert – Geruch – verlassen – denken – dunkelrot

Das Konzert

Sie freute sich schon sehr auf das Konzert des Chores, , der schon 30 Jahre gemeinsam sang.

Als Entree wurde eine Diashow dieser Jahre gezeigt – von den Anfängen des Chores bis jetzt.

Es war sehr interessant, wie sich die Menschen in dieser Zeit verändert hatten. So mancher Lacher war zu hören.

Und wer aller dabei gewesen war. Natürlich war ein Kommen und Gehen gewesen, wie in allen Gruppen.

Dann begann die Darbietung. Die Mitglieder des Chores betraten die Bühne, wohlig warm leuchteten die dunkelroten Schals, die die Menschen trugen.

Himmlische Klänge drangen an ihr Ohr. Die Musik riß sie mit, erinnerte sie an früher.

Als dann der Gesang einsetzte, hätte sie mitsingen können, sie wußte jedes Wort. Ja, das war ihre Musik! Nicht umsonst sagt man, daß man sich das Meiste aus der Adoleszenz, also zwischen 15 und 25 Jahren – merkt.

Das konnte sie nur bestätigen.

Diese Musik hören – und an IHN denken – das war eins. Diese gemeinsamen, musikalischen Jahre waren eine wunderschöne Erinnerung. Ein bestimmter Geruch erfüllte dabei ihre Nase, es war ihr Geruch, eine unbeschreibliche Mischung.

Als sie merkten, daß ihre Zeit vorbei war, hatten sie einander verlassen.

Die Gespräche in der Pause waren sehr interessant und fröhlich. Und – sie brachten sie wieder in die Gegenwart zurück.

Da der Saal bis auf den letzten Platz – und darüber hinaus – voll war, kannte sie viele. Und mit jedem hatte sie andere Gemeinsamkeiten, das machte die Gespräche vielfältig.

Es war schön, sich so zu unterhalten.

Der Gong ertönte, das Zeichen für den zweiten Teil nach der Pause. Die Vorfreude darauf war groß. Aus dem Programm wußte sie, daß jetzt einige ihrer Favoriten kamen.

Die Moderatorin, die die einzelnen Stücke ansagte, wußte zu jedem eine Anekdote zu berichten. Das war meist sehr lustig – manche machten auch nachdenklich.

Ein wahrer Gedankenflug ergoß sich über sie. Ein reicher Strauß an Ideen flog ihr zu. Erfüllt war sie dankbar für ihre Gaben. Sie gaben ihr Kraft und Vertrauen.

Glücklicherweise hatte sie ihren Block und ihren Lieblingsstift bei der Hand und schrieb eifrig alles nieder.

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Bei einem Lied fiel ihr der Satz „mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen“ ein. Für sie traf wohl eher „mit beiden Beinen fest in den Wolken stehen“ zu.

Nach einigen Zugaben kamen noch alle anwesenden früheren Mitglieder auf die Bühne, sowie die Kinder der Teilnehmenden.

Alle gemeinsam – auch das Publikum war dazu eingeladen – sangen das endgültige Schlußlied „Oh Happy Day“ laut und mit Begeisterung.

Der Raum bebte förmlich. Strahlende Augen ringsherum.

Glücklich gingen alle von dannen.

© Eva Schnepf  – Lebinger 2015

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Reizwort-Geschichte: Die Überraschung

Eisregen – Geburtstagstorte – klingeln – putzen – tanzen

Die Überraschung

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Anfang Jänner.

Der zu Weihnachten ersehnte Schnee stellte sich erst einige Tage später ein. Was zwar ganz winterlich und schön war, aber zu den Feiertagen wäre es noch schöner gewesen.

Jetzt jedoch schneite es nicht, nein, eiskalte Schauer prasselten vom Himmel und verletzten bei Berührung. Der Eisregen vertrieb alle von der Straße, aus dem Freien hinein in die Häuser. Wer nicht nach Hause wollte, ging in Lokale: Cafés, Restaurants und Gasthäuser oder in andere Stätten: Museen und Theater und andere.

Sophie jedoch wußte nichts vom Wetter. Sie war bis über beide Ohren eingedeckt mit Arbeit. Gebacken hatte sie schon am Vortag. Heute war die Endfertigung an der Reihe. Zuerst die Füllung, locker und fruchtig. Dann die Glasur, und darauf die florale Verzierung.
Sie steckte ihre ganze Liebe und Kunstfertigkeit in dieses Werk.

Am schönsten war doch immer die Freude des Beschenkten, die sich in den eigenen Augen widerspiegelte.

Zum putzen war sie nicht mehr gekommen. Sie wußte, daß das ihrem Besuch nichts ausmachte. Ihre Persönlichkeit war wichtig, ihr lebensfrohes Wesen, sie wurde nicht mit dem Zustand ihrer Wohnung identifiziert.

Am klingeln erkannte sie sofort ihren Gast, stürmisch wie eh und je.

Sophie eilte zur Tür, öffnete diese schnell und schon fielen sich die beiden Freundinnen in die Arme. Die Frauen hielten sich, als wollten sie einander nie wieder loslassen.

Schon lange hatten sie sich nicht mehr persönlich gesehen. Durch die modernen Medien war der Kontakt jedoch nie abgerissen. Glücklicherweise konnten sie sich dadurch jederzeit und so lang wie gewünscht hören oder sogar sehen.
Trotzdem hatten sie sich viel zu erzählen. Es ist doch etwas ganz anderes, sich gegenüber zu sitzen und sich in die Augen zu schauen. Genau zu sehen und zu spüren, wie der andere reagiert.

Bald bat Sophie Andrea mit in die Küche zu kommen. Da stand ihr Werk. Andrea schrie laut auf vor Freude! „Du hast wirklich dran gedacht! Du hast nicht vergessen, daß ich heute Geburtstag habe! Danke, danke, danke!“
Als Sophie Andrea’s überschwängliche Freude sah – und hörte, war sie sehr berührt.

Die Geburtstagstorte war eine Pracht. In ihrer schlichten Schönheit stand sie vor ihnen, geziert mit einer Blume.
Jede genoß ein großes Stück und sie strahlten um die Wette.
Andrea konnte es kaum glauben, als Sophie ihr sagte, daß diese Torte vegan war, also ohne tierische Produkte hergestellt war.
Die „Vegane Blume“ die die Torte verzierte, war ein Hinweis darauf.

„Schau, Andrea, auch meine Geldbörse ist damit geschmückt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie in die Hand nehme. Mein Geldtascherl ist aus Hanf. Ah, es ist ein so gutes, wohltuendes Gefühl, tierleidfrei zu leben.“
Danach machten sie Musik, und wie in alten Zeiten tanzten sie wild und fröhlich dazu.
Das Wiedersehen war herrlich, und sie verabredeten sich für bald.

© Eva Schnepf – Lebinger 2015

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