Schreibkick: Platzregen

Platzregen

Es war ein warmer Tag. Sie trug ein leichtes, buntes Kleid.

Ihre Freundin mit Kindern war da, gemeinsam kochten sie. Da erhielt sie die Nachricht, daß ihre lang ersehnte Bestellung eingelangt war. Sofort schwang sie sich aufs Rad und fuhr los, um sie abzuholen. Sie freute sich sehr, sie endlich in ihren Händen zu halten.

Schnell machte sie sich wieder auf den Heimweg. Plötzlich bedeckte sich der Himmel, ein Platzregen ergoß sich über die Stadt. Und natürlich über sie, ungeschützt auf dem Rad. Von einer Sekunde auf die andere war sie bis auf die Haut durchnäßt, trug keinen trockenen Faden mehr am Leib. Lachend und singend fuhr sie heimwärts, an die warme Dusche denkend.

Daheim stürmte sie in die Küche, eine nasse Spur hinterlassend – und prallte auf ihn. Er, der in ihrer Küche stand, als ob er schon immer hierher gehörte. Er war der Vater eines Schulkollegen eines ihrer Kinder. So nebenbei – und ehrlich gemeint – hatte sie mal gesagt, sie könnten jederzeit vorbeikommen. Ja, und da waren sie nun.

Und sie war völlig durchnäßt, das Kleid klebte an ihr und gab alles preis. Eigentlich hätte es ihr peinlich sein sollen, war es aber nicht. Im Gegenteil. Die Situation hatte einen pikanten Hauch.

Nach der Begrüßung sauste sie ins Bad, und kam dann aufgewärmt und fest eingepackt wieder zurück. Sie unterhielten sich bestens, und nach der Vereinbarung, sobald das Freibad offen wäre, sich dort zu treffen, fuhren Vater und Kind wieder.

Oh, wenn sie damals geahnt hätte, was eineinhalb Jahre später passieren und 7 Jahre dauern würde.

So redete sie noch mit ihrer Freundin, die ganz begeistert von dem netten, weißhaarigen Vater war, der oft gefragt wurde, ob er der Großvater des Kindes war.

Die Freundin bemerkte, daß sich die Beiden gut verstanden und sicher bald per Du sein würden.

Bald war das einfache Essen fertig, sie genossen es mit ihren Kindern.

Kurz sprachen sie noch über den überraschenden Besuch und gingen wieder ihrer Wege.

Am nächsten Morgen sah sie ihn vor der Schule und sie lachten gemeinsam über den gestrigen Besuch. Er lud sie und ihr Kind ein, bald einen Gegenbesuch zu machen.

Davon vielleicht das nächste Mal.

 

Wozu so ein Platzregen gut ist.

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Nicole

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.5.2017 lautet: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

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9 Gedanken zu “Schreibkick: Platzregen

  1. Liebe Eva,
    das ist eine sehr schöne Geschichte. Und manchmal ist auch ein Regen gut und kann
    Verbindungen knüpfen.
    Hab einen sonnigen Samstag
    Irmi

  2. Liebe Eva,

    den pikanten Hauch konnte ich direkt fühlen… wieder einmal so lebendig geschrieben! Nun bin ich jetzt schon neugierig auf Deine Freibad Geschichte! 😀

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Danke, Nicole, das freut mich sehr, daß Du den pikanten Hauch fühlen konntest. Und daß es kein Hammer war, sondern der gewünschte Hauch … Mal sehen, ob die Gratwanderung gelingt 😉

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