Schreibkick: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

 

Als ich diese Wörter das 1. Mal las, also als ich „Lila Locken“ las, das war nämlich ganz am Anfang, da dachte ich mir „he, da kann ich viel draus machen“. Jetzt grad fällt mir ein, ich hatte als Kind eine Puppe mit lila Locken, die Lilly. Lila war nämlich meine Lieblingsfarbe. Die andere Puppe hatte ein lila Kleidchen an und schaute sehr interessiert in die Gegend.

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Damals waren die Puppen aus hartem, zerbrechlichem Material, man mußte immer sehr aufpassen. Ja, darum gibt es Lilly und die andere Puppe wahrscheinlich auch nicht mehr.

Dafür habe ich noch die Gehpuppe. Sie hatte nie einen Namen, da sie noch zerbrechlicher war. Daher saß sie immer brav auf einem Polster im Elternschlafzimmer. MEINE Puppe, wie gibt’s denn das! Ich hatte sie von einem Onkel bekommen, der hatte sie aus Italien. Er war bei der Bahnpost, fuhr immer nach Innsbruck. Gibt es das heute noch? Ich glaube, nicht mehr. Ah ja, die namenlose Gehpuppe. Jahrzehntelang saß sie auf ihrem Polster. Nun ist sie bei mir eingezogen. Sie erhielt keinen Ehrenplatz. Leider ist unser Verhältnis nicht sehr eng. Wir hatten nie die Chance, uns näherzukommen. Also habe ich sie aufgehoben. Ja, apropos, Gehpuppe. Kennst Du die noch?

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Sie hatte eine ganz eigene Mechanik, durch die das „Gehen“ möglich war. Wenn ich sie, ausnahmsweise mal, gehen lassen durfte, dann hielt ich sie unter den Armen und bewegte und drehte den Oberkörper auf gewisse Weise. Das ließ sie gehen, sie setzte dann – mit meiner Hilfe – ein Bein vor das andere.

 

Die nächsten Wörter, die bald dazukamen, sind „karierte Socken“. Na, damit kann ich ja gar nix anfangen. Socken sind so was Halbes, fast Unnötiges. Entweder barfuß oder Stutzen oder eine Strumpfhose. Aber so was Kurzes, nein. Und kariert noch dazu. Nein, geschmacklos direkt. Also ich würde die nicht tragen.

Ok, vielleicht wären sie ja eventuell als Deko-Element möglich. So als Advent-Dekoration. Als Hinweis auf den Brauch, die Socken an den Kamin zu hängen, damit Santa Claus sie nach seiner Reise mit dem Rentierschlitten und den Fall durch den Kamin befüllt. Auch hier schon wieder, Socken sind eine halbe Sache, da sind doch Stutzen viel besser, da geht ja viel mehr rein. Wenn er schon die lange Reise auf sich nimmt, der alte Mann mit den weißen Locken – oder sind es doch lila Locken? – dann doch nicht für eine Kleinigkeit.

Hier in Österreich ist es effektiver geregelt, da gibt es den Brauch, die Stiefel vor die Tür zu stellen, die der Nikolaus befüllt.

Wir bekamen ja immer ein Nikolo-Haus von ihm. Am 6. Dezember, als es endlich dunkel war, läutete es an der Tür. Entweder brachte der Nikolaus das Nikolo-Haus zu uns in die Küche, sprach einige Worte, wir sagten ein Gedicht auf und sangen ein Lied, dann ging er wieder. Oder das Nikolo-Haus war plötzlich auf dem Tischchen im Vorzimmer und wir durften es hineintragen. Ganz vorsichtig, denn es war voll beladen mit Äpfeln, Mandarinen, Feigen und Datteln, Nüssen und Süßigkeiten. Keinesfalls durften ein Schokoladen-Nikolaus und Krampus fehlen. Der „Dachstuhl“ war reich behängt mit Christbaumanhängern aus Lebkuchen und Schokolade.

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Ach ja, das Nikolo-Haus – einmal ging ich auf die Toilette und sah dann, wer das Nikolo-Haus auf das Vorzimmer-Tischchen stellte. Es war nicht der Nikolaus, auch nicht der Krampus …

So wußte ich jetzt, daß es – wie schon länger vermutet – die Eltern waren. Damit war auch die Geschichte mit dem Christkind Geschichte, ich konnte es einfach nicht mehr glauben.

Das Nikolo-Haus befindet sich jetzt bei mir, und ich schmücke es jedes Jahr für meine – erwachsenen – Kinder.

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Das ist bei uns so wie mit dem Adventkalender: „Egal wie alt ich bin, ich will einen Adventkalender!“

 

Einerseits waren es schöne Zeiten, die mystische Stimmung, Nikolaus, Krampus und Christkind.

Andererseits hatte zum Beispiel die kleine Nachbarstochter lange danach Angst, da der Krampus mit seiner Kette ans Fenster geschlagen hatte und sie damit sehr erschreckte.

Als wir älter waren, gingen wir extra in die Stadt, „Kramperl schauen“. Etliche Burschen hatten sich mit Fellen und Masken als Krampus verkleidet, klirrten und rasselten gar furchterregend mit Ketten und hauten mit ihren Ruten wild um sich. Aua, das schmerzte ganz schön, wenn sie die Waden erwischten.

Dann gab es noch den schönen Brauch, anonyme Krampuskarten mit lustigen Motiven bedruckt, zu verschicken und zu erhalten. Als Absender stand meist: „Wenn Du weißt, wer ich bin, ist ein Kuß Dein Gewinn“. Eigentlich sollte ja der oder die Liebste einen bedenken, oder bedacht werden. Manchmal bekam man sogar eine Karte von jemandem, der einem nicht so wohlgesonnen war.

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So, jetzt fehlen noch die „schneeweißen Flocken“.

Früher, also in meiner Kindheit, war das überhaupt kein Problem. Da fielen die schneeweißen Flocken überreichlich vom Himmel. Aber heutzutage?

Wir können sie uns ja aus Watte basteln, auf einen Faden aufgefädelt, und ins Fenster hängen. Oder auf den Adventkranz oder auf einen Türkranz als Zierde geben.

 

 

© Eva Schnepf – Lebinger 2016

 

Mein Beitrag zum Schreibkick – Projekt von Sabrina Fessler.

Weitere Schreiberinnen:

Conny

Sabrina

Veronika

 

Das Thema für den 1.1.2017 lautet:  Vorsatz

Dazwischen gibts die Weihnachts-Überraschung, die möglicherweise etwas mit Bäumen zu tun hat 😉

 

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8 Gedanken zu “Schreibkick: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

  1. Hallo liebe Eva,

    vielen Dank für die geteilten Erinnerungen und die tollen Bilder. Es hat richtig Spaß gemacht, zu lesen, wie ihr früher die Vorweihnachtszeit erlebt habt und wie manche Bräuche bis heute überlebt haben ❤

    Liebe Grüße,
    Sabi

  2. Liebe Eva,

    das sind so schöne Erinnerungen. Vielen Dank fürs Teilen!
    Ein Nikolaus-Haus gab es bei uns nie, das war bei uns nicht üblich. Aber bei uns waren die Geschenke in einen Jutesack verpackt mit der obligatorischen Haselnussrute und dem roten Mascherl.

    Liebe Grüße, Veronika

  3. Uih 🙂 Private Erinnerungen, gerade solche, sind wirklich etwas schönes. Vielen Dank fürs teilen. Hat auch in mir ein paar Erinnerungen geweckt (gerade an meine Gehpuppe, auch wenn meine nicht mehr zerbrechlich war).
    Die Krampus-Karte kenne ich dafür überhaupt nicht. Ist aber ein echt schöner Brauch. So wie es sich anhört, wird das aber wohl nicht mehr so gemacht, oder?

    Lieben Gruß,
    Conny

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