Schreibkick: Frühlingsblüten

Frühlingsblüten

Gerade noch Schnee und Eis.

Im Fluß schwimmen noch Eisschollen, die ganze Wiese ist mit Eisschollen übersät. Schon am nächsten Tag ist vieles weggetaut, aber einiges ist noch da.

Die Kraft der Natur.

Und da glaubt der Mensch, er könne irgendwo eine kleine Mauer bauen, und damit die Natur aufhalten.

Die ersten Frühlingsboten sind da. Schneeglöckchen. Und zwar die echten. Zarten, Eleganten, Weißen. Mit dem gefälligeren Blattgrün.

⁠⁠⁠⁠schneeglockchen

Nicht die Frühlingsknotenblumen. Das sind die etwas Kräftigeren, mit dem runderen Blütenköpfchen, Cremeweißen, mit den grünen Punkten.

Bald ist der ganze Auwald wieder weiß. Ein Glöckchen neben dem anderen. Wunderschön anzusehen. Ein kleines Handsträußchen darf man sich mitnehmen.

Da und dort sind verschiedenste Frühlingsblüten zu sehen. Schön bunt. Es wird ganz warm ums Herz.

Ein schöner Gedanke, daß sie sich den Winter über vorbereitet haben, um uns jetzt und in der nächsten Zeit mit ihrer Blütenpracht zu erfreuen. Alles geschah unter der Erde, unter der schützenden Schneedecke. Ein Wunder.


Der Hunger hatte sie in das Lokal getrieben.Als er gestillt war, nahm sie sich die Zeit, um in Ruhe ihre Gedanken niederzuschreiben.

Das war ein bißchen schwierig, da das Personal gerade um ihren Tisch kreiste, und sich dabei lautstark unterhielt. Katzentisch ähnlich halt.

Was solls. Für die kurze Zeit war das halbwegs auszuhalten. Sie freute sich schon auf ihr Zuhause, wenn sie mit dem Schreiben fertig war.

Etwas anderes lenkte sie viel mehr ab, irritierte sie. Immer wieder streiften sie die Blicke eines interessanten, charismatischen Mannes. Und diese Blicke bargen ein Versprechen, das es ihr angenehm kühl den Rücken runterrinnen ließ. Beim nächsten Blick wurde ihr kalt und heiß zugleich.

Bevor sie es realisierte, stand er auf und kam auf sie zu. Sie konnte nicht anders, sie mußte ihn anlächeln. Dieses Lächeln schien ihn anzuspornen. Nach einer kurzen rhetorischen Frage saß er neben ihr. Sie fühlte ihn durch und durch. Noch selten hatte jemand so schnell einen so starken Eindruck auf sie gemacht. Ihr Lächeln blieb.

Er flüsterte: „Dieses Frühlingslächeln läßt mein Herz vor Freude schneller schlagen.“ Fast errötete sie. Das stand ihr sicher gut.

Nach einem kurzen Gespräch vereinbarten sie, die laue Abendluft zu genießen. Glücklicherweise befand sich in unmittelbarer Nähe ein weitläufiges Wäldchen. Sie spazierten dahin, und hatten sich im Nu ihr halbes Leben erzählt. Dabei kamen sie sich immer näher. Sie waren sich so vertraut, als ob sie sich schon ewig kennen würden.

Sie genossen die wohltuende, erregende Nähe des anderen. Sie öffnete sich wie eine Frühlingsblüte und nahm ihn auf.

Glückseligkeit und satte Zufriedenheit.

Die kühler werdende Luft ließ sie den Heimweg antreten.

Zu ihm? oder zu ihr?

Das werden wir wohl nie erfahren …

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Nicole

Sabi

Veronika

 

 

Das Thema für den 1.4.2017 lautet:  „Platzregen“

© Eva Schnepf – Lebinger 2017

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7 Gedanken zu “Schreibkick: Frühlingsblüten

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