Schreibkick: Stille Straße

Stille Straße

 

Schon während des Yoga-Kurses sah sie, daß es schneite. Sie freute sich darüber, es schaute so heimelig aus, besonders aus dem warmen Raum aus gesehen.

 

Das Yoga war diesmal besonders entspannend, am liebsten wäre sie gleich in der Endentspannung liegen geblieben.

 

Trotzdem rollte sie ihre Korkmatte ein, verabschiedete sich und ging hinaus.

 

Freudig hielt sie ihr Gesicht nach oben, die Schneeflocken sprühten wie ein Feuerwerk, nur in die andre Richtung.

 

Es war so angenehm, durch diese weiße Pracht  zu spazieren. So weich und locker und wunderschön fielen die kleinen Gebilde auf die Erde und  bildeten eine Decke über alles.

 

Als sie bei einer Wiese vorbeikam, konnte – und wollte – sie der Versuchung nicht widerstehen, sie legte sich auf den Rücken, und bewegte die Arme auf und ab, und machte somit ein „Engelchen“.

 

Für sie war Schnee immer eine Erinnerung an die Kindertage. Sie liebte vor allem das Eislaufen. Meistens war sie auf dem kleinen Eislaufplatz. Wenn sie dann völlig ausgefroren war, ging sie in die kleine Hütte, hier brannte im Ofen ein behagliches Holzfeuer. Sie aß ihre Mandarinen und Kekse und trank Tee dazu. Paradiesisch.

 

Wenn es ganz kalt war, und der Fluß zugefroren war, dann fuhr sie dort, das war etwas ganz Besonderes.

 

Über das glatte Eis zu gleiten mag sie noch immer sehr. Jetzt bevorzugt sie Naturgewässer, das ist besonders schön.

 

 

 

Schifahren mochte sie nie so wirklich. Anfangs im Garten, dann auf der Schiwiese und manchmal auf dem Schibergerl.

Hier wurde auch gerodelt, das gefiel ihr besser.

Ihr Favorit war und blieb das Eislaufen.

 

 

 

Das Alles war in unmittelbarer Umgebung ihres Elternhauses möglich, Alles zu Fuß erreichbar.

 

Beschwingt setzte sie ihren Heimweg fort, ja, sie machte sogar einen kleinen Umweg, weil es so schön war, im Schnee zu gehen und vor allem, sich die Schneeflocken ins Gesicht schweben zu lassen.

 

Da war schon wieder eine Erinnerung, früher bei den winterlichen Autofahrten im Waldviertel, als der Schnee wie wild auf die Autoscheibe prallte und es wirkte, als ob die Scheibe dadurch eingeschlagen würde. Je schneller man fuhr, desto schlimmer.

Im Auto fühlte sie sich dabei so geborgen, daß sie am liebsten immer weitergefahren wäre.

 

Stille Straße – eine schöne Vorstellung, so dahingehen, Stille, Ruhe, keine Autos.

 

Plötzlich befand sie sich wirklich auf einer Stillen Straße, endlos lang, ins Unendliche führend. Sie schritt dahin, sie sah nicht, wohin sie führte, führte sie überhaupt irgendwo hin?

Je länger sie sich fortbewegte, desto leichter und freier fühlte sie sich.

 

Nach einiger Zeit wurde es heller und wärmer, der Himmel war blau, Blumen blühten, Bäume spendeten Schatten, Vögel zwitscherten und jubilierten, viele Tiere gingen friedlich ihrer Wege. Es war das reinste Paradies.

 

Sie war glücklich. Endlich daheim.

 

 

~~~

 

Am nächsten Tag fanden sie sie in der Wiese im Schnee liegend, die Yoga-Matte im Arm, mit einem friedlichen Lächeln.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

     

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Alicja

Corly

Nicole

Rina

Veronika

 Das Thema für den 24.12.2017 ist: Unter dem Weihnachtsbaum 

Das Thema für den 1.1.2018 lautet:  Jahresuhr

 

 

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16 Gedanken zu “Schreibkick: Stille Straße

  1. „Da war schon wieder eine Erinnerung, früher bei den winterlichen Autofahrten im Waldviertel, als der Schnee wie wild auf die Autoscheibe prallte und es wirkte, als ob die Scheibe dadurch eingeschlagen würde. Je schneller man fuhr, desto schlimmer.
    Im Auto fühlte sie sich dabei so geborgen, daß sie am liebsten immer weitergefahren wäre.“

    Als ob es meine Erinnerung wäre …
    Wunderschön!
    Danke!

    Alles Liebe dir
    Monika

  2. Huhu,

    ich bin auch endlich mal dazu gekommen deine Geschichte zu lesen. Eine sehr schöne Idee. Die gefällt mir. So eine Straße ist bestimmt schön.

    LG Corly

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