Schreibkick: Hitze

Hitze

Viel Zeit war vergangen, gefüllt mit Gesprächen, gemeinsam gespielten Spielen, Spaziergängen, Radausflügen und gemeinsam genossenen Kakaos.

Noch immer waren sie nur gute Freunde, sehr gute Freunde, platonische Freunde.

Als dann die Schule wieder begann, sahen sie sich jeden Tag zwangsläufig beim Bringen und Holen der Kinder. Im Herbst, die Blätter fielen von den Bäumen, es wurde kälter, merkte sie nach einiger Zeit, daß sie sich unverhältnismäßig freute, wenn sie ihn sah. Ein Ahnen stieg in ihr auf, das konnte doch nicht sein. Man verliebt sich doch nicht in seinen besten Freund. Und doch war es so. Sie wollte es gar nicht zulassen, es war doch gut so, wie es war.

 

Wenn sie nur an ihn dachte, stieg die Hitze in ihr hoch.

Die Hitze stieg in ihr auf – doch wie sollte sie diese abkühlen?

Und da fiel ihr plötzlich ein, daß er sie ja schon im vorigen Jahr oben ohne im Bad gesehen hatte.  Und sie ihn in seiner uralten roten Badehose.

Sie begannen, darüber Späße zu machen, trotzdem war ständig ein gewisser Ernst dabei.

 

 

Andrerseits, als er ihr in den Mantel half, legte er ganz kurz seine Hände auf ihre Schultern, dieses Wohlgefühl spürt sie heute noch.

Diese kurze Geste war ein Versprechen, ein unausgesprochenes Versprechen.

 

So erzählten sie sich Geschichten aus früheren Zeiten.

Sie berichtete zum Beispiel aus ihrer Jugendzeit.

Im Freibad war es den Buben eine Freude und eine Mutprobe, die Bikini-Oberteile der Mädchen zu öffnen und sie damit in Verlegenheit zu bringen. Sie ließ sich das nicht gefallen, als es ihr zu bunt wurde, riß sie ihr Oberteil herunter, präsentierte die freien Brüste und rief: „So jetzt könnt ihr sie sehen! Ist euch jetzt leichter?“ Die Verlegenheit bei den Buben war sehr groß.

Schon immer wollte sie möglichst viel Luft an ihre Haut lassen. Daher war Oben ohne ein wichtiges Thema für sie.

Auch Rainhard Fendrich thematisierte es in seinem Lied „Oben ohne“.

 

Mit den Kindern war es auch ideal: Oben ohne, das Kind bequem im Tragetuch, Durst und Hunger sehr praktisch zu stillen, griffbereit, wohltemperiert, genau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt, immer genug da, wohlgeformte und angenehme Verpackung.

 

Zurück zur Hitze. Im Sommer hatten sie die Hitze und die Freuden der heißen Jahreszeit genossen.

Nun im Herbst und Winter warteten andere heiße Freuden auf sie.

Langsam, sehr langsam näherten sie sich an. Beim Eislaufen schmolz fast das Eis durch ihre Blicke.

Und so wurde es trotz der steigenden Kälte immer heißer. Und es blieb für lange Zeit so.

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

 

Weitere Schreiberinnen:

Corly

Rina

Veronika

 

Das Thema für den 1.7.2017 lautet: Abkühlung

Advertisements

6 Gedanken zu “Schreibkick: Hitze

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s